Windschutzscheiben-Psychologie

Windschutzscheiben-Psychologie

“Dass die Insekten sterben, sehe ich an meiner Windschutzscheibe – die ist heute nämlich sauber, früher klebte sie voller Insekten.” – Mehr Beweis braucht es nicht: Nahezu in jedem Artikel sowie in jedem zweiten Internet-Post, der sich irgendwie mit dem Thema Insektensterben und der Krefelder Studie dazu befasst, kommt dieses Beispiel zur Veranschaulichung zum Tragen. Doch wie plausibel ist dieser “Beweis” eigentlich?

Ich fange mal bei mir selbst an: Vor dreißig Jahren hatte ich noch keinen Führerschein. Damals hat mich der Verdreckungsgrad von Windschutzscheiben somit nicht interessiert. Meine erste längere Autofahrt als Fahrerin liegt rund 25 Jahre zurück. Die Tour ging vom Münsterland bis nach Lüneburg. Ich kann mich daran erinnern, dass ich gegen Ende der Fahrt wirklich müde wahr und die schöne Landschaft rund um Uelzen hat sich mir auch eingeprägt, aber wie die Windschutzscheibe meines Ford Fiesta damals aussah, weiß ich auf Gedeih und Verderb nicht mehr. Ich kann mich jedenfalls nicht an einen Tankstellen-Stopp erinnern, bei dem ich die Scheibe hätte sauber machen müssen.

Generell habe ich keine Erinnerung an eine mit Insekten verklebte Scheibe. Und selbst wenn ich eine hätte: Wäre das dann wohl eine Erinnerung an eine durchschnittlich verdreckte Scheibe oder eher eine Erinnerung an eine außergewöhnlich verdreckte Scheibe? Ich vermute mal, dass sich eher die außergewöhnlichen Dinge ins Gedächtnis einprägen.

Die Rückschau ist trügerisch. Die Sicht auf vergangene Zeiten verklärt nicht nur die Vergangenheit (“Früher war alles besser”), sondern sie ist einfach nicht verlässlich. Psychologen konnten nachweisen, dass man Menschen Erinnerungen regelrecht einpflanzen kann, so dass sie glauben, sich an etwas zu erinnern, was sie nie erlebt haben.

Nicht falsch verstehen: Ich gönne jedem seine Erinnerung an mit Insekten verschmierte Windschutzscheiben – egal ob eingebildet oder echt. Nur ich habe eine Bitte: Bitte nicht versuchen, daraus irgendeine Evidenz für was auch immer abzuleiten! Das funktioniert nämlich nicht. Die Aussage “Früher klebten mehr Insekten an der Scheibe” ist heute weder verifizier- noch falsifizierbar. Es ist einfach nur eine Anekdote – nicht mehr und nicht weniger. Ich verstehe daher nicht, dass auch Wissenschaftsjournalisten diese Anekdote bemühen. Wenn über die Wirksamkeit von Homöopathie diskutiert wird, werden diese anekdotischen Beweisführungen müde belächelt, in Sachen Insektensterben dienen sie dem guten Zweck.

 

Bienenverluste: “Der Fehler steht hinter dem Kasten”

Bienenverluste: “Der Fehler steht hinter dem Kasten”

Die medialen Alarmglocken tönen laut: Bienensterben, Insektensterben – wenn man die Schlagzeilen konsequent zu Ende denkt, steht das Ende der Zivilisation kurz bevor. Ich habe dazu mal einen Bienenexperten gefragt: Dr. Gerhard Liebig.

Frage: Herr Dr. Liebig, wie lange beschäftigen Sie sich schon mit Bienen?

Antwort: Ich habe von 1970 bis 1975 an der Universität Hohenheim in Stuttgart Agrarbiologie studiert. Am Institut für Phytomedizin habe ich mich in meiner Diplomarbeit und Doktorarbeit mit Blattläusen beschäftigt. Über diese Blattläuse bin ich zu den Bienen gekommen, denn es gibt auch bienenwirtschaftlich wichtige Läuse auf Waldbäumen wie Fichte und Tanne. Nur wenn diese an der Rinde saugenden Blattläuse in Massen auftreten und dann viel Honigtau produzieren, gibt es Wald- und Tannenhonig. Dieser ist besonders begehrt. Ich erhielt einen Forschungsauftrag, die Populationsdynamik dieser Insekten zu untersuchen. Das habe ich dann 37 Jahre lang gemacht und in den 1980er Jahren auch den Hype um das „Waldsterben“ vor Ort miterlebt. „Nebenbei“ habe ich mich mit der Honigbiene und ihrer Haltung beschäftigt. Daraus ist dann eine weitere Langzeitstudie entstanden, in der ich 22 Jahre lang untersucht habe, wie sich Bienenvölker entwickeln und welchen Einfluss die Umwelt auf die Volksentwicklung hat. Dabei bin ich selbst zum Bienenhalter geworden.

Frage: Was meinen Sie, wird man bei uns die Obstbäume bald auch per Hand bestäuben müssen wie in China?

Antwort: Das ist ein Beispiel, wie durch ständige Wiederholung die Lüge – wenn nicht zur Wahrheit – aber zur Tatsache wird. Mit dem Kinofilm „More than honey“ wurde diese Behauptung im November 2012 in die Welt gesetzt. Im Fernsehen wurde dieser preisgekrönte Film mehrmals ausgestrahlt. China ist Honigexportland! Die Völkerdichte liegt in China höher als in den USA. Die Apfelproduktion hat sich in China seit den 1990er Jahren bei nahezu konstanter Anbaufläche mehr als verfünffacht. Die Handbestäubung in China wird praktiziert, wenn es darum geht, neue Apfelsorten zu züchten, die auch für den Export geeignet sind.

Frage: Gibt es Ihrer Meinung nach also gar kein Bienensterben?

Antwort: Es kommt darauf an, wie man „Bienensterben“ definiert. In einem Bienenvolk sterben jährlich etwa eine Viertelmillion Bienen eines natürlichen Todes, im Sommer sind es etwa 2.000 täglich, im Winter im Durchschnitt nur 30. Das Volk bleibt dennoch am Leben, denn es kommen auch Bienen zur Welt. Im Frühjahr schlüpfen mehr Bienen als Bienen sterben, die Völker wachsen dann. Im Winter werden keine Bienen erbrütet, die Völker schrumpfen dann. Wenn alle Bienen eines Volkes im Winter abgehen, stirbt das Volk. Wenn das vielerorts passiert, gibt es ein „Völkersterben“, das in der medialen Berichterstattung als „Bienensterben“ bezeichnet wird.

Im Durchschnitt gehen in Deutschland etwa 10 Prozent der Völker im Winter ein, wobei in jedem Winter bei den etwa 100.000 Bienenhaltern in Deutschland die Schwankungsbreite der Verlustrate zwischen 0 und 100 Prozent liegt. Auch das ist nichts Besonderes. Die Imker, die verlustfrei imkern, bilden die schweigende Mehrheit. Nur die Betroffenen klagen und werden gehört. Hinzu kommt die Einstellung vieler Berichterstatter in den Medien: „Only bad news are good news“. Zuschauer, Zuhörer und Leser bekommen ständig und stetig den Eindruck vermittelt, dass es immer schlimmer wird. Völkerverluste im Winter werden durch die im Frühjahr übliche Völkervermehrung ausgeglichen, so dass die Völkerzahl in Deutschland stabil bleibt oder auch zunimmt – wie in China, wie in den USA und anderswo. Völker sterben im Winter nur, wenn der Bienenhalter Fehler macht. Die Hauptursache für Völkerverluste im Winter ist eine unzureichende Varroabehandlung. Der Fehler steht also hinter dem Kasten.

Frage: Seit wann gibt es die Varroamilbe in Deutschland?

Antwort: Die Varroamilbe wurde in Westdeutschland in den 1970er Jahren beim Import von Bienenvölkern aus Pakistan eingeschleppt. In die damalige DDR kam sie aus dem Osten Europas. Die Varroamilbe war ursprünglich nur ein Parasit der Asiatischen Honigbiene. Diese Art hatte früher keinen Kontakt zur Europäischen Honigbiene, die in Europa und in Afrika lebte. Die Europäer haben bei der Kolonisierung Asiens Völker der Europäischen Honigbiene in ihre Kolonien verbracht. Dann ist die Varroamilbe auf die Europäische Honigbiene übergewechselt. Das ist auch nach dem Import von Bienenvölkern der Asiatischen Honigbiene im Taunus geschehen. Von dort hat sich die Varroamilbe innerhalb eines Jahrzehntes in ganz Deutschland verbreitet.

Die Asiatische Honigbiene ist resistent gegen die Varroamilbe, die Europäische Honigbiene ist es nicht. In ihren Völkern vermehrt sich die Varroamilbe während der Brutperiode -von März bis Oktober- ungehemmt. Wenn der Varroabefall die Schadenschwelle überschreitet, erkranken die Völker und sterben an “Varroose”. So nennt man die Krankheit, die ausbricht, wenn die Völker zu viele Milben haben. Die Völker fliegen sich kahl, ihre Bienen gehen ab. In den USA wird sie „CCD“ genannt (Colony Collapse Disorder). Die Schadensschwelle liegt im Herbst und Winter deutlich niedriger als im Frühjahr und Sommer.

Frage: Was kann der Imker denn gegen Milbenbefall tun?

Antwort: Der Imker muss alljährlich seine Völker gegen die Varroamilbe behandeln. Dafür gibt es inzwischen eine große Anzahl zugelassener Medikamente. Die meisten Imker behandeln ihre Völker mit Ameisensäure und Oxalsäure. Diese Säuren werden nur nach der Honigernte angewendet, sodass keine Rückstände in den Bienenprodukten entstehen können.

Frage: Sie haben jahrzehntelange Erfahrung mit Bienen: Geht es den Tieren heute schlechter als früher – von der Milbe einmal abgesehen? Es heißt, die Bienen sind wegen der Pestizide aus der Landwirtschaft und aufgrund von Nahrungsmangel anfälliger als früher.

Antwort: Diese Behauptung ist ähnlich zu bewerten wie die bereits erwähnte Handbestäubung in China. Sie wurde öffentlich gemacht von der Stiftung Warentest in ihrem Augustheft 2013 mit dem Artikel „Wenn das Summen verstummt“. An der Verbreitung dieser Behauptungen haben sich auch der BUND mit dem Flyer „Bienensterben stoppen! Pestizide – Gift für Mensch und Umwelt“ und Greenpeace mit der Broschüre „Bye, Bye Biene?“ beteiligt. Das Ganze gipfelte in einer Studie der Freien Universität Berlin, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde und die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es den Bienen in der Stadt besser gehe als den Bienen auf dem Land. Schuld sei die „Intensive Landwirtschaft“ mit ihren Monokulturen, durch ihren übermäßigen Pestizideinsatz und durch Düngung. Das ist schlichtweg falsch. Die Honigproduktion in Deutschland und auch die durchschnittliche Honigleistung pro Volk ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges stetig angestiegen. Das liegt in erster Linie an der Ausdehnung des Rapsanbaus. Dank Züchtung, Pflanzenschutz und Düngung ist nicht nur der Kornertrag gestiegen, der Raps honigt heutzutage besser als vor 40 Jahren, als ich mit meinen Langzeitstudien begonnen habe.

Frage: Experimente zeigen, dass sogenannte Neonicotinoide Bienen orientierungslos machen. Wenn es solche Indizien gibt, dass diese Insektizide den Bienen schaden, wäre es dann nicht besser, die Anwendung dieser Substanzen sofort zu verbieten?

Antwort: Diese Ergebnisse wurden im Freiland mit präparierten Einzelbienen erzielt, spiegeln aber nicht die Verhältnisse im Freiland wider. Die Versuche beeindrucken durch den Einsatz von „Hightech“, liefern aber nur „hot air“. Wenn man einer Biene einen Chip oder einen Transponder auf den Rücken klebt, um ihren Flug verfolgen zu können, dann verändert bereits das ihr Verhalten. Wenn man die so präparierten Tiere zusätzlich mit einer Zuckerlösung füttert und dieser den Wirkstoff eines Pestizids beimischt, ist diese Verhaltensänderung noch stärker ausgeprägt, wobei es dabei auch auf die Dosis ankommt. Häufig wurde zum Nachweis einer Giftwirkung überdosiert.
Mit einem Neonicotinoid gebeizte Raps- oder Maisfelder werden von Bienen während der Blüte beflogen. Die Bienen sammeln dort Pollen und Nektar. Pollen und Nektar sind in subletalen Dosen mit dem bienengiftigen Wirkstoff kontaminiert. Doch wirkt sich der Eintrag von kontaminierten Pollen und Nektar weder auf das Sammelverhalten noch auf die Volksentwicklung aus. Das wird im Rahmen jedes Zulassungsverfahrens geprüft und später auch überprüft. Die Rückkehrquote der Sammlerinnen liegt bei 99 Prozent, egal ob die Völker gebeizten oder nicht gebeizten Raps oder Mais befliegen. In Versuchen mit der oben beschriebenen „Hightech“ zeigten selbst die unbehandelten Kontrollbienen eine auf weniger als 90 Prozent geminderte Rückkehrquote. Wenn das normal wäre und für alle Sammlerinnen gelten würde, wäre ein Volk nach einem Trachttag, an dem die 20.000 Sammlerinnen eines normalstarken Volkes etwa 10-mal zum Sammeln ausfliegen, bereits nach einem Tag „kahlgeflogen“ – auch wenn keine Pestizide im Spiel sind. Der Pflanzenschutz über Saatgutbeizung ist ökologisch sinnvoller als der Pflanzenschutz über Spritzen. Deshalb sollte man die Saatgutbeizung nicht verteufeln und abschaffen, sondern gut heißen und wieder anwenden.

Frage: Wie geht es denn den wilden Verwandten unserer Honigbiene, den Wildbienen aus Ihrer Sicht?

Antwort: Das ist auch so ein Ding. Es gibt sehr wenige Untersuchungen über Vorkommen und Auftreten von Wildbienen. Die „Hohe Zeit“ der Wildbienenforschung liegt etwa 20 Jahre zurück. Um die Jahrtausendwende sind mehr Wildbienenfunde gemeldet worden als vorher und nachher. Die Fachleute von damals sind inzwischen im Ruhestand. Der immer wieder gemeldete Rückgang an Wildbienenarten kann auch dadurch bedingt sein, dass es immer weniger Menschen gibt, die die Arten kennen. Nur wer sucht findet sie. Wenn man nicht sucht, findet man keine. Dieser Gedankengang bietet sich auch als Erklärung an für den allgemein beklagten Rückgang der Biodiversität. Von vielen wird nur dort und wenn überhaupt nur so geguckt, dass sie sich in ihrer Haltung bestätigt fühlen. Von einigen Naturschützern und Wildbienenexperten wird die Meinung vertreten, dass Wildbienen auch unter der Konkurrenz der Honigbiene leiden und betrachten die aktuelle Entwicklung der Honigbienenhaltung – die Anzahl von Bienenhaltern und Bienenvölkern wächst stetig – sehr kritisch. Das sollte vor allem von den Imkern beachtet werden, die vorgeben, „ökologisch“ zu imkern und deswegen die besseren Imker zu sein. Man findet sie bei Demeter und Bioland.

Frage: Sind Sie mit Ihrer Ansicht schon angeeckt – quasi als „Bienensterben-Leugner“ betitelt worden oder ähnliches?

Antwort: Das kam und kommt immer wieder vor. Es gehört dazu, wenn man gegen den „Mainstream“ schwimmt. Wenn Andersdenkende keine Argumente haben, aber fest an ihrem Glauben festhalten wollen, reagieren sie häufig polemisch. Häufig wird mir unterstellt, ich würde von einem Pharmakonzern bezahlt.

Frage: In den Medien wird das Bienensterben oft als Faktum dargestellt – zuletzt in der Talkrunde „hart aber fair“ Anfang Dezember im Ersten. Was halten Sie davon?

Antwort: Durch ständige Wiederholung wird die Lüge nicht zur Wahrheit, aber zur Tatsache. Das ist jetzt auch eine Wiederholung. Ich habe die Sendung gesehen und zwar zweimal, das erste Mal live und dann ein zweites Mal per Mediathek. Beim zweiten Angucken habe ich die Sendung auch mit einer Kamera aufgenommen. Ich will den Film bearbeiten, mit anderen Medienberichten über das Bienensterben – ich sammele sie seit 2006 – kombinieren, um zu dokumentieren, wie die Reise bisher verlaufen ist und wohin die Reise geht. Als Schlusspunkt dieser Reise bietet sich das Jahr 2020 an. In einem bei Phoenix gesendeten Beitrag des Bayerischen Rundfunks über „Das Sterben der Bienen“ wurde vorhergesagt, dass es „in 10 Jahren keine Bienen mehr“ geben würde. Der Dokumentarfilm wurde 2010 hergestellt. Im April 2006 wurde in „Bild am Sonntag“ der damalige Präsident des Verbandes der Berufsimker Deutschlands mit den Worten zitiert: „Der Todeskampf der Honigbiene und der Imkerei in Deutschland hat begonnen.“ Die Honigbiene galt damals laut „BamS“ als das viertwichtigste Nutztier. Es ist auf Platz 3 gerückt. In diesem „BamS“-Artikel findet man auch das „Einstein-Zitat“, das von vielen Kommentatoren erwähnt wird. Es ist eindeutig unsinnig und es stammt nicht von Einstein.

Ich habe inzwischen auch alle 1.604 Kommentare, die vor, während und nach der Sendung ins Gästebuch der Sendung „hart aber fair“ eingetragen wurden, gelesen und bin dabei, sie auszuwerten. Das wird etwas länger dauern.

Frage: Welchen Eindruck haben Sie bisher von den Kommentaren?

Antwort: Die meisten Kommentare sind emotional und polemisch formuliert. Sie geben den „Mainstream“ wieder, laut dem die „Intensive“ Landwirtschaft an der Misere schuld ist und der Zusammenbruch des „Ökosystems“ bevorsteht. Diese Meinung haben auch vier Teilnehmer der Talkrunde „hart aber fair“, hart und nicht fair mit Nachdruck vertreten, der Moderator und drei der fünf eingeladenen Studiogäste, die Imkerin, der Wissenschaftsjournalist und der Grünen-Politiker.

Im Gästebuch haben sich auch einige Zuschauer zu Wort gemeldet, die sowohl beim Thema „Bienensterben“ und auch beim Thema „Insektensterben“ Sachkunde erkennen lassen und die Problematik differenziert betrachten. Diese differenzierte Betrachtung hätte eigentlich im Vorfeld der Sendung passieren müssen. Das ist unterblieben. Den Machern der Sendung kann man somit unterstellen, dass sie sich von einer Erkenntnis haben leiten lassen, die das Handeln vieler Journalisten bestimmt, nach der dem Publikum die einfache Lüge leichter beizubringen ist als die komplizierte Wahrheit. In dieser Hinsicht war es eine gelungene Sendung.

 

Zur Person:

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Bild: www.immelieb.de

Dr. Gerhard Liebig hat 37 Jahre lang im Dienste der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim an Bienen geforscht. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag darauf, Konzepte zur Bekämpfung der Varroamilbe zu entwickeln. Auch im Unruhestand (seit 2011) beschäftigt er sich mit Bienen, verfasst Fachartikel und betreibt die Website www.immelieb.de, auf der sich alles um die Biene dreht und um ihren größten Feind, die Varroamilbe. Liebig ist Autor des beliebten Standardwerks “Einfach Imkern”, dessen 3. Auflage momentan vergriffen ist. Eine 4. Auflage ist für Frühjahr 2018 geplant.

 

Bildnachweis: Universität Hohenheim

Insekten zählen

Insekten zählen

Das Insektensterben hat es sogar bis in das 61-seitige Papier geschafft, das den weiteren Jamaika-Sondierungsgesprächen zugrunde liegen soll. Auf S. 11 steht:

“Wir werden umgehend die Ursachen des Rückgangs der Insektenpopulationen untersuchen und gleichzeitig ein Sofortprogramm für den Schutz und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Insekten erarbeiten und umsetzen.”

Allerdings steht der Passus in eckigen Klammern und wird dementsprechend wohl noch diskutiert.

Derweil geht der Experten-Streit, wie man richtig Insekten zählt, weiter. Die im Oktober in Plos One erschienene Veröffentlichung von Hallmann et al. “More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas” hatte viel Medienwirbel und auch Methodenkritik ausgelöst. Wie die FAZ berichtete, haben die Autoren jetzt auf die Kritik, die starke Veränderung bei der Biomasse hänge vom Anfangsjahr ab, reagiert. Sie schreiben, dass ihr Statistik-Modell auch mit einem anderen Startjahr zu ähnlichen Ergebnissen kommt:

“However, to clear all doubts, and as a robustness check, we reran our statistical models, and trend calculations are as follows
• Years 1989 – 2016: decline overall 76.7% – mid-summer decline 81.6% (n=1503 data points, as in the paper)
• Years 1991 – 2016: decline overall 76.8% – midsummer decline 82.0% (n=1279 data points)”

Die FAZ schlussfolgert daraus, dass die “komplizierte statistische Schätzmethode” der Autoren offenbar nicht verstanden worden war:

“So hatte Statistik-Professor Walter Krämer sie fürs RWI als „Unstatistik“ abgekanzelt.”

Heute reagiert Prof. Krämer in einem Interview mit der Welt:

“Muss ich auf solche Vorwürfe reagieren? Ich befasse mich mit diesen Methoden seit Jahrzehnten und bleibe bei meiner Kritik. Die Stichprobe wurde jenseits der üblichen wissenschaftlichen Seriosität gemacht. Das sind zufällige Standorte, die auch immer wieder gewechselt worden sind. Die Daten sind deshalb von schlechter Qualität und nicht verallgemeinerbar.”

Die gesammelten Daten sind so heterogen, dass sich daraus keine Verallgemeinerungen ableiten lassen: unterschiedliche Orte, unterschiedliche Zahl der Proben je Ort und/oder Jahr. In drei Jahren wurden gar keine Proben genommen. Die Lücken im Datenpool werden durch Schätzungen ersetzt. Nur beruhen diese Schätzungen auf bestimmten Grundannahmen, die ihrerseits erst einmal wieder begründet werden müssen. Das passiert in Hallmann et al. aber nicht. Es gäbe da einen Grundsatz, erklärt Prof. Krämer auf Nachfrage: “Garbage in – garbage out” – Wenn ich Unsinn reinstecke, bekomme ich auch Unsinn heraus.

Ein Musterbeispiel für die Ermittlung von Insekten-Biomasse liefert eine Studie aus Großbritannien. “Long-term changes in the abundance of flying insects” ist eine Arbeit, die aus einem Projekt am Institut Rothamsted Research hervorgegangen ist: Immer die gleichen Orte, immer die gleichen Fallen, immer der gleiche Rhythmus der Probennahme und das über einen langen Zeitraum. “Das ist der Goldstandard”, erklärt Krämer. Rothamsted gelte sowieso als das Mekka der Statistik. Hier habe Ronald A. Fisher in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gewirkt, der zum Beispiel wichtige Maßstäbe in der Versuchsplanung gesetzt hat.

Dass es einen Rückgang bei den Insektenpopulationen gibt, hält Prof. Krämer durchaus für plausibel: “Dass da was ist, bestreite ich überhaupt nicht, nur es muss methodisch korrekt abgebildet werden”, erklärt er und stellt klar:

“Was mich ärgert ist, dass die Medien – selbst Qualitätstitel wie FAZ, SZ, ZEIT und dpa – jeden Blödsinn ungeprüft übernehmen. Die haben doch die Verpflichtung, dahinter zu schauen.”

 

Links

• Englische Insekten – 30 Jahre Beobachtung 

• Nun sprühen sie wieder

• Insektensterben – alles Scheiße?

Grossarths Furor

Grossarths Furor

Etwas ruhiger war es geworden ums Insektensterben, besser ums „Fluginsektensterben“, die mediale Aufregung über eine im Oktober veröffentlichte Studie hatte sich gelegt. Eine statistische Auswertung der Daten des Entomologischen Vereins Krefeld belegte nach Ansicht der Autoren einen Rückgang mehr als von 75 Prozent bei der Biomasse von Fluginsekten innerhalb von 27 Jahren. Das hatte sehr großes Medienecho ausgelöst, aber auch Kritik an der Methodik der Forscher sowie an den Reaktion der Presse. Diese Pressekritik wollte FAZ-Redakteur Jan Grossarth offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen und deutete in einem Stück in der gestrigen Printausgabe die kritischen Reaktionen um als Gegenangriff der Agrarlobby.

Von “Immunisierung gegen Fakten” ist da die Rede, von einem “Extremfall des Relevanzverlustes der Wissenschaft”, von der “völligen Verdrehung der Wirklichkeit in der Filterblase der Farmer und Funktionäre”, dazu reiche “der Landwirtschaft” – wer auch immer das sein soll – ein “obskurer Blog-Beitrag”. Gemeint ist der Artikel “Das große Insektensterben – oder doch nicht?”, der gleich am Tag nach der Veröffentlichung der Studie auf der Website sciencefiles.org erschienen war. Schlichtweg der Umstand, dass dieser Blogbeitrag die erste öffentliche kritische Äußerung zur Krefelder Studie war, sorgte dafür, dass der Text über die sozialen Netzwerke fleißig verbreitet wurde. Die Seite hat kein Impressum. Etwas versteckt unter dem Text findet sich die Autorenzeile “Michael Klein”. Auch über den Autor finden sich keine weiteren Angaben auf der Seite. Aber Grossarth hat Google befragt und Google hat geantwortet: Klein lebe in Wales und vertrete “auf sarkastische Weise libertäre Positionen”: “Der Grundton ist scharf gegen politische Eliten und Medien gerichtet” und “mit Anknüpfungspunkten zur politischen Rechten”.

Nachdem sich Grossarth ausgiebig über Autor und Plattform ausgelassen hat, wendet er sich tatsächlich auch den Argumenten zu. Klein würde drei Kritikpunkte an der Studie anführen: Es hätte zu wenig Messstellen gegeben und generell zu wenig Messungen und die Ursache in der Landwirtschaft sei nicht nachgewiesen worden. Wenn man den Text auf sciencefiles.org genau liest, fällt auf, dass der FAZ-Redakteur die Kritik nicht exakt wiedergibt. Die Intention des Textes ist weniger eine Kritik an der Studie selbst als eine Untersuchung, ob die Studie die vollmundigen Behauptungen in der Presse sowie die der Grünen stützt. Klein reklamiert, dass die Daten nicht auf ganz Deutschland übertragbar sind, dass der prozentuale Rückgang so ausgewählt wurde, dass er möglichst dramatisch ausfällt, und dass die Studie, wie die Autoren selbst feststellen, keine Erkenntnisse hinsichtlich der Ursachen ermitteln konnte. Kleins Fazit lautet:

“Um nicht missverstanden zu werden: Wir würden auch einen Rückgang von Insekten-Biomasse auf Basis der Daten von Hallmann et al. feststellen, aber einen deutlich geringeren und einen auf die Orte, an denen die Beobachtung wiederholt gemacht wurde und das waren nur 26 Orte insgesamt, reduzierten. Damit ist natürlich die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse nicht gegeben und die Dramatik beim Teufel. Dafür haben wir die wissenschaftliche Lauterkeit wiederbelebt. Unabhängig davon ist es in jedem Fall ein Verdienst dieser Studie, Fragen aufgeworfen zu haben.”

Grundsätzlich ist festzuhalten: Die Stärke von Insektenpopulationen ist sehr volatil, das heißt, sie schwankt – zum Teil witterungsbedingt, zum Teil bedingt durch Entwicklungszyklen bestimmter Arten – stark von Jahr zu Jahr. Wenn ich hier verlässliche Daten generieren will, das heißt u. a. einen Datenfluss, ohne statistische Ausreißer nach oben oder unten, dann brauche ich einfach eine gewaltige Menge an Messpunkten. Auch sollten die zeitlichen Abstände zwischen den Messpunkten einheitlich sein. Beides kann die Studie leider nicht leisten, die Messungen waren vermutlich auch gar nicht dafür konzipiert. Etwas unbeholfen wirkt etwa die Erklärung, warum man wechselnde Aufstellorte gewählt hat (S. 4):

“Prolonged trapping across years is in the present context (protected areas) deemed undesirable, as the sampling process itself can negatively impact local insect stocks.”

Wenn man nun in Betracht zieht, dass zum Teil so viel Insektenmasse am Tag weggefangen wurde, wie auch von einem Vogel hätte verzehrt werden können, wirkt diese Begründung doch bemüht. Das haben die Krefelder Forscher der Rheinischen Post im Februar 2016 selbst so erklärt:

“Diese Fallen fangen, in Gramm gerechnet, heute im Jahresdurchschnitt pro Tag etwa die halbe Insekten-Mahlzeit einer einzigen Blaumeise oder Spitzmaus.”

Das vermeintliche Insektensterben wurde gleich zweimal zur „Unstatistik des Monats“ gekürt. Im Prinzip bestätigt der Statistiker Walter Krämer die Kritik aus dem “obskuren Blog-Beitrag”:

“Genauso wichtig für die Bewertung der „76 Prozent“ ist aber auch ein allgemeines Prinzip des kritischen Denkens: Jede berichtete Abnahme zwischen zwei Zeitpunkten hängt davon ab, welchen Anfangszeitpunkt man wählt. Dies gilt besonders bei drastisch schwankenden Werten, wie bei Börsenkursen und Biomassen von Insekten. Hätte man das Jahr 1991 statt 1989 als Anfangspunkt gewählt, dann wären es statt 76 Prozent weniger Insekten nur etwa 30 Prozent weniger gewesen.”

trend.pngGrossarth zitiert Krämer:

“doch, so Krämer, es gebe durchaus trotzdem „Anlass zum Nachdenken über die Ursachen“.”

So ist das Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Es geht weiter:

” – eine Frage, worauf die Studie keine Antwort findet. Es ist aber auch ein Anlass darüber nachzudenken, warum man immer wieder versucht, uns mit möglichst erschreckenden Zahlen Panik zu machen.”

Grossarth redet sich die Krefelder Studie schön und verzerrt seinerseits Fakten: So ist die Angabe, die Messungen stammten “aus 63 verschieden Schutzgebieten” falsch. Richtig wäre “63 Standorte”, denn zum Teil standen in einem Schutzgebiet mehrere Fallen. Das Journal, in dem die Studie veröffentlicht worden ist, heißt “Plos One”, nicht bloß “Plos”.

Grossarth behauptet, die Messstellen seien repräsentativ gewesen. Repräsentativ wofür? In der Studie steht (S. 2):

“Here, we investigate total aerial insect biomass between 1989 and 2016 across 96 unique location-year combinations in Germany, representative of Western European low-altitude nature protection areas embedded in a human-dominated landscape.”

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Quelle: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

Auf Deutsch: Die Standorte der Fallen sind repräsentativ für westeuropäische Schutzgebiete im Tiefland, die eingebettet sind in einer von Menschen dominierten Landschaft. – Auf extensiv genutzte Mittelgebirgswiesen oder Naturschutzgebiete an der See oder in großen Feuchtgebieten sowie große Gebiete wie ehemalige Truppenübungsplätze und viele andere Landschaftsformen lassen sich die Krefelder Erkenntnisse nicht übertragen.

Verbissen durchforstet Grossarth die Berichterstattung auf dem Fachportal topagrar.com zum Thema nach möglichst simplen Formulierungen. Den Agrarstatistiker Georg Keckl charakterisiert er folgendermaßen:

“Manche Landwirte sprechen ihn an wie einen Heiligen – der edle Ritter der reinen Wahrheit.”

Solch Polemik vermutete man bislang nicht in der FAZ.

Stets setzt sich Grossarth nicht mit den vorgetragenen Argumenten auseinander, sondern pickt sich möglichst fremd anmutende Formulierungen heraus, um den Autor zu diskreditieren. So greift er die Zwischenüberschrift „Landwirtschaft muss einfach schuld sein!“ völlig aus dem Zusammenhang: Die Zeile bezieht sich auf die im Folgeabsatz beschriebene Position des NABU. Dass die Studie selbst keinen Aufschluss über die Ursachen gibt, wird völlig richtig wiedergegeben:

“Was die Ursachen angeht, konnten die Naturschützer keine Gründe finden. Sie bedauern, dass es bei den Zählungen keine Daten zum Einfluss der Landwirtschaft gebe. Daher sei nicht klar, wie groß der Einfluss durch die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Zustand der Insektenwelt tatsächlich ist.”

Grossarth hätte zur Ehrenrettung z.B. auch aus dem Kommentar von Gisbert Strotdrees vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, auch ein Organ des Bauernverbandes, zitieren können:

“Das Thema Insektenschwund ist sehr ernst zu nehmen, gerade wegen der langfristigen Folgen für den Naturkreislauf. In diesem Zusammenhang muss über alles diskutiert werden: über Landwirtschaft, aber eben auch über Industrie, Auto- und Flugverkehr, Lichtverschmutzung und Flächenversiegelung.
Bei alledem ist vor allem eines wichtig: wissenschaftliche Präzision und genaues Hinschauen, aber auch saubere Recherche und Berichterstattung. Zum Abwiegeln taugt das Thema genauso wenig wie zur Weltuntergangs-Panikmache.”

Passte anscheinend nicht ins Konzept.

Aufschlussreich ist ein Zitat aus der Titelgeschichte, die Jan Grossarth für die aktuelle Ausgabe der Zeitung Das Parlament verfasst hat:

“Auf den Ungeist eines rücksichtslos auf Effizienz und kurzfristige Produktivität, eines der Komplexität des Lebens nicht gerecht werdenden, letztlich zynischen statt mitfühlenden Blickes hat die westliche Umweltbewegung erfolgreich hingewiesen. Dies gilt ungeachtet der vielen Hysterien und Fehlalarme, die sie verantwortete (“Waldsterben”).”

Daher weht also der Wind: Die Herangehensweise der modernen Landwirtschaft folgt nach Grossarth einem Ungeist. Hier würde Zynismus statt Empathie praktiziert.
Wenn das Fluginsektensterben wirklich ein Menschheitsthema ist, dann muss vernünftig ermittelt werden, wo die Ursachen sind. Denn wenn ich die Ursachen nicht kenne, kann ich das Problem nicht lösen. Als Kronzeuge für die Ursache Landwirtschaft zitiert Jan Grossarth den Göttinger Ökologen Teja Tscharntke. Landwirtschaft sei die Erklärung mit der “größten Plausibilität”, so Tscharntke. Es heißt:

“„Dass die umgebende Landschaft lokale Biodiversitätsmuster und Prozesse in Schutzgebieten elementar beeinflusst, haben wir in zahlreichen Publikationen nachgewiesen“, sagt der Professor der Uni Göttingen.”

Ist das jetzt eine überzeugende Begründung? Landschaft wird gerade in der Nähe von Städten nicht nur durch Landwirtschaft gestaltet. Tscharntke behauptet Grossarth zufolge:

“Man bekomme „exakt dasselbe Ergebnis, wenn nur die Gebiete berücksichtigt werden, die mehr als einmal beprobt wurden“.”

Diese Aussage halte ich für gewagt. Es gibt genau eine Messstelle, die viermal beprobt worden ist. Hier sind die Änderungen lang nicht so dramatisch wie die Gesamtaussage, wie diese Grafik zeigt:

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Kurzum: Der Text wirkt auf mich wie die Rache eines beleidigten Kindes mit geringer Frustrationstoleranz: Und ich habe doch Recht! Mit meiner Analyse, mit meiner Meinung und mit meiner Missgunst. Und: Wer sich jetzt beschwert, beweist, dass ich Recht habe. Kann man ja machen – selbstverliebt um sich selbst kreisen, Andersdenkende in Schubladen abfertigen und die Welt in schwarz und weiß malen. Ob sich dann noch jemand dauerhaft für diese Sicht der Dinge interessiert, ist eine andere Frage.

 

Bildnachweis: FAZ, 14.11.2017

Lobbyismus in Reinkultur

Lobbyismus in Reinkultur

Im Vorfeld des TV-Duells von Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz am kommenden Sonntag haben verschiedene Organisationen aus der Bio-Branche sowie dem dazugehörigen ideologischen Dunstkreis einen Offenen Brief an die Moderatoren der Sendung geschickt und diese darin aufgefordert, das Thema Landwirtschaft beim TV-Duell zu berücksichtigen.

Dieser Brief ist in mehrfacher Hinsicht ein Affront: Die Unterzeichner tun vordergründig so, als ob ihnen die Zukunft der Landwirtschaft generell am Herz liege, aber eigentlich geht es nur darum, die von der Politik zu vergebenden Fördermittel in den Ökolandbau zu pumpen. Es wird zwar vermieden, die Worte “Bio-” bzw. “Ökolandbau” zu verwenden, aber der Kreis der Unterzeichner und die folgende Problem-Beschreibung lassen im Grunde keine Zweifel offen, wie der Appell gemeint ist:

“Auch hier in Deutschland wird die Fruchtbarkeit der Böden durch eine nach industriellen Prinzipien organisierte Landbewirtschaftung abgebaut. Dies geschieht durch einseitige Fruchtfolgen mit hohen Anteilen derselben Anbaukulturen, sowie durch die Anwendung chemisch-synthetischer Stoffe zur Düngung, durch Biozide, wie Insektizide und Herbizide, die die biologische Vielfalt, und damit die unersetzbaren Funktionen des Bodenlebens, beeinträchtigen.”

Diese Argumentation folgt bekannten Mustern, die Kernaussage ist: Industrielle Landwirtschaft – was auch immer das sei – ist nicht nachhaltig, schädigt die Biodiversität und verbraucht die natürlichen Ressourcen. Dabei wird ausgerechnet auf die Bodenfruchtbarkeit abgehoben:

“Dagegen könnte eine regenerative, Humus und biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft enorme positive Wirkung entfalten. Sie erhöht nicht nur die Fruchtbarkeit und Produktivität der Böden, sowie ihre Widerstandskraft gegen extremer werdende Umweltereignisse. Mittels des Aufbaus biologischer Vielfalt und organischer Masse können Böden in erheblichem Maß Kohlenstoff binden und für die landwirtschaftliche Produktivität nutzbar machen.”

Was soll eigentlich eine “biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft” sein? Wenn ich erfolgreich Ackerbau betreiben will, muss ich auf meinen Feldern die biologische Vielfalt zurückdrängen, sonst ernte ich nichts. Das Foto oben von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.) und einer der Unterzeichner des Offenen Briefes, zeigt eindrucksvoll, dass das gleichermaßen für den Bio-Landwirt gilt.

Und sind es nicht vor allem die Bio-Bauern, die zur Kontrolle der Beikräuter auf mechanische Verfahren und wendende Bodenbearbeitung zurückgreifen müssen? Beides ist nicht gut für den Boden. Konventionelle Mulch- und Direktsaatsysteme sind zu nennen, wenn es um CO2-Einsparung, Erosionsschutz sowie Förderung von Bodenleben und -struktur geht. Gerade die im Ökolandbau eingesetzten Kupferverbindungen sind nachhaltig schädlich für den Boden.

Diese sogenannte regenerative Landwirtschaft habe derzeit am Markt keine Chance, erklären die Unterzeichner:

“Bislang befördert die Politik ein Wirtschaftshandeln, das unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunftsfähigkeit gefährdet und die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt. Nicht nachhaltige Wirtschaftsweisen, die Lebensgrundlagen abbauen und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, sind bislang profitabler und somit wettbewerbsstärker. Dabei werden jedoch langfristig und global Ressourcen vernichtet, die zukünftig weder den Menschen, noch für Wirtschaftsaktivitäten und -unternehmen zur Verfügung stehen. Die Folgen davon tragen alle.”

Hier kommt das altbekannte Argument zum Tragen, dass die Produkte der konventionellen Landwirtschaft nur deswegen so günstig seien, weil Kosten für Umweltfolgen auf die Allgemeinheit umgelegt würden. Die daraus erwachsende Forderung ist in der Regel, den Ökolandbau stärker mit öffentlichen Mitteln zu fördern, um das Marktversagen abzupuffern. Die Verfasser richten eine Aufforderung an die Moderatoren des TV-Duells:

“Unsere KanzlerkandidatInnen müssen Antwort auf die Fragen danach geben, wie sie die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft gestalten wollen, damit regenerative Landwirtschaft und ein weltweiter Schutz von Böden und ihrer Fruchtbarkeit stattfinden.

Sie werden am 3. September 2017 diese Antwort aber nur geben, wenn Sie Ihnen dazu die erforderlichen Fragen stellen !”

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verfasser des Briefes, allen voran Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, hier im Sinn haben, dass die Politik die Anwendung konservierender Bodenbearbeitung im Ackerbau besonders fördern soll. Denn dabei würden ja wohlmöglich Glyphosat und andere chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Auch wenn es da nicht wörtlich steht, kann eigentlich nur gemeint sein, dass erfragt werden soll, wie die Kanzlerkandidatin und der Kanzlerkandidat gedenken, den Ökolandbau voranzubringen.

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Dr. Prinz Felix zu Löwenstein in seinem Garten. Ich finde: In Sachen Biodiversität und Bienenweide gibt es hier noch eine Menge Luft nach oben. Bildnachweis: Screenshot aus der ZDF-Dokumentation “Schöne neue Landwirtschaft? Die Bayer-Monsanto-Fusion”

Dabei ist fraglich, ob der Ökolandbau die ihm zugeschriebene “regenerative” Wirkung auch wirklich hat. Auch der von der Bio-Branche oft ins Feld geführten Biodiversität ist mit einer planlosen Ausdehnung der Bio-Landwirtschaft nicht geholfen: Eine aktuelle Studie aus Göttingen zeigt, dass die Größe eines Feldes für den Artenreichtum ganz entscheidend ist. Das bestätigt die Thesen des Göttinger Agrarökologen und Co-Autors der Studie Teja Tscharntke, dass es in einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft wenig Unterschiede in der Biodiversität auf Öko- und konventionellen Flächen gibt. So sagte Tscharntke in einem öffentlichen Fachgespräch des Bundestags-Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zum Thema “Ursachen und Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes bei Insekten”:

“Es geht sogar so weit, dass, wenn man zum Beispiel ökologischen Landbau mit konventionellem Landbau vergleicht – sagen wir einmal eine ökologische Weizenfläche mit einer konventionellen Weizenfläche entlang eines Gradienten von Landschaftsvielfalt –, dass nur in den ausgeräumten Landschaften der Ökolandbau sehr viel besser dasteht als der konventionelle Landbau in Artenvielfalten, auch in der biologischen Kontrolle. In den komplexen Landschaften – sagen wir einmal mit 20, 30 Prozent naturnahen Lebensräumen – nähert sich das an, da findet man keinen Unterschied mehr. Da ist, weil so viel Einwanderung passiert, auch bei einer konventionellen Bewirtschaftung, „die Welt noch in Ordnung“. Das zeigt, wie wichtig dieser Strukturreichtum ist, der für viele andere Funktionen – Bodenschutz, Grundwasserneubildung usw. – natürlich auch eine zentrale Bedeutung hat.”

Die Experten sind sich einig, dass vor allem spezialisierte Arten zurückgehen, dass heißt, Arten, die auf einen bestimmten Lebensraum und die Nahrung, die sie dort vorfinden, angewiesen sind. Wenn der Lebensraum verschwindet, verschwindet auch die Art. Der Biologe Prof. Dr. Werner Kunz von der Universität Düsseldorf erläutert das in seinem Buch “Artenschutz durch Habitatmanagement” am Beispiel des Ortolans, eines Singvogels, der bis in die 50er Jahre in Deutschland verbreitet war und heute nur noch selten vorkommt (S. 143 f.):

“Der Ortolan brütet hierzulande meist auf Getreideäckern und zwar in Beständen, die zu Beginn der Brutzeit maximal 15-20 cm hoch stehen dürfen und schütter genug wachsen müssen, sodass die Vögel zwischen den Halmen noch ungehindert durchschlüpfen und dort ihre Nahrung finden können (Lanz, 2009) (Tafel 9). Solche Äcker wird man durch eine biologische Landwirtschaft nicht schaffen können. Der Ortolan kehrt nicht zurück, wenn Ackerrandstreifen und Lerchenfenster geschaffen werden. Er kehrt auch nicht zurück, wenn der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden verringert wird, noch fördert ihn die biologische Landwirtschaft. Wovon der Ortolan profitiert hat, waren die kümmerlichen, ertragsarmen, übernutzten Ackerböden, wie sie früher an vielen Stellen waren, als die Bevölkerung noch Hungersnöte kannte.”

Für Kunz gibt es kein Zurück zur Subsistenz-Landwirtschaft früherer Tage. Er plädiert daher dafür, neben den landwirtschaftlichen Nutzflächen, Flächen entsprechend der Bedürfnisse seltener Arten anzulegen und zu bewirtschaften (S. 188):

“Viele Argumente sprechen dafür, dass die Zukunft der Arten nicht in einer Reform der Landwirtschaft liegen kann, sondern in einem Nebeneinander von landwirtschaftlich genutzten Flächen und künstlich geschaffenen und bearbeiteten Magerflächen, die von vornherein nicht dem wirtschaftlichen Ertrag, sondern dem Schutz der Arten dienen.”

Der Ökolandbau ist kein Allheilmittel zur Lösung von Umweltproblemen, sondern hat zum Beispiel mit dem nahezu alternativlosen Kupfereinsatz seine ganz eigenen Baustellen. Das sollte von der Bio-Branche einmal zur Kenntnis genommen werden! Verbesserungen im Natur- und Artenschutz lassen sich nur erzielen, wenn die Politik für alle Landwirte Anreize setzt, hier aktiv zu werden. Eine pauschale Öko-Förderung mit der Gießkanne bringt nichts. Wenn z.B. in Mittelgebirgsregionen, wo zum Teil eh nur extensive Weidehaltung Sinn macht, großzügig Umstellungsprämien ausgeschüttet werden, generiere ich damit nur Mitnahmeeffekte, ohne eine nennenswerte Verbesserung der Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Es zweifelt auch nahezu kein ernst zu nehmender Wissenschaftler daran, dass es zur Welternährung moderne und innovative Anbauverfahren braucht. Selbst Öko-Pioniere wie der Schweizer Forscher Prof. Dr. Urs Niggli sind da ganz eindeutig. So sagte Niggli vor rund einem Jahr in einem Interview zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

“Es braucht dann aber eine zweite Ökologisierungs-Strategie, die den wissenschaftlichen Fortschritt nutzt, um die Welt zu ernähren. Und diese wird genauso ihre Berechtigung haben wie der Ökolandbau.”

Solange Lobbyisten wie Dr. Felix Prinz zu Löwenstein das nicht zur Kenntnis nehmen, wird mit ihnen eine Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft sehr schwierig werden.

 

Bildnachweis: Screenshot aus der ZDF-Dokumentation “Schöne neue Landwirtschaft? Die Bayer-Monsanto-Fusion”  aus der Reihe planet-e, Video in der Mediathek abrufbar

Da ist der Wurm drin

Da ist der Wurm drin

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland postete jetzt einen verwegenen Vergleich auf Twitter: Auf Öko-Äckern würden 450 Regenwürmer je Quadratmeter leben, während auf “Intensiv bewirtschafteten Äckern” – was auch immer das heißt – nur 30 Regenwürmer pro Quadratmeter zu finden seien:

Auf Facebook verwendet der WWF ebenfalls diese GIF-Animation und versieht die Bildchen-Folge mit folgender Botschaft:

“Pro m² leben auf intensiv bewirtschafteten Äckern nur 30 Regenwürmer. Auf Öko-Äckern bis zu 450! Schwere Maschinen, synthetischer Dünger und Pestizide machen ihnen zu schaffen und setzen dem Boden zu. Der Boden verliert seine Kraft und die Erträge sinken. Helft den Würmern!”

Woher holt der WWF diese Aussage und vor allem woher diese Zahlen? Im Kommentarbereich auf Facebook verweist die Organisation auf ihr Regenwurm-Manifest. Dort finden sich die Zahlen wieder (S. 5):

“Die Zahl der Regenwürmer in Äckern ist je nach deren Bewirtschaftung sehr unterschiedlich: Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz haben maximal 30 Tiere pro Quadratmeter. Ein durchschnittlicher Boden in der noch relativ kleinstrukturierten Landwirtschaft Süddeutschlands enthält rund 120. Und auf den Äckern von Sepp Braun, dem bekannten bayerischen „Regenwurm-Bauern“, wurden im Ackerboden 450 Würmer pro Quadratmeter gefunden (Spitzenwerte sogar bis 600), mit einem großen Anteil der tiefgrabenden Art „Tauwurm“.”

Folgt der Leser dann der Fußnote am Ende des Absatzes, gelangt er zu folgender Quellenangabe:

“Bestandserhebungen der LfL Bayern, Angaben aus Ehrmann (2015) und mündlich von Sepp Braun (Freising).”

Die Rekordwerte sind also nur mündlich überliefert, das ist freilich ernüchternd, um nicht zu sagen: Es erinnert an dicke Kartoffeln. Wie Bauer Braun seine Tiere gezählt hat, geht aus den Angaben auch nicht hervor. Dabei gibt es dafür standardisierte Verfahren, damit die Werte auch vergleichbar sind. Wo der Wert “30 Tiere pro Quadratmeter” für “Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz” herkommt, lässt sich anhand der Quellenangaben nicht ermitteln. Die Angaben in Ehrmann 2015 sind größtenteils in der Einheit “g/Quadratmeter” für Regenwurm-Biomasse verfasst, die Zahl der Individuen ist meistens gar nicht angegeben.

Dass der WWF hier einen “Bio=gut und intensiv/Nicht-Bio/konventionell=schlecht”-Gegensatz aufbaut, ist insofern unsachlich, weil Bio oder Nicht-Bio für Regenwürmer nicht ausschlaggebend ist. Damit Regenwürmer im Ackerboden gute Lebensbedingungen vorfinden, sind nach Ehrmann 2015 an erster Stelle folgende Dinge wichtig:

• Schonende Bodenbearbeitung oder Verzicht auf Bodenbearbeitung

• Verfügbarkeit von Nahrung (Pflanzenmaterial)

Beide Aspekte werden im Ackerbau vor allem bei Direktsaatsystemen berücksichtigt und das schlägt sich direkt in der Regenwurmmenge nieder:

ehrmann.png
Quelle: Ehrmann 2015, S. 22 (S. 146)

Leider wird gerade im Ökolandbau auf den Pflug und andere mechanische Verfahren zur Beikräuter-Regulierung zurückgegriffen. Für die Regenwürmer ist das Gift.

Nach den beiden oben genannten Aspekten erwähnt der “bekannte Regenwurmforscher Otto Erdmann” (Zitat WWF) noch Pflanzenschutzmittel, Bodenverdichtung, Fruchtfolge und Landschaftsstruktur. Bei den Pflanzenschutzmitteln gilt vor allem das auch im Ökolandbau eingesetzte Kupfer als schädlich für Regenwürmer. Das Mittel Cuprozin progress zum Beispiel ist im Bio-Landbau u.a. für die Behandlung von Mehltau bei Weinreben oder Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt im Abschnitt “Auflagen” über das Mittel:

“Das Mittel wird als schädigend für Regenwurmpopulationen eingestuft.”

Komisch, das Wort “Kupfer” kommt im Regenwurm-Manifest des WWF gar nicht vor. Dagegen darf natürlich der Buhmann der konventionellen Landwirtschaft nicht fehlen: Glyphosat. Es gibt eine Studie (Gaupp-Berghausen et al. 2015), die angeblich nachgewiesen hat, dass Glyphosat Regenwürmer schädige. Es gab von verschiedenen Seiten Kritik an der Methodik dieser Arbeit (siehe dazu die Links unter dem Artikel), der Hauptkritikpunkte aus meiner Sicht sind:

• Die Versuche wurden nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat durchgeführt, sondern mit einer Fertigmischung.

• Die Fertigmischung wurde während der Versuchsreihe geändert.

• Die Fertigmischung, bei der letztlich die negativen Ergebnisse auftauchten, enthielt das aggressive Kontaktherbizid Pelargonsäure.

• Die Fertigmischung wurde in unrealistisch hoher Aufwandmenge aufgebracht.

• In der Kontrollgruppe hätte ebenfalls die Vegetation entfernt werden müssen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Das Kontaktherbizid Pelargonsäure schädigt nachweislich Regenwürmer. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA schreibt in ihrer Risikobewertung zu Pelargonsäure (S. 2-3):

“For pelargonic acid, data gaps to address the following aspects of the ecotoxicological risk assessment were identified: aquatic organisms, bees, in-field populations of non-target arthropods, earthworms, soil microorganisms and non-target plants (seedling emergence). A low risk to birds, mammals and sewage treatment organisms was concluded. A risk was identified for earthworms and in-field populations of non-target arthropods.”

Kurzum: Ich bin gerne bereit, über Vor- und Nachteile verschiedener Anbauverfahren zu diskutieren – der WWF hatte ja auch auf unseren Offenen Brief an Ministerin Hendricks reagiert – aber bitte auf Basis von anerkannten wissenschaftlichen Methoden sowie ohne ideologische Scheuklappen und Rosinenpickerei.

 

Links zu Bodenbearbeitung und Regenwurmdichte:

Otto Ehrmann 2015: “Regenwürmer in den Böden Baden-Württembergs
– Vorkommen, Gefährdung und Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit”

Werner Jossi et al. 2011: “Reduzierte Bodenbearbeitung schont die Regenwürmer”

• Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Regenwurmhäufigkeit bei dauerhaft konservierender Bodenbearbeitung

“Direkt gesät”

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Peter Meiwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/13418 – Verlust von Artenreichtum in der Agrarlandschaft Anfrage

 

Links zu Gaupp-Berghausen et al. 2015:

Glyphosat, die BOKU und der Regenwurm

• Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH: Stellungnahme zur Regenwurm-Studie der BOKU 

• Dead plants are probably bad for earthworms

EFSA: Peer Review of the pesticide risk assessment of the active substance fatty acids C7 to C18, EFSA Journal 2013;11(1):3023

 

Bildnachweis: Screenshot WWF

 

Von Spinnen und Menschen

Von Spinnen und Menschen

Vor ein paar Tagen konnte ich in meinem Garten eine Tigerspinne beim Frühstück beobachten:

Ein Grashüpfer wurde sorgfältig verpackt. Inzwischen ist von dem Insekt nichts mehr übrig. Die Spinne sitzt in der Mitte des Netzes und wartet auf die nächste Beute.

Einer Veröffentlichung in der Zeitschrift Science of Nature zufolge fressen alle Spinnen dieser Welt im Jahr 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten. Zum Vergleich: Alle Menschen dieser Welt verzehren im gleichen Zeitraum rund 400 Millionen Tonnen Fisch und Fleisch. Wale fressen im Jahr 280 bis 500 Millionen Tonnen Plankton, während alle Seevögel dieser Welt schätzungsweise 70 Millionen Tonnen Fisch und andere Meeresfrüchte erbeuten. Beeindruckend.