Dialog fortsetzen

Dialog fortsetzen

Anfang September hatte Horst Rehberger einen Offenen Brief an die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) gerichtet. Der frühere Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt und Vorsitzende des Forums Grüne Vernunft forderte darin den EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Bedford-Strohm auf, sich an einen Tisch zu setzen, um über Grüne Gentechnik zu sprechen. Rehberger sieht Gesprächsbedarf und fragt, warum angesichts eines Aufrufes von inzwischen 126 Nobelpreisträgern zur unverzüglichen Nutzung der Grünen Gentechnik im Allgemeinen und des Goldenen Reises im Besonderen, die EKD Gentechnik in der Landwirtschaft weiterhin ablehne. Sollte die EKD nicht reagieren, wollte Horst Rehberger einen Hungerstreik vor der EKD-Zentrale in Hannover antreten. Wir wollten wissen, wie die Sache ausgegangen ist.

Frage: Herr Rehberger, hat die EKD auf Ihren Brief reagiert?

Rehberger: Einen Tag vor Ablauf der Frist erreichte mich ein Brief der EKD-Leitung. Darin wurde mir Folgendes mitgeteilt: “Auch wenn grundsätzlich auf “Offene Briefe” seitens der EKD nicht reagiert wird, hat der Ratsvorsitzende anlässlich Ihres als Anzeige veröffentlichten Offenen Briefes den theologischen Vizepräsidenten des Kirchenamtes der EKD, Herrn Dr. Horst Gorski, gebeten, Ihnen ein Gespräch anzubieten. Herr Dr. Gorski schlägt vor, dieses Gespräch aus fachlichen Gründen gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden der “Kammer für nachhaltige Entwicklung” der EKD, Frau Dr. Gudrun Kordecki, zu führen” Dieses Gesprächsangebot habe ich gerne angenommen und gemeinsam mit Prof. Reinhard Szibor, der sowohl in der evangelischen Kirche als auch für die Grüne Gentechnik sehr engagiert ist, dieser Tage in Hannover ein Gespräch geführt.

Frage: Und was ist bei diesem Gespräch herausgekommen?

Rehberger: Erwartungsgemäß war es ein sehr schwieriges Gespräch und mir drängte sich der Eindruck auf, dass die beiden Gesprächspartner von der EKD von der Entscheidung des Ratsvorsitzenden, ein solches Gespräch zu führen, alles andere als begeistert waren. So haben sie von Anfang an meinen Vorschlag strikt abgelehnt, in einer gemeinsamen Mitteilung darüber zu informieren, dass dieses Gespräch stattgefunden hat und was die wesentlichen Inhalte waren. Mein Hinweis, dass es eine ganze Reihe von Rückfragen gebe, ob und wie die EKD-Führung auf meinen Offenen Brief reagiert hat, und ich infolgedessen die Tatsache unseres Gesprächs nicht verschweigen könne – sollte ich etwa lügen? – hat dann dazu geführt, dass wir uns zu viert rund eine Stunde lang über den Aufruf der Nobelpreisträger und deren Plädoyer für die unverzügliche Nutzung der Grünen Gentechnik unterhalten haben.

Frage: Wie ist die aktuelle Haltung der EKD-Leitung zur Grünen Gentechnik?

Rehberger: Es wurde sehr deutlich, dass der Widerstand der EKD gegen die moderne Biotechnologie nicht theologisch begründet wird, sondern ideologisch. Nicht Theologen, sondern vor allem Verantwortliche der “Kammer für nachhaltige Entwicklung” sind für die bisher ablehnende Haltung der EKD verantwortlich. Auf die Frage, wie es ethisch zu verantworten ist, dass auch die evangelischen Christen in Deutschland täglich Lebensmittel essen, in denen Gentechnik steckt, dies den Menschen in Asien und Afrika etwa in Gestalt des Goldenen Reises aber vorenthalten werden soll, blieb Frau Kordecki jede Antwort schuldig.

Frage: Welche Gründe für die Ablehnung Grüner Gentechnik haben die Vertreter der EKD-Leitung denn vorgetragen?

Rehberger: Unsere Gesprächspartner erklärten, dass die wissenschaftliche Diskussion über die Chancen und Risiken der Grünen Gentechnik noch nicht abgeschlossen sei und deshalb ihr Einsatz nur aus der Perspektive des Vorsorgeprinzips beurteilt werde. Meine Frage, welche Wissenschaftler heute noch die Grüne Gentechnik ablehnten, schließlich sei die Meinung der 126 Nobelpreisträger identisch mit der Auffassung aller anerkannten wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen weltweit, wurde nicht beantwortet. Auch meine weitere Frage, wie man von einem Vorsorgeprinzip sprechen könne, wenn man in Deutschland täglich “Genfood” esse, blieb unbeantwortet.

Frage: War damit das vom Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm veranlasste Gespräch mit führenden EKD-Vertretern “für die Katz”?

Rehberger: Keinesfalls! Zum einen konnten Reinhard Szibor und ich die Gesprächspartner über den weltweit neuesten Stand in Sachen Grüne Gentechnik informieren. Dass z.B. Papst Franziskus, der bekanntlich schon vor Jahren das humanitäre Golden-Rice-Projekt gesegnet hat, vor wenigen Wochen Gluten-freie Hostien verboten, gentechnisch veränderte Hostien dagegen ausdrücklich erlaubt hat, war ihnen wohl nicht bekannt. Sonst hätte sich Frau Kordecki nicht auf eine angebliche Übereinstimmung mit der Katholischen Kirche berufen. Zum anderen dürften sich, und dies ist für den weiteren Dialog noch wichtiger, insbesondere die evangelischen Akademien erneut mit dem Thema Biotechnologie beschäftigen. Jedenfalls haben die EKD-Vertreter wiederholt auf diese Akademien als Plattform für einen wissenschaftsbasierten Dialog über die Gentechnik verwiesen. Das lässt hoffen. Die Dialog-Initiative des EKD-Ratsvorsitzenden war ein schwieriger Anfang. Aber dieser Dialog wird auf breiter Basis fortgesetzt werden.

Zum Bild: Christel Happach-Kasan und Horst Rehberger auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in der Lutherstadt Wittenberg

Bildnachweis: Forum Grüne Vernunft

Warten auf Godot

Warten auf Godot

Am 19. September 2017 läuft das Ultimatum ab: Wenn Horst Rehberger bis dahin keine Antwort von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) erhält, will der frühere Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt und Vorsitzende des Forums Grüne Vernunft vor der EKD-Zentrale in Hannover einen Hungerstreik beginnen. Rehberger ist mit seiner Geduld am Ende. Seit Jahren fordert er die EKD zum Dialog über Grüne Gentechnik auf und wird mit unbefriedigenden Absagen (“keine Zeit”) vertröstet. Er schreibt in seinem Offenen Brief an den EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm:

“Über 120 Nobelpreisträger bezeichnen das, was Sie propagieren, als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, also das schlimmste Kapitalverbrechen, das die Menschheit kennt, den Massenmord. Mit Totschweigen werden Sie Ihrer Verantwortung nicht gerecht! Sollten Sie bis 19.09.2017, drei Monate nach der Einladung, keinen Dialog-Termin nennen, werde ich einen unbefristeten Hungerstreik beginnen. Vor dem EKD-Gebäude in Hannover.
Im Interesse von Millionen Kindern, die ohne Gentechnik zum Tode verurteilt sind.”

Der Offene Brief des früheren Politikers (FDP) reiht sich ein in eine jahrelange Serie von Adressen an die Evangelische Kirche, Risiken und Chancen der Grünen Gentechnik neu zu bewerten.

Bereits Ende 2013 hat der Agrarökonom und Vizepräsident der Welthungerhilfe Prof. Dr. Joachim von Braun bei der 6. Tagung der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Referat zum Thema Welternährung gehalten. Daraus ein Zitat:

“Wir brauchen dazu meines Erachtens auch eine Neubewertung der grünen Gentechnik. Dazu fordere ich Sie auf. Es geht mir nicht um eine dogmatische grundlegende Ablehnung der sogenannten transgenen Pflanzen, sondern um die Entwicklung einer armutsorientierten sicherheitsbewussten Checkliste, die solche transgenen Produkte, die Armen helfen und dem Sicherheitscheck standhalten, aktiv fördert. Das ist etwas anderes als Ja oder Nein zu grüner Gentechnik, sondern da muss man ganz genau hinschauen.”

Seitdem ist nichts passiert in der EKD. Im Gegenteil: Noch Ende 2015 hat die EKD die Brot für die WeltAdventsaktion mit der Anti-Gentechnik Aktivistin Vandana Shiva gestartet.

 

Mein Resümee: Die EKD sowie der Kirche angeschlossene Einrichtungen wie Brot für die Welt entziehen sich seit Jahren einer ergebnisoffenen Debatte über die Grüne Gentechnik. Diese Vermeidungstaktik ist symptomatisch für die gesamte Haltung der EKD der modernen Landwirtschaft gegenüber: Die Kirche orientiert sich lieber am Gutmenschen-Zeitgeist, anstatt sich eine pragmatische und lösungsorientierte Position zu erarbeiten und diese zu verteidigen. Auf der Strecke bleiben dabei u.a. arme Menschen in Entwicklungsländern, denen nicht zuletzt durch das Engagement kirchlicher Einrichtungen modernes Saatgut vorenthalten bleibt. Diese Doppelmoral ist das eigentliche Pharisäertum der EKD.

Links

Gentechnik-Streit: Rehberger droht Evangelischer Kirche mit Hungerstreik

“Grüne Gentechnik: Folgen die Entwicklungsländer der deutschen Paranoia?” Vortrag von Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen beim 16. Innoplanta-Forum am 06.09.2017 in Gatersleben

Die Kirche und der Goldene Reis

 

Bildnachweis: Forum Grüne Vernunft

Das Tribunal

Das Tribunal

Am kommenden Wochenende findet in Den Haag das „Monsanto-Tribunal“ statt. Veranstalter sind diverse Nicht-Regierungs-Organisationen, aber auch Vertreter politischer Parteien werben für diese Veranstaltung. Der Ort wurde wohl bewusst so gewählt, um eine gedankliche Nähe zum Sitz des Internationalen Gerichtshofes herzustellen.

Hier die Einführung auf der Homepage des Monsanto-Tribunals:

„Für eine wachsende Anzahl von BürgerInnen in der ganzen Welt ist der amerikanische Konzern Monsanto das Symbol für die industrielle Landwirtschaft: eine Produktionsform, welche durch den massiven Einsatz von Chemikalien die Umwelt verpestet, den Verlust der biologischen Vielfalt beschleunigt und massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.

Monsanto fördert ein Modell von Industrielandwirtschaft, das weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen Treibhausgasemissionen verursacht. Die industrielle Landwirtschaft ist zu einem grossen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben, sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern. Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen.“

Wer diese Zeilen aufmerksam liest, erkennt schnell, dass nicht nur Monsanto, sondern generell das Modell der „industriellen Landwirtschaft“ auf der Anklagebank sitzen. Es geht den Veranstaltern also nicht nur um Glyphosat, sondern um die derzeitige Wirtschaftsweise insgesamt.

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin und Vertreterin der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ bewirbt diese Veranstaltung auf ihrer Facebook-Seite. Auch hier ist an den Begriffen „Monokulturen“, „Gentechnik“ und „Agro-Landwirtschaft“ (Anmerkung: was ist Agro-Landwirtschaft?) klar zu erkennen, dass mit dieser Veranstaltung die Form der Landwirtschaft in Misskredit gebracht werden soll, die von der überwiegenden Zahl der Landwirte heute praktiziert wird. Interessant die Erläuterung, dass es sich beim Monsanto Tribunal um „eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation“ handelt.

Der Vorwurf an Monsanto lautet „Ökozid“ – auch in diesem Wort verbirgt sich ein bewusstes Täuschungsmanöver: Die Ähnlichkeit zum Begriff „Genozid“ für Völkermord soll die Geschäftstätigkeit der Agrarkonzerne kriminalisieren.

Hier die Posts von Renate Künast:

29.7.2016: „Das Monsanto-Tribunal braucht unsere Unterstützung. Denn Engagement und Veranstaltungen kosten. #monsanto“
6.10.2016: „Das internationale Monsanto-Tribunal findet ab nächster Woche in Den Haag statt! Monsanto betreibt und fördert ein Modell der industriellen Landwirtschaft, das weltweit zu Umweltverschmutzung, Zerstörung und Hunger führt. Das prangern wir an und erstellen nebenbei noch unsere Vision einer gerechten Zukunft.“
11.10.2016: „Am Wochenende findet das so genannte Monsanto-Tribunal, eine zivilgesellschaftliche Gerichtssimulation in Den Haag statt. Monsanto zerstört mit seiner Agro-Landwirtschaft, Monokulturen und Gen-Technik die Menschenleben und den Planeten.“

Ergänzend sei noch gesagt, dass diese Veranstaltung keine rechtliche Relevanz hat. Es handelt sich um einen reinen Schauprozess, dessen Ausgang, eine „Verurteilung“ von Monsanto, vermutlich schon im Vorfeld feststeht.

 

Bernhard Barkmann, www.blogagrar.de
Susanne Günther, schillipaeppa.net
Willi Kremer-Schillings, www.bauerwilli.com
Marucs Holtkötter, www.holtkoetter-agrar.de

“Lasst Afrika in Ruhe”

“Lasst Afrika in Ruhe”

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Anfang Juni veröffentlichte die Plattform Global Farmer Network einen Offenen Brief an das Europäische Parlament von einem Bauern aus Kenia. Der Brief wurde im Vorfeld einer Parlamentsentscheidung geschrieben. Es ging Gilbert Arap Bor darum, zu verhindern, dass das Gremium eine Resolution zum Programm New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Staaten annimmt. In dem Brief schildert der Landwirt die Hoffnungen, die in Entwicklungsländern mit modernen Züchtungstechnologien verbunden werden. Ich finde des Text – gerade für uns Europäer – sehr lesenswert und habe ihn daher übersetzt:

“Lasst Afrika in Ruhe

1885 trafen sich die großen europäischen Mächte in Berlin, um Afrika unter sich aufzuteilen. Damit begann eine dunkle Zeit kolonialistischer Ausbeutung.
Heute sind die Europäischen Gesetzgeber in Brüssel versammelt für den Versuch, meinen Kontinent ein weiteres Mal zu unterwerfen – dieses Mal, indem sie uns zwingen, den wissenschaftlichen Innovationen abzuschwören, die den Ackerbau auf der ganzen Welt revolutioniert haben.

Diese neue Offensive kommt vom Ausschuss für Entwicklungspolitik des Europäischen Parlamentes, der einen Resolutionsentwurf vorgelegt hat, in dem die G 8-Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, „GMO-Pflanzen in Afrika nicht zu unterstützen“ („Urges the G8 member states not to support GMO crops in Africa“). Der Entwurf hat überraschenderweise wenig Aufmerksamkeit in der Presse erfahren und könnte frühestens am 6. Juni verabschiedet werden.

Als ein Bauer aus Kenia, der an dem täglichen Kampf teilhat, Nahrung in einem Land anzubauen, das davon nicht genug produziert, habe ich eine einfache Nachricht an die gut ernährten Politiker, die in Betracht ziehen könnten, diese neo-kolonialistische Maßnahme zu unterstützen: „Lasst Afrika in Ruhe.“

Ihre Feindschaft gegenüber Grüner Gentechnik hat uns bereits eine Generation zurückgeworfen. Bitte machen Sie keinen Schritt, der uns eine weitere Generation lang verarmen lässt, indem Sie afrikanische Regierungen entmutigen, wichtige Nutzpflanzentechnologien zu akzeptieren, die andernorts selbstverständlich sind.
Hier in Kenia kämpfen unzählige Menschen um ihre Ernährungssicherheit, nicht sicher, wie sie an ihre nächste Mahlzeit kommen sollen. Ich sehe die Anzeichen dafür jeden Tag. Mit 46 Millionen Menschen, einem schnellen Bevölkerungswachstum und einer rapiden Verstädterung urbaren Landes werden unsere Herausforderungen eher größer werden als kleiner.

Grüne Gentechnik könnte eine positive Rolle spielen, indem wir mehr Nahrung auf weniger Land produzieren, und zwar auf wirtschaftliche und nachhaltige Weise. Bauern wie ich brauchen Zugang zu Biotechnologie in der Landwirtschaft.
Anstatt Afrika zu befehlen, Naturwissenschaften abzuschaffen, sollten die Europäer darauf hören, was ihre eigenen Wissenschaftler sagen: Sowohl die Europäische Kommission als auch die Weltgesundheitsorganisation bürgen für die Sicherheit von Grüner Gentechnik. Zum gleichen Schluss kam die National Academy of Sciences, die führende wissenschaftliche Autorität in den USA, die gerade mit einer umfassenden Studie die Sicherheit von gentechnisch verbesserten Nahrungsmitteln bestätigt hat.

Wenn das Europäische Parlament Afrika helfen will, dann sollte es versuchen, den Gesetzgebern und Bürgern der wenig entwickelten Länder Wissen zu vermitteln, damit wir uns selbst ausreichend mit Grundnahrungsmitteln versorgen können, und vor allem mit solchen, mit denen afrikanische Bauern die Ernährungssicherheit gewährleisten können.

Was wir nicht brauchen sind Lektionen von Europäern, deren Lebensstil für den normalen Afrikaner luxuriös erscheint. Sie wollen, dass wir im Ackerbau primitiv bleiben, hängengeblieben an Technologien, die bereits antiquiert waren, bevor das 21. Jahrhundert begonnen hat.

Nur eine Handvoll afrikanischer Staat haben gentechnisch verbesserte Pflanzen akzeptiert, darunter Burkina Faso, Sudan und Südafrika. Aber wir könnten in den nächsten paar Jahren einen Boom erleben.

Kenia ist bereit für gentechnisch verbesserte Pflanzen. Wir verfügen über Regulierungsmechanismen, koordiniert durch eine zentrale Behörde, die National Biosafety Authority. Die ersten Feldversuche mit gentechnisch verbessertem Mais sind im Gange und für Baumwolle werden sie bald beginnen. Wir können immer noch keine gentechnisch verbesserten Pflanzen anbauen, vermarkten oder importieren, aber wir sind dabei, diese Beschränkungen aufzuheben. Sobald diese abgeschafft sind, wird mein Land in den Genuss einer neuen Waffe kommen im Kampf gegen den Hunger.

Das Letzte, das wir brauchen, ist ein Haufen reicher Nationen, die unseren Fortschritt missbilligen, ohne auch nur einen Funken Ahnung von unserer misslichen Lage zu haben.

Wenn es Afrika nicht gelingen wird, moderne landwirtschaftliche Methoden zu übernehmen, wird mein Kontinent einem Desaster begegnen. Wir werden nie das Potenzial sowohl der Grünen Revolution als auch der Gen Revolution umsetzen. Landwirte werden immer mehr Herbizide und Pestizide einsetzen, und dabei ihre Einkünfte schmälern sowie die Biodiversität gefährden. Die Kosten der Pflanzenproduktion werden steigen, was bedeutet, dass auch die Kosten für Nahrung steigen werden. Mehr Menschen werden unter Hunger leiden.

Diese ist die schlechte Zukunft, die wir nach der Resolution des Europäischen Parlamentes begrüßen sollen.

Glücklicherweise ist die Resolution nicht bindend. Das Europäische Parlament kann nicht eine Politik bei den G8-Staaten durchsetzen, und zumindest zwei der Mitglieder, Kanada und USA, werden sie sicher ohne Zögern ablehnen.

Aber das ist nicht der Punkt. Afrika schaut gewöhnlich nach Europa und orientiert sich an der politischen Führung sowie an wirtschaftlichen Möglichkeiten — und was auch immer das Europäische Parlament entscheidet, seine Wahl wird ein starkes Signal aussenden.

Wollen wir hoffen, dass es die richtige Entscheidung sein wird.

Gilbert Arap Bor, 2. Juni 2016”

Leider hat sich die Hoffnung von Gilbert Arap Bor nicht erfüllt: Das Europäische Parlament hat die Resolution am 7. Juni mit großer Mehrheit angenommen. Auch ein weiterer offener Brief von einer Gruppe Nigerianischer Farmer wurde geflissentlich übersehen. Hier ein Zitat aus dem Aufruf:

“We hereby want to state categorically that we do not want another form of colonialism from this decision you are about to make for us. Let us have options to the seeds we can grow. Even though we know Agricultural Biotechnology is not the only solution to the challenges we face in the farm, we need to embrace it as an efficient, inclusive, climate-smart, sustainable, nutrition- and health-driven, and business-friendly technology to help us produce more food in order to ensure that no Nigerian goes to sleep hungry by 2025.”

Maria Heubuch von Bündnis 90/Die Grünen hatte die Resolution eingebracht. Sie begründet sie laut The Guardian:

“We have already made the mistake of intensive agriculture in Europe. We should not replicate it in Africa because this model destroys family farming and reduces biodiversity”

Aha, intensive Landwirtschaft habe also in Europa Familienbetriebe in Schwierigkeiten gebracht (was heißt nur “destroys family farming”?) und die Biodiversität reduziert. Mal gesetzt, das würde so stimmen: Ist das jetzt entsetzlich oder erträglich, und vor allem: zu welchem Preis? Der Anteil der hungernden Menschen ist in Afrika so hoch wie auf keinem anderen Kontinent der Welt. Den Hunger zu lindern dürfte dort die Priorität Nummer eins sein. Und: Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass der Einsatz von gentechnisch verbessertem Saatgut die Einkommensverhältnisse von Kleinbauern verbessert und den Einsatz von Pestiziden reduziert.

Grundsätzlich hat hier jemand wohl zu viel Vandana Shiva gelesen. Ein weiterer Punkt aus der Resolution lautet:

“Recalls that while commercial seed varieties may improve yields in the short term, traditional farmers’ varieties, landraces and associated knowledge are best suited for adaptation to specific agro-ecological environments and climate change; stresses that, in addition, their higher performance depends on the use of inputs (fertilisers, pesticides, hybrid seeds) which risk trapping farmers in a vicious circle of debt;”

Wie Vandana Shiva ruft hier das Europäische Parlament dazu auf, weiter auf altertümliche Landbaumethoden zurückzugreifen, die schon in der Vergangenheit nicht funktioniert haben. Der Fortschritt wird völlig ausgeblendet. Wofür hat Norman Borlaug eigentlich den Friedensnobelpreis bekommen? Er hat durch neue Weizensorten und die Einführung von Kunstdünger Millionen Menschen vor dem Hungertod gerettet. Aber “Hunger” scheint in der Europäischen Union ein Fremdwort zu sein.

Bildnachweis: Gilbert Arap Bor

 

#Nobels4GMOs: Die Antwort

#Nobels4GMOs: Die Antwort

Inzwischen haben 110 Nobelpreisträger einen Aufruf unterzeichnet, in dem Greenpeace aufgefordert wird, die ablehnende Haltung gegenüber Grüner Gentechnik im allgemeinen und dem Goldenen Reis im speziellem aufzugeben.

Und wie reagiert die finanzkräftige Nichtregierungsorganisation? Greenpeace gibt sich ahnungslos, der Goldene Reis sei nach 20 Jahren immer noch nicht marktreif, heißt es in einer Stellungnahme von Greenpeace-Kampaigner Dirk Zimmermann:

“Das Problem: Es gibt den Reis gar nicht. Auch nach 20 Jahren Entwicklung wird er bisher nur auf Versuchsfeldern getestet und erfüllt längst nicht die in ihn gesteckten Hoffnungen.”

Doch warum ist der Reis wohl nicht marktreif? Das ist ja genau das Problem und daran hat Greenpeace entscheidend mitgewirkt, indem die Organisation vor Ort Stimmung gemacht hat gegen die Innovation. In einer Spiegel-Reportage von 2008 findet sich folgende Schilderung:

“Am Anfang gab es beim Goldenen Reis Streit darüber, wie viel Betacarotin tatsächlich im Reis vorhanden sei und wie viel davon der Körper aufnehmen könne. 2001 lud Greenpeace deshalb auf den Philippinen zu einer Pressekonferenz ein. Man habe ausgerechnet, sagte ein Greenpeace-Sprecher in die versammelten Mikrofone und Kameras, wie viel Goldenen Reis ein Kind am Tag essen müsse, um seinen Tagesbedarf an Vitamin A zu decken. Dann stand er auf und schüttete neun Kilo Reis auf den Tisch.”

Dieses Problem ist züchterisch längst gelöst und trotzdem hält sich das Argument des zu geringen Gehalts an Betacarotin nachhaltig in der Debatte.

Die aggressive Propaganda von Nicht-Regierungsorganisation hat durchaus Auswirkungen auf die Entscheidungsträger in den Entwicklungsländern. Auch die in Europa vorherrschende skeptische Haltung gegenüber Gentechnik wird in Entwicklungsländern rezipiert.

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Bildnachweis: Luis Liwanag/Greenpeace)

Zimmermann behauptet, die Wirksamkeit vom Goldenen Reis sei nicht nachgewiesen. Dem widerspricht der langjährige Projektleiter Adrian Dubock entscheiden. Bereits in 2009 wurde das in in einer Studie bestätigt:

Conclusion: b-Carotene derived from Golden Rice is effectively converted
to vitamin A in humans.”

Eine weitere Studie des gleichen Forschers Guangwen Tang musste auf Betreiben von Greenpeace zurückgezogen werden.

Ein weiteres Argument, dass Zimmermann bemüht ist, dass der Goldene Reis nicht die Ursachen der Mangelernährung bekämpft:

“Neben all diesen Unwägbarkeiten ignoriert die Golden Rice-„Lösung“ völlig die Ursachen von Mangelernährung – nämlich Armut und daraus resultierend einseitige Ernährung. Diesen Missstand mit einem einzigen Lebensmittel zu bekämpfen, ist völlig absurd. Die Gefahr ist, dass „Golden Rice“ das Problem einseitiger Ernährung sogar noch verschärfen würde.”

Genau so gut könnte man sagen, “Ich gebe Dir die Polio-Impfung nicht, denn Du bleibst ja trotzdem arm und denkst nachher noch, Du müsstest jetzt seltener zum Arzt gehen.” Geht’s noch?

Nicht fehlen darf in Dirk Zimmermanns Argumentation natürlich das Trojanische Pferd:

“Zuverlässig („funktioniert“ wäre zu viel gesagt) ist Golden Rice nur als PR-Instrument: Immer wieder wird er von Konzernen und Gentechnik-Befürwortern als Wunderpflanze gepriesen, um so den Weg für andere gentechnisch veränderte Pflanzen zu ebnen, mit denen Monsanto und andere Agro-Unternehmen Profite einstreichen können.”

Die Reissorte solle den Weg ebnen für den Vormarsch der Agrarkonzerne. Alle, die das “Trojanische Pferd”-Motiv anführen, wenn sie gegen den Goldenen Reis wettern, mögen sich bitte eins vor Augen führen: Der Etappensieg der Gentechnik-Unternehmen in der PR-Schlacht gegen die NGOs kommt ja nur dann zustande, wenn der Reis erfolgreich ist. Und wenn er erfolgreich ist, bedeutet das die Rettung von Millionen von Kindern. Was wiegt ethisch denn jetzt schwerer? Im Klartext: Ist es für Greenpeace wichtiger, dass die Gentechnik-Konzerne diesen PR-Trumpf nicht bekommen, als dass diese Millionen Kinder gerettet werden? Tamar Haspel,  Autorin der Washington Post, fragte jetzt auf Twitter:

Wollen wir wirklich, dass der Goldene Reis kein Erfolg wird? Nein, natürlich nicht! Für Greenpeace indes ginge ein Erfolg der Reissorte mit einem enormen Glaubwürdigkeitsverlust einher. Jahrzehntelange Propaganda würde sich als haltlos erweisen.

Die Stellungnahme von Greenpeace International ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Zitiert wird Wilhelmina Pelegrina, Kampaignerin von Greenpeace Südost Asien:

““Accusations that anyone is blocking genetically engineered ‘Golden’ rice are false. ‘Golden’ rice has failed as a solution and isn’t currently available for sale, even after more than 20 years of research.”

Niemand hat also den Goldenen Reis blockiert? Im August 2013 zerstörten Aktivisten Versuchsfelder auf den Philippinen. Ende 2015 war eine Klage von Greenpeace und anderen Gruppen vor dem Obersten Gerichtshof auf den Philippinen erfolgreich: Alle Feldversuche von genetisch verbesserten Pflanzen waren danach zu stoppen, bis die Regierung eine neue gesetzliche Grundlage schafft. Basis dieser Entscheidung war u.a. eine Studie, die Greenpeace finanziert hatGreenpeace meldet triumphierend, dass auch die Weiterentwicklung vom Goldenen Reis von der Entscheidung betroffen sein wird:

“The temporary ban is in place until a new ‘administrative order’ takes effect, and includes the highly controversial ‘Golden’ rice, an experimental project by International Rice Research Institute (IRRI) that is currently back at the laboratory stage due to poor performance.”

Auch mit kriminellen Aktionen will Greenpeace nichts zu tun haben. Der Tagesspiegel hat mit Dirk Zimmermann gesprochen:

“Dass Versuchsfelder von Anti-GMO-Aktivisten zerstört wurden, seien “Ausnahmen”, mit denen Greenpeace nichts zu tun habe. “Das waren lokale Gruppen vor Ort”, sagt Zimmermann.”

Das ist so auch einfach nicht wahr: In Australien sind Greenpeace-Aktivisten rechtskräftig verurteilt worden, weil sie in 2011 Versuchsfelder mit gentechnisch verbesserten Weizen zerstört haben.

Kurzum: Die Antworten von Greenpeace zeigen, dass die Nobelpreisträger schlichtweg Recht haben. Greenpeace ignoriert öffentliche Forschung und wiederholt Glaubenssätze und Dogmen, so wie dieser Satz aus Dirk Zimmermanns Erklärung:

“Mögliche Gesundheitsgefahren sind nach wie vor nicht ausreichend untersucht und auch unter Wissenschaftlern umstritten.”

Er verweist auf einen Beitrag bekannter Gentechnik-Gegner, der von rund 300 Personen unterstützt wurde. Ich verweise hier mal auf eine Liste mit mehr als 275 internationalen Organisationen, die Gentechnik für sicher halten:

“The update shows that 276 scientific institutions and organizations recognize the safety of GM crops and their potential benefits.”

Wieviele Personen mögen wohl dahinter stehen?

Und zum Schluss noch der Klassiker: das Argumentum ad Monsantium, eingebracht in einer Diskussion auf Facebook. Noch Fragen?

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Quelle: Facebook

Bildnachweis: Karl Haro von Mogel, https://www.biofortified.org/2016/07/110-nobel-laureates-greenpeace-gmos/

110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace

110 Nobelpreisträger gegen Greenpeace

Die Washington Post meldete gestern, dass mehr als 100 Nobelpreisträger gemeinsam einen Brief unterzeichnet haben, in dem die anti-wissenschaftliche Haltung von Greenpeace gegenüber der Grünen Gentechnik dezidiert kritisiert wird.

Zu dieser Aktion gibt es die Website http://supportprecisionagriculture.org/, wo der Wortlaut des Briefes zu finden ist sowie die Liste der Unterzeichner. Hierzu zählen auch die deutschen Preisträger Christiane Nüsslein-Volhard (1995: Medizin), Harald zur Hausen (2008: Medizin), Herbert Kroemer (2000: Physik), Hartmut Michel (1988: Chemie) und Wolfgang Ketterle (2001: Physik) sowie die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (2004: Literatur).

Hier eine deutsche Übersetzung des Textes:

“An die Führungspersonen von Greenpeace, den Vereinten Nationen sowie der Regierungen in aller Welt

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat gezeigt, dass die globale Produktion von Nahrung, Futtermitteln und pflanzlichen Rohstoffen sich bis zum Jahre 2050 fast verdoppeln muss, um die Bedürfnisse der wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen. Organisationen, die sich gegen moderne Pflanzenzüchtung wenden, allen voran Greenpeace, haben diese Fakten wiederholt bestritten und bekämpfen biotechnologische Innovationen im Ackerbau. Sie haben Risiken, Vorzüge und Auswirkungen moderner Methoden fehlinterpretiert und kriminelle Zerstörungen von Feldversuchen und Forschungsprojekten unterstützt.
Wir ermahnen Greenpeace und die Unterstützer dieser Organisation, die weltweiten Erfahrungen von Bauern und Verbrauchern mit Pflanzen und Nahrungsmitteln, die biotechnologisch verbessert worden sind, neu zu untersuchen, die Erkenntnisse maßgeblicher Wissenschaftskreise und Regulierungsbehörden zu Kenntnis zu nehmen und die Kampagne gegen Gentechnik im allgemeinen und den Golden Reis im speziellen aufzugeben.

Forschungseinrichtungen und Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt haben wiederholt und einheitlich festgestellt, dass Pflanzen und Nahrungsmitteln, die auf biotechnologischem Wege verbessert worden sind, genauso sicher, wenn nicht sogar sicherer, sind als herkömmlich hergestellte. Es gibt nicht einen bestätigten Fall einer Gesundheitsbeeinträchtigung von Mensch und Tier durch den Konsum. Mit Biotechnologie verbesserte Pflanzen haben sich wiederholt als weniger schädlich für die Umwelt erwiesen und als günstig für die globale Biodiversität.

Greenpeace ist federführend beim Widerstand gegen den Goldenen Reis, der das Potential hat, Krankheiten und Todesfälle zu reduzieren oder zu verhindern, die durch Vitamin-A-Mangel entstehen, der am meisten die ärmsten Menschen in Afrika und Südostasien betrifft.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass rund 250 Millionen Menschen an Vitamin-A-Mangel leiden, darunter 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren in den Entwicklungsländern. Nach Statistiken von UNICEF sind rund ein bis zwei Millionen vermeidbare Todesfälle pro Jahr auf Vitamin-A-Mangel zurückzuführen. Denn Vitamin-A-Mangel schwächt das Immunsystem, was besonders Säuglinge und Kinder gefährdet. Vitamin-A-Mangel ist weltweit der Hauptgrund dafür, dass Kinder erblinden, rund 250.000 – 500.000 Kinder sind pro Jahr davon betroffen. Die Hälfte von diesen Kindern stirbt innerhalb der folgenden zwölf Monate nach dem Verlust ihrer Sehkraft.

WIR FORDERN GREENPEACE AUF, die Kampagne gegen den Golden Reis im speziellen und gegen biotechnologisch verbesserte Pflanzen im Allgemeinen einzustellen.

WIR FORDERN DIE REGIERUNGEN DER WELT AUF, Greenpeace’ Kampagne gegen den Golden Reis im speziellen und gegen biotechnologisch verbesserte Pflanzen im Allgemeinen zurückzuweisen und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sich Greenpeace’ Aktionen zu widersetzen sowie den Zugang von Bauern zu allen Werkzeugen der modernen Biologie, insbesondere biotechnologisch verbessertem Saatgut, zu beschleunigen. Die auf Emotionen und Dogmen basierende, den Fakten widersprechende Opposition muss beendet werden.

Wie viele arme Menschen in der Welt müssen sterben, bevor wir das als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ansehen?

Aufrichtig,”

Initiiert wurde der Brief von Richard Roberts, wissenschaftlicher Leiter von New England Biolabs, und zusammen mit Phillip Sharp, Medizin-Nobelpreisträger von 1993. Die Post zitiert Roberts:

“We’re Scientists. We understand the logic of science. It’s easy to see what Greenpeace is doing is damaging and is anti-science. (…) Greenpeace initially, and then some of their allies, deliberately went out of their way to scare people. It was a way for them to raise money for their cause.”

Bereits im Jahr 2012 hat Richard Roberts ein ähnliches Projekt initiiert. Damals sammelte er Unterstützung für Liu Xiaobo, Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger von 2010, der seit 2008 von der Chinesischen Regierung festgehalten wird. Auf der Website des Projekts kann sich übrigens jeder eintragen, der den Aufruf gegen Greenpeace unterstützen möchte. Bis heute am frühen Nachmittag sind bereits mehr als 500 Namen zusammengekommen.

Der weiße Rabe

Der weiße Rabe

Bei neuen Technologien wird häufig nach der Sicherheit gefragt: Wie sicher ist die Anwendung für Mensch, Tier und Umwelt? Welche Risiken bestehen jetzt, mittelfristig und auf lange Sicht? Viele Aspekte sind zu berücksichtigen: Gesundheit, Umweltwirkungen wie Reinhaltung von Luft, Gewässern und Boden, Artenvielfalt in Flora und Fauna, Klimawandel, Nachhaltigkeit.

Dabei gibt es ein grundsätzliches Problem: Letztlich kann die Unbedenklichkeit einer Technologie nie erschöpfend bewiesen werden. Der Philosoph Karl R. Popper hat dies mit einem berühmten Beispiel illustriert: Die Aussage „Alle Raben sind schwarz“ lässt sich nicht beweisen. Dazu müsste man die ganze Welt bis in den letzten Winkel nach möglichen nicht-schwarzen, z.B. weißen Raben absuchen. Das ist praktisch unmöglich. Ein Forscher kann sich auch nie sicher sein, nicht doch den einen weißen Raben übersehen zu haben. Die Aussage „Alle Raben sind schwarz“ lässt sich also nicht verifizieren. Sie lässt sich aber falsifizieren, das heißt, ich kann sie widerlegen, indem ich die Existenz eines weißen Rabens nachweise.

Daraus folgert Popper als Grundregel für die Wissenschaft, dass sie ihre Erkenntnisse in falsifizierbaren Aussagen formulieren muss. Wissenschaft ist ein Prozess von Versuch und Irrtum („Trial and Error“): Forscher formulieren aufgrund von Evidenz ihre Hypothesen und diese gelten solange, bis sie empirisch widerlegt werden.

Es gibt zum Beispiel bis heute keinen Nachweis, dass der Einsatz von Mikrowellen oder die permanente Aussetzung von Mobilfunkstrahlung völlig unbedenklich ist. Beide Technologien wurden zur gleichen Zeit kommerzialisiert wie die Grüne Gentechnik – etwa Mitte der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Mikrowelle und Mobilfunk sind etabliert und akzeptiert – bei der Grünen Gentechnik werden von NGOs und Öko-Parteien nach wie vor Sicherheitsbedenken angeführt. Grundsätzlich geht das aber bei jeder Technologie: Überall könnte sich ein weißer Rabe verstecken, ausschließen lässt sich seine Existenz nie. Eine Risikoabschätzung ist immer nur eine durch Evidenz gestützte Annäherung an die Wahrheit – nicht mehr und nicht weniger.

Die typische Journalistenfrage „Können Sie ausschließen, dass …?“ ist daher auch nur ein rhetorischer Taschenspielertrick. Niemand kann auf so eine Frage ehrlicherweise und ohne Einschränkung mit „Ja“ antworten. Ob eine Gesellschaft eine Technologie akzeptiert, ist somit keine Frage der Sicherheit sondern des offensichtlichen Nutzens. Wichtig ist hier das Wort „offensichtlich“, denn auch für die Grüne Gentechnik lässt sich in der Landwirtschaft durchaus ein möglicher Nutzen ausmachen, wie die Einsparung von Insektiziden durch Bt-Mais oder die Einsparung von tonnenweise Fungiziden durch Krautfäule-resistente Kartoffeln. Dieser Nutzen ist aber bislang nur Praktikern und Wissenschaftlern evident. Und NGOs, Ökopolitiker und Bioverbände („Big Green“) arbeiten täglich mit Angst-Propaganda daran, dass das so bleibt.

 

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Bildnachweis: Mike Yip. Weitere tolle Aufnahmen von weißen Raben finden sich auf seiner Website unter http://vancouverislandbirds.com/Journal255.html und http://www.vancouverislandbirds.com/Journal353.html