Das Comeback der Lebensmittelkarte

Das Comeback der Lebensmittelkarte

Noch keine drei Wochen im Amt, schon reißt Svenja Schulze (SPD) der Geduldsfaden. Die Rettung der Insekten geht nicht schnell genug voran. So teilt die neue Umweltministerin in einer Pressemitteilung mit:

“Wir wissen um das dramatische Insektensterben. Das ist ein großes, existenzielles Problem, auf das wir große Antworten finden müssen. Das wird den Umgang mit Pestiziden betreffen und die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben. Hier wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern müssen.”

Als Sofortmaßnahme greift Schulze jetzt zu unkonventionellen Mitteln: Sie will die gute alte Lebensmittelmarke wieder einführen. Durch Unterstützung der Landwirte vor Ort etwa durch Unkrautjäten auf den Feldern oder durch Pflegearbeiten von Hecken und anderen Landschaftselementen kann sich jeder Bürger Anrechte auf Lebensmittelmarken erarbeiten. Lebensmittel können künftig nur noch unter Vorlage dieser Bezugsscheine gekauft werden. Schulze begründet diesen radikalen Schritt mit der gemeinsamen Verantwortung aller Menschen für die Natur:

“Die Landwirte können unmöglich die ganze Last der notwendigen Veränderungen alleine tragen. Hier ist der Verbraucher gefragt. Künftig kann nur noch derjenige öffentliche Leistungen der Landwirtschaft wie erschwingliche Lebensmittel und Landschaftspflege in Anspruch nehmen, der auch was dafür tut.”

Der Hintergrund: Das ambitionierte Pestizidreduktionsprogramm der Bundesregierung sieht u.a. den kompletten Verzicht auf chemische Unkrautbekämpfung vor. Svenja Schulze stellt in ihrer Regierungserklärung (Protokoll, S. 2199) fest:

“Die Menschen in Deutschland haben ganz eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass sie kein Glyphosat auf unseren Äckern wollen und dass sie insgesamt einen sorgsameren Umgang mit Pfanzenschutzmitteln einfordern. Wir werden deshalb die Anwendung von Glyphosat in dieser Legislaturperiode schnellstmöglich beenden.”

Da chemische Alternativen zu Glyphosat ökologisch problematischer sind und auch mechanische Methoden der Unkrautbekämpfung wie Pflügen und Hacken mit Traktoren Biodiversität vernichten, soll jetzt wieder mit der Hand gejätet werden. Bei den Insektiziden ergibt sich eine ähnliche Lage: Da auch für den Ökolandbau zugelassene Pestizide wie Spinosad oder Pyrethrine als bienengefährlich eingestuft sind, stellen diese Mittel Schulze zufolge keine echte Alternative da. Sie stellt klar:

“Im Grunde kann man bei keinem Insektizid, das gespritzt wird, eine mögliche Schädigung von Nützlingen sicher ausschließen. Bei biologischen Präparaten mit dem Bacillus Thuringiensis wurde sogar nachgewiesen, dass Spritzanwendungen damit – etwa zur Stechmückenbekämpfung – den Bruterfolg von Vögeln in den behandelten Regionen beeinträchtigen.”

Letztlich bliebe nur das Absammeln der Schadinsekten mit der Hand, resümiert die Ministerin, sonst ließe sich das Bienensterben nicht aufhalten. Da das einen enormen Arbeitskräftebedarf erfordert, der nicht durch prekäre Beschäftigung gedeckt werden soll, wird diese Wohlfahrtsleistung der Landwirtschaft jetzt vergesellschaftet.

“Früher hatte schließlich auch jeder seinen Hausgarten sowie sein Schwein oder seine Ziege für den Eigenbedarf im Hinterhof. Auf diese Weise stellen wir den Kontakt der Bevölkerung zur landwirtschaftlichen Urproduktion wieder her”,

freut sich Slow-Food-Mitglied Svenja Schulze. Natürlich sei es vermutlich schwierig, sich die nötige Zeit für diese Tätigkeiten freizuhalten, gibt die Ministerin zu, aber so könne man den Jahresurlaub ja auch mal sinnvoll verbringen:

“Sehen Sie, wenn Sie auf die Flugreise nach Mallorca verzichten, leisten Sie auch gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz. Schließlich haben wir unser für 2018 erlaubtes CO2-Pensum bereits im März aufgebraucht. Da müssen wir jetzt die Notbremse ziehen. Ein Weiter-So kommt nicht in Frage.”

Außerdem habe die Mithilfe auf den Bauernhöfen den begrüßenswerten Nebeneffekt, dass die Menschen den Wert von Lebensmitteln wieder mehr würdigen, ist sich Schulze sicher. Und: Die Regierung könne den Konsum bestimmter Lebensmittel über die Vergabe von Marken sehr gut steuern: Fleisch (schlechte Klimabilanz, Tierschutz-Problematik) oder besonders zuckerhaltige Getränke (Übergewicht!) können auf diese Weise einfach künstlich verteuert werden. Wer nicht in der Lage ist, seinen Arbeitseinsatz zu leisten, kann die Bezugsrechte auf Antrag auch käuflich erwerben. Lebensmittel, die sich hierzulande nicht so großer Beliebtheit erfreuen wie z.B. Schweineköpfe und Hühnerfüße, können auch ohne Lebensmittelkarte erworben werden. Damit will die Umweltministerin in der Entwicklungshilfe wichtige Akzente setzen:

“Es darf schließlich nicht sein, dass wir mit unseren Abfällen die heimischen Märkte in Afrika zerstören.”

Auf die Frage, ab wann die umfassenden Änderungen gelten sollen, gibt Schulze Auskunft:

“Unverzüglich. Sofort! Schließlich fordert die Moral von uns ein sofortiges Handeln und duldet keinen Aufschub. Das sind wir nachfolgenden Generationen schuldig.”

 

Bildnachweis:  Bundesarchiv, Bild 183-H26799 / CC-BY-SA 3.0

Postfaktischer Adventskalender, Teil 4: “Satt ist nicht genug”

Postfaktischer Adventskalender, Teil 4: “Satt ist nicht genug”

Gestern trudelte die alljährliche Spendentüte von Brot für die Welt, dem Hilfswerks der evangelischen Kirchen, bei uns ein. Diese Tüte wird leer bleiben. Das liegt unter anderem daran, dass Brot für die Welt einen aus meiner Sicht postfaktischen Ansatz bei der Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Entwicklungsländern verfolgt.

Die Kampagne “Satt ist nicht genug” wurde im Advent des vergangenen Jahres mit einem Gottesdienst eröffnet. Mit von der Partei war die indische Anti-Gentechnik-Aktivistin Vandana Shiva. Kern der Kampagne ist die Aussage, dass herkömmliches “altes” Saatgut, den Menschen helfe, sich gut zu ernähren. Aus der Pressemitteilung zum Kampagnenauftakt vor gut einem Jahr:

Einen wichtigen Beitrag zur Überwindung von Mangelernährung leisten traditionelle Getreide-, Obst- und Gemüsesorten. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Weil alte Sorten auch an die Boden- und Klimaverhältnisse angepasst sind, halten sie Klimaschwankungen, Dürreperioden oder anhaltende Regenfälle besser aus. Brot für die Welt fördert deshalb den Erhalt und die Wiederbelebung traditioneller und nährstoffreicher Kulturpflanzen auf vielen Kontinenten.

“Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, sagt: „Mangelernährung behindert Entwicklung genauso wie Hunger. Deshalb brauchen Kleinbauern, die den Großteil der Nahrung produzieren, freien Zugang zu traditionellem Saatgut. Sie müssen es bewahren, vermehren und weitergeben dürfen wie sie es immer getan haben.“ Das von den Konzernen entwickelte und mit Marktmacht global verbreitete Saatgut verdrängt die Sorten- und damit Nahrungsvielfalt und trägt zur Mangelernährung wie zur Verarmung vieler Kleinbauern bei.”

Wenn alte Sorten so toll sind, warum hungern Menschen dann überhaupt? Vandana Shiva behauptet, dass die Grüne Revolution und der Markteintritt großer Saatgut-Konzerne erst den Hunger in Indien verursacht hat. Sie empfiehlt daher traditionelle Sorten und betreibt eine Saatgutbank zum Erhalt derselben. Auch dieses Projekt wird von Brot für die Welt gefördert. Moderne Biotechnologie lehnt Vandana Shiva kategorisch ab und ist damit in der westlichen Welt nahezu zur Ikone der Anti-Gentechnik-Bewegung geworden. Aus meiner Sicht ist das ein Holzweg.

Zum einen haben u.a. der Göttinger Forscher Matin Qaim und sein Team mehrfach gezeigt, dass zum Beispiel der Einsatz gentechnisch verbesserter Baumwolle die Lebenssituation indischer Kleinbauern verbessert hat. Weitere Projekte wie die Einführung von Bt-Auberginen in Bangladesh lassen ähnliche Ergebnisse erwarten. Zum anderen bin ich der Meinung, dass Bauern durchaus selbst entscheiden können, welche Art von Saatgut ihnen am besten hilft.

Die Person Vandana Shiva ist noch ein ganz anderes Kapitel: Sie ist multifunktional einsetzbar, zum Beispiel als Testimonial für die Agrarwende beim Parteitag der Grünen oder zur Illustrierung der CRS (“Corporate Responsibility and Sustainability”) eines Edel-Einrichtungshauses in New York. Nur eines ist sie ganz bestimmt nicht: arm. Für einen Vortrag wird ein Honorar von 40.000 Dollar fällig plus Anreise in der Business-Klasse.

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Mahaletchumy Arujanan vom Malaysian Biotechnology Information Centre äußerte in diesem Herbst auf einer Konferenz im Europäischen Parlament ihre Verwunderung, warum Vandana Shiva in Europa so idealisiert wird.

In Asien habe Shiva kein Standing, keine Glaubwürdigkeit und kein Podium. Sie appellierte, damit aufzuhören, ihr soviel Aufmerksamkeit zu schenken.

Dr. Stephanie Franck, Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e.V, hielt am 12. April dieses Jahres in der Universität Göttingen einen Vortrag “Mit dem Saatgut fängt es an – Idylle und Wirklichkeit in der Pflanzenzüchtung”.

Sie schilderte aktuelle Herausforderungen der Pflanzenzüchtung angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und vermuteter klimatischer Veränderungen in den nächsten Jahren. Sie beschrieb, welche Chancen moderne Züchtungstechnologien vor diesem Hintergrund bieten und welchen Schwierigkeiten die Züchter begegnen. Ihr Vortrag endete mit der Betrachtung eines Plakates von Brot für die Welt, das sie in einer Hamburger U-Bahn-Station entdeckt hatte.

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Im “Kleingedruckten” steht:

“Helfen Sie den Menschen in Kenia und vielen anderen Ländern, lebenswichtige Nahrungspflanzen aus eigenem Saatgut anzubauen. Wer sich selbst versorgen kann, führt ein Leben in Würde.”

Dr. Franck schloss ihren Vortrag mit dem Fazit:

“Stünde hier statt “eigenem Saatgut” “optimales Saatgut”, dann hätte Brot für die Welt den Nagel auf den Kopf getroffen.”

 

Links:

Vandana Shiva, Anti-GMO Celebrity: ‘Eco Goddess’ Or Dangerous Fabulist?

“Eco-Warrior” Vandana Shiva, at $40,000 a Speech, Rejoins Hawaii Anti-GMO Crusade, But Truth Is the Victim

SEEDS OF DOUBT. An activist’s controversial crusade against genetically modified crops.

SEEDS OF TRUTH – A RESPONSE TO THE NEW YORKER

New Yorker editor David Remnick responds to Vandana Shiva criticism of Michael Specter’s profile

The myth of India’s ‘GM genocide’: Genetically modified cotton blamed for wave of farmer suicides

The GMO-Suicide Myth

Green killers and pseudo-science

Vandana Shiva Achieves Amazing Feat Of Appropriating Her Own Culture

Wohlfühl-Ideologie statt Fakten

Wohlfühl-Ideologie statt Fakten

 

Vandana Shiva geht es nicht darum, den Menschen vor Ort zu helfen. Ihr Programm ist der Verkauf einer Ideologie, dem Festhalten an der traditionellen Landwirtschaft. Für sie hat mit dem Einzug moderner Anbau-Methoden der Hunger in Indien erst begonnen. Martín Caparrós schildert in seinem Buch „Der Hunger“ eine Begegnung mit Vandana Shiva:

„ … und sie erklärt mir, bis 1990 habe Indien den Hunger erfolgreich bekämpft, doch 1991, mit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes, habe sich das geändert. Ich hätte ihr zu gern zugestimmt, aber ich habe den Eindruck – nach dem, was ich gelesen, was ich gehört habe – , dass es in Indien immer Hunger gab, …“ (S. 224)

Die Schilderung des deutschen Volkwirts und Politikers Reimut Jochimsen von 1967 bestätigt den argentinischen Autor:

„Die Menschen in Binar, in Uttar Pradesh, in Westbengalen, Madya Pradesh, Kerala und anderswo in Indien leiden schon seit Generationen Hunger, ebenso in Pakistan, in Asiens anderen Teilen, in Lateinamerika und in Afrika. In den Ländern mit dem höchsten Anteil der Bauern an der Gesamtbevölkerung ist diese Not am größten: In Indien leben 85 Prozent auf dem Lande überwiegend von der Landwirtschaft, aus der über die Hälfte des Sozialprodukts stammt.“

Caparrós zitiert Shivas Antwort:

„Nein das stimmt nicht. Mit der Ankunft multinationaler Konzerne wie Monsanto mit ihrem Saatgut und ihrer unstillbaren Gier nach Land hat sich alles verändert.“ (S. 224)

Auch der Erfolg der Grünen Revolution wird von Shiva schlicht abgestritten. So sagt sie in einem aktuellen Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kurier“:

„Ich schaue als Wissenschaftlerin auf ganze Systeme, das tut die Lobby nicht. Die behauptet noch immer, die Grüne Revolution hat in Indien Wunder bewirkt. Aber sie hat den Boden und die Wirtschaft ruiniert, Gewalt gebracht und die Zukunft zerstört. Und trotzdem wird nicht mehr Nahrung produziert. Jeder vierte Inder hungert, jedes zweite Kind lebt an der Armutsgrenze. Natürlich steigere ich zum Beispiel die Weizenproduktion, wenn ich eine Weizen-Monokultur mache, aber das heißt nicht, dass ich mehr Essen produziere. Hülsenfrüchte für das Protein müssen wir heute zum Beispiel importieren.“

Laut Reimut Jochimsen musste Indien früher auch Getreide importieren. Martín Caparrós schreibt:

„1964 produzierte Indien 12 Millionen Tonnen Weizen auf 14 Millionen Hektar, 1995 waren es 57 Millionen auf 24 Millionen Hektar: der Ertrag pro Hektar hat sich mehr als verdoppelt.“ (S. 227)

Heute exportiert Indien Getreide.

Auch das von Shiva in die Welt gesetzte Gerücht, die Einführung von gentechnisch verbesserter Baumwolle hätte die Selbstmordrate unter indischen Bauern in die Höhe getrieben, ist schlichtweg falsch und wurde mehrfach widerlegt. Einen ausführlichen Bericht zum Erfolg von Bt-Baumwolle in Indien hat das Belgische  Vlaams Instituut voor Biotechnologie vorgelegt, aus der Zusammenfassung:

„In other words, Bt cotton in India is the story of a high-technology agricultural innovation that can also offer benefits to smaller farmers.

Research has also demonstrated that there is no link between the high number of suicides amongst Indian farmers and whether or not they cultivate Bt cotton. Such a link is repeatedly suggested by non-governmental organizations, lobby groups and the media.“

Kurzum: Shiva ignoriert den Stand der Technik, ignoriert die Erfolge moderner Technologien, beharrt auf einer Meinung von gestern und hat damit vor allem im Westen Erfolg: Die Menschen in den Industrienationen sehnen sich nach dieser Ideologisierung des Ursprünglichem: „Zurück zur Natur“, „Früher war alles besser“. Und so sammelt Shiva in kleinen Blechbüchsen ursprüngliches Saatgut für ihre Bio-Bauern. Ich weiß ja nicht, wieviel Hektar sie damit bestellen will. Der Ackerbau auf unserem Betrieb ist nicht groß, aber vor jeder Aussaat lagert das Saatgut in unserer Scheune in Säcken palettenweise sowie in großen Big Packs. Die Saatgutbank der Frau Shiva scheint mir eher ein Showroom für nichtsahnende Städter mit dickem Geldbeutel zu sein.

Diskussionen scheut Vandana Shiva. Fühlt man ihr auf den Zahn, weicht sie aus. Twitter-Accounts, die Studien über Grüne Gentechnik verbreiten, werden von ihrem Account einfach geblockt.

Am bittersten ist Shivas Opposition gegen den Goldenen Reis. Sie schreibt:

„Seed sovereignty and food sovereignty in women’s hands is the most effective way to get rid of deficiencies of Vit. A and other micronutrients. The biotech industry and Golden Rice promoters  are deliberatey blind to this alternative. Goden Rice for them is a Trojan Horse to introduce GMOs, and GMOs are a Trojan horse to introduce Intellectual property Rights on seeds of rice.“

Alle, die das “Trojanische Pferd”-Motiv anführen, wenn sie gegen den Goldenen Reis wettern, mögen sich bitte eins vor Augen führen: Der Etappensieg der Gentechnik-Unternehmen in der PR-Schlacht gegen die NGOs käme ja nur dann zustande, wenn der Reis erfolgreich ist. Und was heißt denn Erfolg hier? Wenn der Goldene Reis erfolgreich ist, bedeutet das die Rettung von Millionen von Kindern. Was wiegt ethisch denn jetzt schwerer? Hier geht doch wohl die Rettung von Menschenleben vor! Vandana Shiva – Big Green generell – hätte natürlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, sollte der Reis die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllen. Und es würden unangenehme Fragen gestellt werden, etwa: Warum man diese Technologie über Jahre bekämpft hat? Oder: Ob man eventuell sogar verantwortlich ist für die Unterernährung, die Krankheit und den Tod von Millionen von Kindern?

Und zum Schluss noch einmal Martín Caparrós (S. 235):

„Ich würde mich ja gerne eines Besseren belehren lassen, aber ich verstehe es nicht. Und so sage ich schließlich doch, dass die Menschen in Bihar, wo ich gerade herkomme seit Generationen unterernährt sind.
»Na ja, Bihar ist eine Ausnahme.«
Sagt sie, und ich erwidere, meines Wissens sei das nicht die einzige Gegend und es seien gerade Ausnahmen wie Bihar mit seinen hundert Millionen Einwohnern, die dazu beitragen, dass es so viel Hunger gibt.
Ihre dunklen Augen blitzen.“