Verfilzt

Verfilzt

Mein französischer Blogger-Kollege Seppi hat auch etwas Interessantes in den #PortierPapers entdeckt: Nicht nur Christopher Portier auch Kurt Straif, Chef des IARC-Monographie-Programms und damit führender Angestellter der Organisation, pflegt offensichtlich Kontakte zur Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Am 16. Mai 2016 verkündete das JOINT FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues (JMPR), ein gemeinsames Gremium der UN-Organisationen FAO und WHO, dass Glyphosat bei Aufnahme durch die Nahrung nicht krebserregend für Menschen sei:

“The Meeting concluded that glyphosate is not carcinogenic in rats but could not
exclude the possibility that it is carcinogenic in mice at very high doses. In view of the absence of carcinogenic potential in rodents at human-relevant doses and the absence of genotoxicity by the oral route in mammals, and considering the epidemiological evidence from occupational exposures, the Meeting concluded that glyphosate is unlikely to pose a carcinogenic risk to humans from exposure through the diet.”

Diese Meldung machte weltweit Schlagzeilen und rief die Glyphosat-Gegner auf, eine Gegenstrategie zu entwickeln. Die Zeit eilte, denn eine weitere Abstimmung über die Verlängerung der EU-Genehmigung des Wirkstoff stand damals auf dem Plan. Diese Gegenstrategie wurde bereits im Vorfeld des JMPR-Treffens vorbereitet. Die Anti-Gentechnik-NGO U.S. Right to know (USRTK) veröffentliche am 12. Mai einen Artikel, in dem ein Interessenkonflikt einiger Mitglieder der JMPR-Arbeitsgruppe konstruiert wird. Sie stünden in Verbindung mit dem International Life Sciences Institute (ILSI), einer angeblichen Lobby-Einrichtung der Lebensmittelindustrie. Diese Information wurde im Anti-Glyphosat-Netzwerk fleißig verteilt. Kurt Straif verweist in einer formlosen E-Mail an Portier und an Hedwig Emmerig auf den USRTK-Artikel. Emmerig ist Referentin für Biotechnologie und Bioethik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. So wie die E-Mail formuliert ist, muss man davon ausgehen, dass dies nicht der erste E-Mail-Kontakt zwischen den Akteuren ist.

Die Information wird prompt umgesetzt: “Keine Entwarnung – Glyphosat weiterhin „wahrscheinlich krebserregend“” heißt es am 17. Mai 2016 auf den Seiten der Grünen Bundestagsfraktion, verwiesen wird auf USRTK als Quelle.  Die Twitter-Accounts der Grünen Abgeordneten laufen heiß:

Ich kann mich noch gut an diesen Tweet von Giegold erinnern: Man achte darauf, wie der Grüne Politiker den Bildausschnitt aus der Teilnehmerliste gewählt hat:

boobis.png

Die zahlreichen Auszeichnungen von Alan Boobis bis hin zum “Officer of the British Empire” brauchen Giegolds Follower wohl nicht zu interessieren.

Monsanto als ILSI-Geldgeber darf natürlich nicht fehlen in der Gegen-Kampagne, auch diese Information stammt von USRTK.

Alan Boobis Positionen bei der ILSI werden nach seinen Angaben nicht entlohnt. Von den Zuwendungen Monsantos hat er persönlich keinen Vorteil. Aber wen interessiert das schon, wenn man sich auf der Seite der Guten wähnt?

Was uns vielleicht interessieren sollte, wäre dieser Filz aus IARC, NGOs, Grünen Politikern und Medien. Die E-Mails, die jetzt veröffentlicht worden sind, dürften nur die Spitze des Eisbergs sein.

 

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung

Sehr geehrte Redaktion,

mit Verwunderung habe ich heute wieder einen weiteren Artikel über Glyphosat zur Kenntnis genommen. In dem Artikel geht es um ein WHO-Dokument, das die wesentliche Ergebnisse der Task Force Glyphosat zuammenfasst (http://www.who.int/foodsafety/areas_work/chemical-risks/main_findings_and_recommendations.pdf?ua=1).

Frau Liebrich behauptet in ihrem Artikel, dass in dem Paper Kritik geübt wird an der bisherigen Vorgehensweise der Pestizid-Bewertung durch die JMPR. Das ist in dieser Klarheit aber nicht der Fall. Im Paper steht: “The task force did not assess the relevance of the studies used by IARC for the remit of JMPR, because such an activity was outside the Terms of Reference of the task force.” Also, die Arbeitsgruppe hatte nicht abzuschätzen, ob die von der IARC verwendeten Studien für den Auftrag der JMPR relevant sind. Die Empfehlung, eine Neubewertung von Glyphosat durch die JMPR vorzunehmen, resultiert schon aus dem Umstand, dass die letzte Bewertung mehrere Jahre her ist und diverse Studien, die jetzt die IARC ausgewertet hat, nicht vorlagen. Es liegt hier auch kein Urteil vor, das das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) in Bedrängnis bringen würde, wie Frau Liebrich behauptet. Laut WHO-Website (http://www.who.int/foodsafety/areas_work/chemical-risks/list_of_experts1.pdf?ua=1) ist der zuständige BfR-Abteilungsleiter Dr. Roland Solecki selbst Mitglied der Task Force.

Kurzum: Die Berichterstattung von Frau Liebrich nimmt groteske Formen an. Unverdrossen werden Behauptungen aufgestellt (“Behörde hat kritische Studien ignoriert” und “Leserbriefe der Industrie als Studien bezeichnet”), die das BfR längst vollumfänglich klargestellt hat. Meinetwegen kann Frau Liebrich ihren persönlichen Feldzug gegen Glyphosat gerne in grünen Parteipostillen und NGO-Broschüren führen, aber dass sich eine überregionale Tageszeitung dafür als Medium missbrauchen lässt, ist höchst seltsam.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Günther

P.S.: Nein, ich werde nicht von Monsanto und/oder der sonstigen Agrarindustrie und/oder dem Bauernverband bezahlt. Das habe ich mit Frau Liebrich bereits geklärt.