Ich bin studierte Philosophin, gelernte Redakteurin und vor gut zehn Jahren auf dem Land gestrandet. Hier (be)schreibe ich, was mich so umtreibt, wenn ich nicht gerade den Ponystall miste, Torwart-Handschuhe suche, Unmengen Lebensmittel oder Wäsche verarbeite oder versuche, schneller zu rupfen, als das Unkraut wächst.

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16 thoughts on “Über diesen Blog

    1. In meinen zahlreichen Staudenbeeten ziehe ich das Unkraut mit Hand und ggf. Jät-Hacke aus. Denn: Glyphosat ist ein sogenanntes nicht-selektives Totalherbizid. Das heißt, die Stauden, Ziergräser und Sträucher würden nach der Behandlung mit Glyphosat auch absterben. Das will ich ja nicht. Aber noch einmal: Die breite Wirksamkeit beruht nicht auf einer besonderes Giftigkeit des Mittels, sondern darauf, dass der Wirkstoff ein Enzym im Pflanzenstoffwechsel blockiert.

  1. Hallo…
    auch ich bin über ihren Brief zum Thema Glyphosat gestolpert.
    Ich möchte ihre Kompetenz als Redakteurin nicht in Frage stellen, doch habe ich meine Zweifel wie gut Sie diese Thematik recherchiert haben.
    Aus diesem Grund würde ich Ihnen gerne einen Vorschlag machen…Sie lesen die folgende Präsentation von Fr. Prof. Monika Krüger (UNI Leipzig):
    http://www.oedp-niedersachsen.de/pdf/Risiko-Glyphosat.pdf — Titel: “Glyphosat – Wirkung des Totalherbizids auf Mensch und Tier”.
    Nachdem Sie diese Informationen gesichtet und verstanden haben (bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung), würde ich mich über eine Rückmeldung freuen!
    Mit Informationen die die Ernährung einer gesamten Bevölkerung betreffen, sollte man nicht zu leichtfertig umgehen und bei synthetischen PSM ist besondere Vorsicht geboten. Langzeitwirkungen sind meist nicht bei Markteinführung bekannt und werden meist nicht von den produzierenden Firmen erforscht, in deren Verantwortung es fallen sollte.
    Ich hoffe auf ihre Antwort!!!

    1. Hallo Herr Doughty,

      vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Die Thesen von Prof. Dr. Monika Krüger sind mir durchaus geläufig, allerdings halte ich sie für wenig plausibel. Sie stellt die Vermutung auf, dass Glyphosat für das Krankheitsbild des sogenannten Chronischen Botulismus bei Rindern verantwortlich ist. Sie steht mit dieser Vermutung in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft allein da. Eine große öffentlich finanzierte Studie über Botulismus konnte den Zusammenhang nicht bestätigen: https://ibei.tiho-hannover.de/botulismus/dokumente/Abstracts_Abschluss-Symposium_12.09.2014.pdf. Die Hypothese erklärt auch nicht, dass sich die Botulismus-Fälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein häufen. Denn Futtermittel, die pflanzliche Produkte enthalten, die irgendwann mit Glyphosat in Kontakt gekommen sind, werden bundesweit gleichermaßen gefüttert. Auch wird nicht klar, warum ausgerechnet Glyphosat für die Gesundheitsprobleme bei den Kühen verantwortlich sein soll. Wenn man sich ansieht, auf wie viele Stoffe die Futtermittel in Deutschland amtlich untersucht werden (http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Futtermittel/Futtermittel-Jahresueberwachung-2013-Lang.pdf?__blob=publicationFile), findet man Dutzende anderer Chemikalien, die grundsätzlich auch als Übeltäter in Frage kommen. Einer Studie von Frau Prof. Dr. Krüger über Milchkühe in Dänemark werden zudem methodische Mängel nachgesagt. Hierzu gibt es eine Stellungnahme vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR): http://www.bfr.bund.de/cm/343/erste-einschaetzung-von-glyphosatfunden-im-urin-von-milchkuehen.pdf. Gerne zitiert sie auch Namen wie Huber, Séralini, Carrasco und Paganelli. Das sind alles erklärte Glyphosat-Gegner, die mit einer Studie nach der anderen scheinbar endgültig die Schädlichkeit des Wirkstoffs beweisen wollen. Ihnen stehen allerdings Tausende von Arbeiten gegenüber, die ihren Generalverdacht nicht bestätigen können. Das BfR hat jetzt für die Neubewertung im Auftrag der EU mehr als 1.000 Studien ausgewertet und konnte keine Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier feststellen. Unter http://www.scilogs.de/detritus/faktencheck-bund-glyphosat/ finden Sie einen Faktencheck, den ein Wissenschaftsjournalist anlässlich der “BUND-Studie” verfasst hat, bei der Glyphosat in menschlichem Urin gefunden wurde.

      Mit Pflanzenschutzmitteln sollte nicht leichtfertig umgegangen werden. Das ist absolut richtig. Glyphosat wird seit rund 40 Jahren eingesetzt und ist eines der am besten untersuchten Wirkstoffe in dem Bereich überhaupt. Wir haben zum Beispiel jetzt beim Regierungspräsidium nachgefragt, ob sie uns angesichts der öffentlichen Diskussion eine Alternative empfehlen können. Die Antwort war: Nein, es gebe kein Mittel für den Anwendungsbereich, das annähernd so gut untersucht wäre. Umso mehr ärgert es mich, dass politische Parteien und Nicht-Regierungsorganisationen das Thema hochspielen und unsachlich Ängste schüren. Auch dass Frau Prof. Krüger mit ihren Thesen jetzt wieder ständig im Fernsehen ist, während ihre Theorien in der Fachwelt kein Thema sind, zeugt nicht von der Qualität unseres Journalismus. Deswegen sollten Sie, lieber Herr Doughty, die Kompetenz von Redakteuren grundsätzlich immer in Frage stellen 😉

      Das war jetzt ein erster Rundumschlag. Wenn ich noch mehr herausfinde sollte, werde ich das nachreichen.

      Beste Grüße

      Susanne Günther

  2. Sehr geehrte Frau Günther,

    Sie kritisieren hier aus dem Dunklen heraus. Das Verlinken eines Abstracts, was nur einzelne Programmpunkte eines Symposiums enthält, ist natürlich keineswegs ein stichhaltiges Argument.
    Zudem hat das BfR im Moment seinen eigenen Glyphosat-Skandal und damit im Moment ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Die Folien von Prof. Dr. Monika Krüger sind für jemanden mit dem entsprechenden Background sehr schlüssig. Insgesamt attackieren Sie die Studien polemisch aus dem Dunklen heraus. Sie propagieren hier einen ungebremsten Einsatz von Glyphosat. Weil ist ja angeblich ungefährlich – Weil man zum Beispiel im Vorfeld nicht mit Synergie-Effekten rechnet. Sollte man hier nicht aus der Geschichte insbesondere aus der vergangenen/aktuellen Produktpalette von Monsanto lernen:

    1. Saccharin
    2. PCB’s
    3. DDT
    4. Aspartam
    5. Rinderwachstumshormon (Milchproduktion)
    usw.

    Um hier nur einige der zweifelhaften Monsanto-Produkten zu nennen. Die angeblich auch absolut unbedenklich waren bzw. sind…
    Ihnen ist schon klar das ein Totalherbizid wie eine Atombombe im Ökosystem einschlägt?
    Missbildungen von Kindern und Tieren in Ländern, die massiv Pflanzenschutzmitteln einsetzen, können auch Sie nicht ignorieren.
    Um zum Punkt zu kommen. Pflanzenschutzmittel habe absolut nichts im tierischen/menschlichen Stoffwechsel zu suchen. Es könnte sein, dass der Preis der letztlich hier für die Bequemlichkeit der preiswerten industriellen Nahrungsmittelproduktion zu zahlen ist, viel zu hoch ist.

    Mit TTIP, TISA und CETA werden wir entsprechende Produkte durch die Hintertür demnächst auch hier in Europa haben…

    In diesem Sinne besser safe than sorry.

    1. Werte/r “Black”,

      wo bitte sehr propagiert Frau Günther denn “hier einen ungebremsten Einsatz von Glyphosat”? Sie sieht und beschreibt die Sachlage halt realistisch, mit stichhaltigen Fakten belegt. Dass die Mehrheit der Experten “mit dem entsprechenden Background” “die Folien von Prof. Dr. Monika Krüger” nicht für so schlüssig hält wie Sie das tun, können Sie Frau Günther doch wohl nicht ankreiden. Für Sie decken sich die Krüger-Folien wohl mit Ihrem (NGO-)Weltbild, für die Experten aber nicht mit der tatsächlichen Beweislage. So entstehen unterschiedliche Positionen, die einen ideologisch, die anderen realitätsnah. Da wollen wir der Frau Günther doch auch keine Polemik unterstellen (auf die ja ohnehin Greenpeace & Co. ein Patent zu haben scheinen) und “aus dem Dunklen heraus” agiert sie nun schon gar nicht: alles hell und klar und mit der Realität kompatibel. Sie haben aber offenbar in der Düsternis der Monsanto-Vorurteils-Floskel-Kiste gewühlt und sind auf die ewig gleichen uralten Greenpeace-Mantras vom bösen Monsanto gestoßen, dem profitgeilen Weltverschwörer, der uns schon immer alle vergiften wollte und sich gegen die Guten nur durchsetzen kann, weil er alle aufkauft: die Wissenschaftler (in Ihrer Szene als “Lobby” gebrandmarkt, wenn sie nicht Ihre Positionen vertreten), die Überläufer von Greenpeace (z.B. Mark Lynas, Patrick Moore), die Presse (so die denn mal ausnahmsweise nicht bei Greenpeace denken lässt)…
      Schade, nicht wahr, dass Saccharin bis Rinderwachstumshormon sich bisher als Rohrkrepierer herausgestellt haben und für Greenpeace nicht mehr “kampagnetauglich” (sprich: angstspenden-einträglich) sind. Da muss halt Glyphosat als Angstmacher herhalten, mit dessen Verbot man dann wohl auch gleich die assoziierten “Genpflanzen” zu erledigen glaubt.
      Und wenn Sie sich mal fachlich informieren sollten, stellen Sie sicher auch fest, dass die Menschheit sich schon immer mit Pflanzenschutzmitteln “im tierischen/menschlichen Stoffwechsel” auseinander setzen musste. Die Pflanzen stellen nämlich, zum eigenen Überleben gegen eine Vielzahl von Fressfeinden, selbst “körpereigene” Pflanzenschutzmittel her, die meisten davon weit giftiger als die modernen synthetischen Pflanzenschutzmittel. Viele Kulturpflanzen sind überhaupt nur essbar, weil Pflanzenzüchter ihnen die Giftstoffe (zumindest teilweise) wegzüchten konnten. Wenn die “natürlichen Pflanzenschutzmittel” den strengen Regeln des Pflanzenschutzmittelgesetzes unterliegen würden, dürften viele Pflanzen nicht mehr gehandelt werden! Und auch den karzinogenen oder teratogenen Mykotoxinen auf ungespritztem Erntegut sollte man sicher ein größeres Augenmerk widmen, als Glyphosat. Aber die natürlichen Giftstoffe sind ja nicht kampagnefähig… Außer man bastelt wieder einen Zusammenhang mir Glyphosat, wie z. B. bei Botulin und “Rindersterben”…
      Und Ihre Bemerkung zu TTIP & Co. zum Schluss, gibt auch wieder den vertrauten Hinweis: Man drischt ein auf Glyphosat (kommt gut an beim Angstpublikum und wirkt “menschheitsfreundlich”), meint aber den verhassten US-Multi Monsanto und damit gleich auch den verdammten Kapitalismus und die gesamte Globalisierung. Die kommen da alle “aus dem Dunkelen” “durch die Hintertür”, von der Weltverschwörerallianz gesteuert. Da ist für alle 68er-Robin-Hoods was dabei. Oder besser: Für alle Don Quichottes.

      So, jetzt lassen wir Frau Günther wieder “schneller rupfen, als das Unkraut wächst”, damit sie nicht wegen uns Glyphosat einsetzen muss.

      1. Herr oder Frau Black,
        eine Frage: Welchen “background” akzeptieren Sie als geeignet, um die Präsentation von Frau Prof. Krüger richtig einschätzen zu können? Vermutlich habe ich den auch nicht, denn auch ich teile die Einschätzung von Frau Günther. Mehr noch, ich finde es unverantwortlich von Frau Prof. Krüger, glauben zu machen, sie habe die Ursache der Faktorenerkrankung ermittelt, obwohl dies nicht der Fall ist. Es lohnt, die Zusammenfassungen des Symposiums zu lesen. Die Ergebnisse geben die entscheidenden Hinweise für Landwirte wie Tierärzte, um beim Auftreten des Krankheitsbildes richtig zu handeln und eine Gesundung der Herde herbeizuführen.

  3. Glyposat arbeitet so: Spritze ich die zu vernichtende Pflanze (Riesen Bärenklau) sterben auch die Pflanzen um die gespritzte Stelle. Der Neutrieb ist schneller wie die Pflanzen herum, wieder da.
    Schneide ich hingegen die Pflanze ab, können die Pflanzen herum schneller wachsen und den Neutrieb des Riesen Bärenklau ersticken. Ferner finden sich Schnecken, die die Blätter der abgeschnittene Pflanze fressen und auch den Neutrieb schädigen.
    Ich habe Erfahrungen aus Lettland und einer größeren Fläche mit Riesen Bärenklau.

    1. Ich stimme Ihnen zu: Glyphosat ist nicht für jede Art von Unkrautbekämpfung geeignet. Auch für Brennnesseln in Wiesen gibt es geeignetere Wirkstoffe, die zum Beispiel nicht auf Gräser wirken. Die Brennnesseln treiben nämlich auch wieder aus und verbreiten sich anschließend noch leichter, weil die Konkurrenz ausgeschaltet ist. Bei großen Pflanzen ist die Wirkung von Herbiziden sowie sehr bescheiden. Wir hatten auch einmal ein Maisfeld, auf dem wir den Ampfer letztlich mit dem Spaten entfernt haben. Dieses Merkblatt der Landwirtschaftskammer NRW beschreibt ganz gut, wie komplex die Maßnahmenwahl im Einzelfall ist: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/genehmigungen/pdf/bekaempfung-herkulesstaude.pdf

  4. Die Metastudie bringt überhaupt nichts, da sie nur alle gemachten Studien zusammenfasst. Die meisten Studien sind jedoch von der Industrie finanziert und in keiner Weise unabhängig wie mit öffentlichen Mitteln finanzierte.. Bei finanzierten Studien durch die Industrie wird ein Ergebnis vorgegeben, dass bewiesen werden soll. Eine Ergebnis offene Studie, die das herausbringt, was tatsächlich da ist, ist hier überhaupt nicht möglich! Anbei ein Link zu einer guten Sendung auf ARTE, die genau über dieses Thema auch in Argentinien berichtet. Einfach mal anschauen und wirken lassen. Sie sind doch auch Mutter, oder? Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass ihnen nicht das selbe passiert, wie diesen Menschen, die ständig Glyphosat ausgesetzt waren. https://www.youtube.com/watch?v=5Tj9v24H-Lo

    1. Liebe Frau Garrido Luque,
      glauben Sie mir: Gerade weil ich Kinder habe, ist mir wichtig, dass politische Entscheidungen auf wissenschaftlicher Basis erfolgen und nicht dem – Entschuldigung – Geschrei der NGOs folgen. Wissenschaft, Demokratie und Rechtsstaat mögen fehleranfällig sein, weil sie von Menschen gemacht sind, aber wir haben nichts Besseres. Wichtig ist, dass Regeln eingehalten werden und Transparenz gewahrt wird. NGOs sind nicht transparent und haben ihre eigenen Regeln. Unter http://registerofquestions.efsa.europa.eu/roqFrontend/outputLoader?output=ON-4302 können Sie den offiziellen Risikobewertungsbericht zu Glyphosat abrufen. Das Dokument umfasst mehr als 4.300 Seiten. Lassen Sie das doch mal auf sich wirken. Ich vertraue dem BfR, dass es ordentlich gearbeitet hat. Unter der Leitung von Renate Künast von den Grünen hat das BfR in 2004 bereits für die WHO Glyphosat bewertet und ist zu den gleichen Ergebnissen gekommen. Die Studien, die die IARC heute kritisch sieht, gab es damals auch schon. Nur damals hat es niemanden interessiert, da konnte man noch gegen Atomkraft sein und hatte andere Kampagnenthemen. Zu den Industriestudien: Wie soll das anders gehen? Wenn ich einen Bauantrag für einen Stall einreiche, muss ich als Bauherr die dafür notwendigen Gutachten besorgen und auch bezahlen. Wichtig ist, dass die Gutachten vorschriftsmäßig erstellt worden sind und das anhand der eingereichten Unterlagen nachvollziehbar ist. Mal zu Ende gesponnen: Monsanto kommt doch vor Lachen nicht mehr in den Schlaf, wenn die Studien für den Zulassungsantrag von öffentlicher Hand beauftragt und bezahlt werden müssen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Studien sogar in denselben Laboren gemacht würden. Wäre ich Hersteller, ich würde einen Zulassungsantrag nach dem anderen stellen – kostet ja nix.
      Zur arte-Doku: Der Film ist von Andreas Rummel. Warum Herr Rummel sich so auf Glyphosat eingeschossen hat, weiß ich nicht. Auf dem Server vom MDR hat er ein ganzes Dossier dazu angelegt: http://www.mdr.de/investigativ/themen/glyphosat156.html. Zu den Vorwürfen: In einem anderen Film hatte Herr Rummel noch die Biogasanlagen für Botulismus verantwortlich gemacht, jetzt also Glyphosat – meinetwegen. Nur lässt sich diese These nicht belegen. Rummel bezieht sich auf Prof. Dr. Monika Krüger: Sie stellt die Vermutung auf, dass Glyphosat für das Krankheitsbild des sogenannten Chronischen Botulismus bei Rindern verantwortlich ist. Sie steht mit dieser Vermutung in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft allein da. Eine große öffentlich finanzierte Studie über Botulismus konnte den Zusammenhang nicht bestätigen: https://ibei.tiho-hannover.de/botulismus/dokumente/Abstracts_Abschluss-Symposium_12.09.2014.pdf. Die Hypothese erklärt auch nicht, dass sich die Botulismus-Fälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein häufen. Denn Futtermittel, die pflanzliche Produkte enthalten, die irgendwann mit Glyphosat in Kontakt gekommen sind, werden bundesweit gleichermaßen gefüttert. Das BfR hat zu Krügers Thesen auch eine Stellungnahme veröffentlicht: http://www.bfr.bund.de/cm/343/erste-einschaetzung-von-glyphosatfunden-im-urin-von-milchkuehen.pdf. Auch der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (vbio) sah sich genötigt, eine Stellungnahme (https://www.vbio.de/informationen/alle_news/e17162?news_id=14538) zu veröffentlichen, und kritisiert darin v.a. die Vorgehensweise von Prof. Krüger, mit einer These an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor die zugrunde liegende wissenschaftliche Veröffentlichung überhaupt erschienen ist. Eine wissenschaftliche Diskussion basiert schließlich nicht auf Pressemitteilungen. Wissenschaftler äußern sich erst zur Arbeit eines Kollegen, wenn sie die entsprechende Veröffentlichung gesichtet haben. Die Vorgehensweise hat Kalkül: Die Headlines sind um die Welt, bevor das Dementi aus der Fachwelt kommt. Für den Sauenhalter mit den missgebildeten Ferkeln gilt auch: Warum hat nur er diese Probleme? Die müssten flächendeckend auftauchen, aber immer ist nur dieser eine Bauer damit im Fernsehen. Der US-amerikanische Biologe Kevin Folta hat Prof. Krügers Untersuchung zu Pedersens Schweinen in seinem Blog (http://kfolta.blogspot.de/2014/08/danish-pigs-accumulate-glyphosate.html) folgendermaßen bewertet: „This is likely one of the worst papers ever to be published.“
      In einem Beitrag für das MDR-Format FAKT zitiert Andreas Rummel Prof. Krüger : „In allen untersuchten Organen jeden Tieres haben wir Glyphosat nachgewiesen. Und wir haben in diesen Organen sowie in der Muskulatur und in den Darmwänden dieser Tiere keine signifikanten Unterschiede zwischen den Konzentrationen gefunden. Das heißt also, dass die Tiere über die Plazenta der Muttertiere mit dem Glyphosat in Kontakt gekommen sind.“ Doch was ist das für ein Argument? Zu sagen, „in den Kadavern wurde Glyphosat nachgewiesen, also ist Glyphosat verantwortlich für die Missbildungen“, kommt der Schlussfolgerung gleich „in diesem Tumor ist Wasser nachgewiesen worden, also hat das Wasser den Tumor verursacht“.

      Sorry, aber ich bin für “Nachdenken” und “kritisch Hinterfragen”, statt “Wirken lassen”. Wir setzen auf unserem Betrieb auch vereinzelt Glyphosat ein, hätten durch ein Verbot allerdings keinen gravierenden wirtschaftlichen Nachteil. Meine Motivation in dieser Sache ist folgende: Ich sehe nicht ein, dass mein Mann oder unsere Mitarbeiter mit giftigeren und unsicheren Mitteln hantieren müssen, nur weil Campact, BUND, Greenpeace und Co ihre Spendenkonten auffüllen wollen und die Grünen sowie einige Randparteien (https://schillipaeppa.net/2017/10/20/parteien-schreiben-voneinander-ab-eine-polemik/) auf Wählerfang sind. Glyphosat ist seit rund 40 Jahren im Einsatz und eines der am besten untersuchten Wirkstoffe überhaupt. Glyphosat ist nach internationalen toxikologischen Standards (LD 50 Ratte oral) weniger toxisch als Kochsalz. Der Wirkungsmechanismus (Blockade eines Enzyms) greift nur bei Pflanzen, nicht bei Mensch und Tier. Das ist ein Grund, warum das Mittel so breit eingesetzt wird, und deswegen möchten die Landwirte auch ungern darauf verzichten. Alternativen – chemische und mechanische – sind ökologisch ungünstiger. Darum geht es.

  5. LIebe Frau Günther,

    auch ich habe kritisch hinterfragt, recherchiert und validiert. Folgende Kommentare zu Ihrer Antwort:

    “Unter der Leitung von Renate Künast von den Grünen hat das BfR in 2004 bereits für die WHO Glyphosat bewertet und ist zu den gleichen Ergebnissen gekommen.”

    Zitat aus aktueller Website von Renate Kynast:

    “Schon am 25. Oktober beraten wieder die Vertreter*innen der europäischen Regierungen, also auch die Bundesregierung, in Brüssel. Das heißt: Es gibt in diesem Jahr tatsächlich die historische Chance, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Europa von den Äckern zu verbannen. Um die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat zu Stoppen gibt es unten im Link eine Petition.“

    Zitat Ende

    Ebenfalls ist Frau Künast im Jahr 2016 mit einer Delegation in Argentinien gewesen, um sich über die Ausmaße der geesundheitlichen Folgen bei der dortigen Bevölkerung vor Ort zu informieren (wie auch im Arte Bericht schon dargstellt). Offensichtlich nimmt Frau Künast diese Angelegenheit ernster, als es Ihnen bewusst ist.

    Hier der Link zum Bericht:
    http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1527190

    Lasen wir einmal Frau Prof. Dr. Monika Krüger ganz außen vor und beleuchten einzig die in Argentinien in den letzten zehn Jahren dokumentierten und durch Sprühen in großen Mengen des Glyphosats verursachten Missbildungen und gesundheitlichen Schäden der Landbevölkerung. Die dort erhobenen Studien sind eindeutig! Frau Künast hat sich jedenfalls mit eigenen Augen angeschaut, was auch der argentinische Professor in der Arte Dokumentation angesprochen hat. Ist das unter den Tisch wischen solcher Informationen die eindeutig belegt sind nicht ein Verhöhnen all der Opfer in diesem, zugegebener Maßen, weit entfernten Land?

    In der Efsa sind die von Ihnen als nicht durchsichtig genannten NGO’s ebenso als Partner aufgeführt

    Zitat der Efsa Website:
    Partner sind:
    :Interessengruppen der Zivilgesellschaft wie z.B. NGO’s, Industrieverbände, Medien, Unternehmen und Lebensmittelindustrie, Verbände die die Interessen von Unternehmen in und für die Arbeit der Efsa relevanten Branchen vertreten (LOBBY!).Landwirte und Primärerzeuger, Organisationen die Akteure am Anfang der Lebenmittelkette vertreten.
    Zitat Ende.

    Das heißt, dass die offiziellen Behörden mit diesen NGO’s sogar PARTNERSCHAFTLICH zusammenarbeiten. Wenn also Ihrer Meinung nach NGO’s nicht durchsichtig sind, warum arbeitet eine offizielle Behörde dann mit solchen partnerschaftlich zusammen?

    Ich vermag Ihre Meinung, aus welchen Gründen auch immer, nich ändern zu können, aber inehme mir das Recht heraus, zumindest die andere Seite der Medaille zu beleuchten, für die es auch Belege gibt, die Grundlage meiner Überzeugung sind.

    Eine Frage hätte ich da noch: Wenn Glyphosat doch so wenig toxisch ist, wie Kochsalz, würden Sie sich es über ihr Frühstücksei streuen?

    Ihnen noch einen schönen Abend.

    Claudia Garrido Luque

    1. Liebe Frau Garrido Luque,

      dass Frau Künast sich in 2004 anders bzw. gar nicht zu Glyphosat äußert als heute widerspricht meiner These nicht, dass das Thema einfach populistisch missbraucht wird, sondern bestätigt sie.

      Es gibt eben keinen wissenschaftlichen erhärtbaren Beweis, dass die beschriebenen Gesundheitsschäden in Südamerika auf Glyphosat zurückzuführen sind. Glyphosat ist weltweit im Einsatz, dann müssten diese Gesundheitsprobleme auch weltweit zu beobachten sein. Das ist aber nicht der Fall. Außerdem: Wenn es eine Studie gäbe, die einen Zusammenhang nachgewiesen hätte, müsste die IARC, die Glyphosat als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft hat, das doch in ihrem Bericht aufführen, oder? Das tut sie aber nicht: http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol112/mono112-10.pdf Die spritzen in Südamerika Mittel, die bei uns zum Teil längst verboten sind, und das auch noch mit dem Flugzeug, was bei uns ebenfalls verboten ist. Natürlich ist das nicht o.k., aber es liegt nicht am Wirkstoff Glyphosat.

      Zu den NGOs: Dass die EFSA mit NGOs zusammenarbeitet, bedeutet ja nicht, dass sie deren Intransparenz übernimmt.

      Warum sollte ich Glyphosat auf mein Frühstücksei streuen? Schmeckt es salzig? Ich weiß es nicht. Ich würde auch kein Spülmittel auf mein Frühstücksei kippen, nur weil das Zeug ggf. weniger toxisch ist als Kochsalz. Das ist eines dieser Blödsinnsargumente, die menschliche Affekte ansprechen sollen, aber eben nicht den Verstand.

      Alles Gute!
      Susanne Günther

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