Die Gen-Blume in Deinem Garten

Die Gen-Blume in Deinem Garten

Die Finnische Kontrollbehörde Evira hat in dieser Woche die Entdeckung gentechnisch veränderter Petunien gemeldet:

Die Pflanzen waren durch ihren besonderen Orange-Ton aufgefallen, den es natürlicherweise bei Petunien nicht gibt. Die Behörde meldet, dass sie bei den folgenden Sorten eine gentechnische Veränderung gefunden hat: African Sunset, Pegasus Orange Morn, Pegasus Orange, Pegasus Table Orange, Potunia Plus Papay, Go!Tunia Orange, Bonnie Orange, Sanguna Patio Salmon und Sanguna Salmon. Auch deutsche Behörden wurden daraufhin tätig. Das NRW-Umweltministerium suchte umgehend verschiedene Zuchtunternehmen auf, um Nachforschungen an- sowie Pflanzenmaterial sicherzustellen und meldete gestern:

“Nach der Feststellung, dass gentechnisch veränderte Pflanzen aus NRW in den Verkehr gebracht wurden, hat das Umweltministerium die Vernichtung bestimmter Produktlinien veranlasst.

Konkret handelt es sich dabei um folgende Produktlinien:

Pegasus Orange Morn (Produktname beim Züchter: Salmon Ray)
Pegasus Orange (Produktname beim Züchter: Bingo Mandarin)
Pegasus Table Orange (Produktname beim Züchter: Bingo Orange)”

Eine kurze Google-Recherche zeigt, dass die Sorten bereits länger im Handel sind. So wird in einer Publikation über eine Gartenpflanzenausstellung in 2011 die Sorte Bingo Orange als Neuheit erwähnt:

“Die durch kompakten Wuchs und sehr frühen Blühbeginn gekennzeichnete Petunienserie Bingo wird mit ‘Bingo Orange’ ergänzt. „Neben der besonde-
ren Farbe“ – so stellte Westhoff heraus – „wurde auf die guten Wuchseigenschaf-
ten geachtet.“”

Der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau gefiel die Sorte Salmon Ray besonders gut. In einem Bericht über den Versuchsanbau 2014 steht:

“Danziger aus Israel ergänzt die bewährte ‘Ray’-Serie der halbaufrecht bis kugelig wachsenden Petunien (“Patio-Typ”) mit einer ungewöhnlichen Farbsorte für die mittelgroßen Blüten: Lachsorange mit weißer Mitte. Die leuchtende Farbsorte stach bereits zu Ende der Anzuchtphase aufgrund ihres ungewöhnlichen Farbtons und des sehr homogenen Pflanzenaufbaus unter den vielen Petunien-Sorten hervor.”

Die Petunie African Sunset war 2014 in den USA AAS-Gewinner in der Kategorie “Beetpflanzen”. In der Beurteilung heißt es:

“African Sunset wowed the judges with an attractive, “designer color” in shades of orange flowers that proved itself against other similarly colored petunias currently available. Gardeners are always looking for a petunia that grows evenly and uniformly in the garden while producing a prolific number of blooms all season-long and this beauty certainly fills that need.”

Der Vertrieb und Anbau nicht zugelassener gentechnisch veränderter Pflanzensorten ist bei uns verboten. Deshalb werden diese Sorten jetzt alle aus dem Handel genommen und vernichtet. Es ist egal, dass sie sich bewährt haben, und es ist auch egal, dass von ihnen keinerlei Gefahr ausgeht. Und es ist egal, dass sie wahrscheinlich jahrelang in unseren Gärten und Balkonkästen, in Grünanlagen und Parks gewachsen sind, ohne dass irgendetwas Relevantes vorgefallen wäre. Schade eigentlich.

Summ, summ, summ …

Summ, summ, summ …

Gleich zu Jahresbeginn überrascht uns diese Schlagzeile: “Bienen in der Stadt produzieren doppelt so viel Honig wie auf den Land”. Die tagesschau schreibt:

“Glaubt man einer Studie der Freien Universität Berlin fühlen sich Bienen in der Stadt wohler als gedacht: Laut den Wissenschaftlern sind die Honigerträge zwischen Beton und Balkonbepflanzung gar doppelt so hoch wie auf dem Land.”

In dem Teaser steckt gleich der erste Fehler: Die Studie, um die es geht, ist keine offizielle Studie der Universität Berlin, die etwa in einer wissenschaftlichen Publikation erschienen wäre, sondern eine Arbeit zweier Uni-Mitarbeiter im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Monika Krahnstöver ist Doktorandin und Imkermeister Dr. Benedikt Polaczek ist technischer Angestellter an der Freien Universität Berlin.

Der Bericht in den tagesthemen erweckt den Anschein, dass die Autoren selbst empirische Untersuchungen vorgenommen hätten. Es heißt:

“Die Bienen produzieren hier in Berlin fast doppelt so viel Honig wie ihre Artgenossen auf dem Land, die dort kaum noch Blüten finden.”

Das ist aber nicht der Fall: Das von den Grünen vorgelegte Papier bezieht sich nicht auf eigene Untersuchungen, sondern ist eine reine Literaturstudie, das heißt, es wurden lediglich Studien und Artikel gesichtet und eingeordnet.

Die Schlussfolgerung der Rundfunk-Journalistin Iris Marx, die für den Beitrag verantwortlich zeichnet, lautet:

“In der Konsequenz heißt das: Der Bienenbestand auf dem Land ist extrem gefährdet, weil dort zu einseitig angebaut wird und es zu viele Pestizide gibt. Ohne die Bienen aber gerät das Ökosystem aus den Fugen. Ein weiterer Rückgang wäre fatal.”

Nun kommt Bärbel Höhn, Bundestagsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, zu Wort:

“Viele von ihnen sind auf der Roten Liste. Also, wir sehen in anderen Ländern wie den USA oder in China, dass teilweise per Hand Apfelbäume bestäubt werden. Das wollen wir hier nicht haben. Wir müssen zu einer anderen Landwirtschaft kommen.”

Hier wird einiges vermischt: Nämlich die Bestände von Wild- und Honigbienen. Honigbienen gibt es auf dem Land nach wie vor deutlich mehr als in der Stadt. Das belegen die Zahlen der Imkerverbände.

Zu Wildbienen hat sich die Studie nicht konkret festgelegt, sondern stellt nur eine Vermutung auf (S. 3):

“Forschungsergebnisse legen nahe, dass vegetationsreiche Städte für Honigbienen
geeignetere Standorte darstellen als Gebiete mit intensiver Landwirtschaft. Eine derartige Beurteilung lässt sich aufgrund der fehlenden Datengrundlage für Wildbienen nicht treffen. Jedoch werden diese vermutlich durch dieselben Faktoren beeinflusst, welche eine Leistungsschwächung der Honigbienen an landwirtschaftlichen Standorten hervorrufen.”

Es werden für seltene Wildbienen sogar Nachteile gesehen (S. 8):

“Dabei wurde jedoch für gefährdete Wildbienen ein negativer Trend in der Stadt Berlin erfasst, da im Jahr 2005 8% weniger dieser Arten gezählt wurden als im Jahr 1997 (Saure, 2005). Ob die Daten der Großstädte auf alle Siedlungsgebiete übertragen werden können ist fraglich.”

Auch die Zunahme der Haltung von Honigbienen in der Stadt wird problematisch gesehen (S. 3):

“Jedoch birgt die zunehmende Entwicklung der Honigbienenhaltung in der Stadt ebenfalls Nachteile für die Honigbiene. Mit zunehmender Urbanisierung zeichnen sich Gesundheitsrisiken für die Honigbiene ab, welche unter anderem mit einer höheren Bienendichte, steigender Unerfahrenheit der Bienenhalter sowie erhöhtem Krankheitsaufkommen zu erklären sind.”

Noch einmal zurück zu der These mit den Honigerträgen: In der gesamten sogenannten Studie ist nicht spezifiziert, was mit “Stadt” und was mit “Land” eigentlich gemeint ist. Als Proseminararbeit braucht man sowas an der Uni nicht abgeben. Eine Begriffsbestimmung, was denn Gegenstand der Untersuchung ist, gehört eigentlich zu den Minimalanforderungen.

Stadt ist nicht Stadt und Land nicht Land: Weder kann man Stadtrand mit Stadtmitte vergleichen noch eine flurbereinigte Agrarlandschaft mit unseren Mittelgebirgsregionen. Diese Unschärfe spiegelt sich in folgender Formulierung wieder (S. 12):

“Genau wie sich für den Begriff Stadt unterschiedlich stark urbanisierte Räume definieren lassen, so wird unter Land einerseits der landwirtschaftlich genutzte, aber auch der naturbelassene Raum verstanden, welche sich beide ebenso in unterschiedlicher Ausprägung finden.”

Ich habe mir eine der genannten Quellen für die Honig-Behauptung angeschaut. Im Jahresbericht 2015 des Instituts für Bienenkunde Celle wird über einen Versuch berichtet, bei dem Völker auf drei verschiedenen Standorten beobachtet worden sind. Bei der Standortwahl wurden bewusst drei verschiedene Versorgungslagen für das Nektarsammeln ausgewählt. Das Institut für Bienenkunde schreibt:

“Die Landgruppe stand an landwirtschaftlichen Nutzflächen mit guter Pollen- und Nektarversorgung im Frühjahr und an Standorten mit schlechter Pollen – und Nektarversorgung im Sommer und Herbst, die Wandergruppe an blühenden Agrarflächen im Frühjahr, an Blühstandorten mit hoher Diversität im Sommer, beide mit guter Pollen- und Nektarversorgung, aber an landwirtschaftlich genutzten Flächen im Spätsommer / Herbst mit schlechter Pollen- und Nektarversorgung. Die Stadtgruppe hatte eine große Blühvielfalt mit guter Pollen- und Nektarversorgung über das gesamte Jahr zur Verfügung (Großstadt).”

Der Versuchsaufbau war von Anfang so gewählt, dass die Stadtgruppe die beste Versorgungslage hatte. So ist es keine Überraschung, dass eben diese Stadtgruppe auch am meisten Honigertrag einbrachte. Hier ein Zitat aus dem Bericht des Bieneninstituts:

“Die Mengen an gesammeltem Nektar und Pollen unterscheiden sich zwischen den Standorten, aber auch zwischen den Jahren erheblich. Im Durchschnitt wurden pro Volk und Jahr der Landgruppe 32 kg, Wandergruppe 41 kg und der Stadtgruppe 65 kg Honig geerntet. Am Agrarstandort herrschte in zwei von vier Sommern Nektarmangel.”

In der Studie der Grünen wird daraus (S. 16/17):

“Eine Untersuchung, die in Deutschland über vier Jahre durchgeführt wurde, ergab, dass in einer Großstadt durchschnittlich 65 kg Honig pro Volk geerntet werden konnten. Bei der verglichenen landwirtschaftlichen Nutzfläche waren es pro Volk nur 32 kg und in zwei von vier Sommern wurde ebenda ein Nektarmangel festgestellt (Von der Ohe et al., 2016a).”

Die obige Behauptung, dass die Bienen in der Stadt doppelt so viel Honig produzieren wie die in der Stadt bezieht sich also auf diese eine Quelle.

Die Grünen wissen natürlich sofort, wer schuld ist. Bärbel Höhn wird zitiert:

“… es ist doch absurd, dass unsere Bienen in städtischen Revieren deutlich mehr Honig sammeln, weil sie auf dem Land nicht mehr genug Blütennahrung finden und zudem von Pestiziden bedrängt werden!”

Man fand aber auch im Honig der Stadtgruppe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Das erklärt das Institut für Bienenkunde folgendermaßen:

“Der Ursprung der Rückstände in der Stadtgruppe resultierte teilweise aus ca. 4,5 km entfernten Rapsfeldern.”

Rapsfelder in 4,5 km Entfernung? So urban kann das Umfeld dann ja wohl nicht gewesen sein. Leider konnte ich bislang keine genaueren Angaben über die Standorte der drei Versuchsgruppen herausfinden. Aber hier von einer typischen Großstadt auszugehen, wenn in Flugweite Rapsfelder sind, ist abwegig.

Die Studie widerspricht sich an mehreren Stellen. So wird einerseits der Honigertrag als der entscheidende Vitalitätsparameter angesehen (S. 16):

“Die Menge von Nektar und Pollen im Bienenstock entspricht der Sammelleistung von Honigbienen. Diese messbare Leistung kann als Vitalitätsparameter angesehen werden, weswegen eine hohe Sammelleistung für einen gesunden Zustand der Bienen sprechen würde.”

Andererseits muss zugestanden werden, dass Stadtbienen verstärkt Gesundheitsprobleme durch Krankheiten und Parasiten haben (S. 19/20):

“Innerhalb des Untersuchungszeitraumes einer Studie über die gefährliche Bienenkrankheit Amerikanische Faulbrut wiesen die Stadtstaaten Berlin und Hamburg den höchsten Anteil von Völkern mit dieser Erkrankung auf (Koithan, 2002). Bei zunehmender Urbanisierung unterliegen Honigbienen einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Krankheitsübertragung. Zudem sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit von Arbeiterinnen der Honigbienen erheblich (Youngsteadt, Appler, López-Uribe, Tarpy & Frank, 2015).
Eine weitere Erkrankung der Honigbiene ist der starke Befall mit Varroa-Milben. Sie schwächt die Bienenvölker und überträgt Krankheitserreger (Dettli, 2009). Der Befall der Varroa-Milbe kann mit den Zahlen der Winterverluste korrelieren (DeBiMo, 2015). Die Analyse der Winterverluste von Honigbienen zum Jahreswechsel 2016 ergab einen durchschnittlichen Verlust von 8,6% in Deutschland. Jeweils bezogen auf die Fläche hatten die Regionen Rheinland-Pfalz, Berlin, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg Verluste über dem Bundesdurchschnitt. Die Reihenfolge der Aufzählung entspricht dem Anstieg der Verluste und ist in Hamburg mit 13,8% am höchsten (Deutscher Imkerbund e.V., 2016).”

Die Schlagzeile der Grünen fußt somit einzig und allein auf dieser einen Untersuchung aus Celle, die eigentlich illustrieren sollte, wie wichtig die Versorgungslage für Bienen ist. Dieser Umstand ist jedoch trivial. Nicht umsonst gibt es diese Blühstreifen- und Blühflächen-Programme für Landwirte, eben damit nach der Rapsblüte auch in der Agrarlandschaft entsprechend Nahrung für bestäubende Insekten zur Verfügung steht. Ebenso wenig überraschend fällt die eigentliche Konklusion der Auftragsarbeit aus (S. 28/29):

“Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass viele Faktoren die Gesundheit der Bienen beeinflussen und dass für eine abschließende Beurteilung Forschungsbedarf besteht. Aufgrund der geringen Datenlage wäre es eine unverhältnismäßige Aussage, dass Honigbienen in jeder Stadt Deutschlands gesünder leben als in agrarindustriell geprägten Räumen. Die vorliegenden Daten lassen jedoch den Schluss zu, dass vegetationsreiche Städte im Vergleich zu intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten Vorteile für die Gesundheit von Honigbienen bieten können.
Für Wildbienen kann aufgrund der Vielfältigkeit ihrer Ansprüche keine pauschale Aussage für alle Arten formuliert werden. In Deutschland sind Bestäubungsmängel offensichtlich, sodass insgesamt nicht von einem gesunden Zustand der Bienengemeinschaft ausgegangen werden kann.”

Mein Fazit: Die von den Grünen praktizierte Pauschalverurteilung der konventionellen Landwirtschaft nützt niemandem etwas – am wenigsten den Bienen, zumal auch im Ökolandbau Insektizide wie Spinosad eingesetzt werden, die als bienengefährlich eingestuft sind. Im Grunde kann jeder etwas dafür tun, dass Bestäuber genug Nahrung finden, indem etwa bei der Gartengestaltung einfach ein wenig auf die Pflanzenauswahl geachtet wird. Kommunen können bei der Planung öffentlicher Anlagen gerade auch mit blühenden Gehölzen und Bäumen viel bewegen. Landwirte kann man schulen, wie zum Beispiel durch die Auswahl des geeigneten Spritzzeitpunkts Bienen geschont werden können. Auch beim Saatgut für Sonnenblumen, Blühmischungen und Zwischenfrüchte gibt es sicher noch Verbesserungsspielräume. Und wenn man schon etwas verbieten will, dann bitteschön Kiesbeete 😉

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Basilikum ist krebserregend

Basilikum ist krebserregend

Basilikum ist krebserregend. Wer hätte das gedacht? Aber nun mal langsam: Wie komme ich zu dieser Aussage? Es ist so: Basilikum enthält Estragol, eine Substanz, die auch unter den Namen “Methylchavicol”, “1-Methoxy-4-allylbenzol”, “4-Allylanisol” oder “1-Methoxy-4-(2-propenyl)-benzol” geführt wird und sich im Tierversuch als krebserregend herausgestellt hat.

Das Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), der Vorgänger vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), schreibt dazu in einem Hintergrundpapier von 2002:

“Die Pflanzeninhaltsstoffe Estragol und Methyleugenol zeigen im Tierversuch cancerogene Wirkungen und in In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen genotoxische Effekte, wobei die Datenlage für eine endgültige wissenschaftliche Bewertung unzureichend ist. Epidemiologische Untersuchungen am Menschen zur Wirkung dieser Stoffe liegen nicht vor.”

Estragol und Methyleugenol kommen in vielen Gewürzpflanzen vor, neben Basilikum auch in Estragon, Lorbeer, Nelken, Anis, Muskatnuss und -blüte sowie Zitronengras. In Spuren findet man Methyleugenol auch in Bananen oder Grapefuit.

In 2013 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Methyleugenol bewertet und als “möglicherweise krebserregend” (Gruppe 2B) eingestuft. Dabei sah die Agentur es als erwiesen an, dass die Substanz im Tierversuch Krebs erzeugt:

“There is sufficient evidence in experimental animals for the carcinogenicity of methyleugenol.”

Eine andere Klassifizierung war allerdings nicht möglich, weil es keine Daten gibt, ob die Substanz beim Menschen Krebs erzeugt. Estragol hat die IARC noch nicht bewertet. Allerdings hat der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (engl.: “Scientific Committee on Food”), die Vorgängerinstitution der heutigen EFSA, in 2001 eine Bewertung vorgenommen:

Conclusion

Estragole has been demonstrated to be genotoxic and carcinogenic. Therefore the existence of a threshold cannot be assumed and the Committee could not establish a safe exposure limit. Consequently, reductions in exposure and restrictions in use levels are indicated.”

Die Experten können also nicht sagen, welche Aufnahmemengen der Substanz Estragol sicher sind, und raten daher, die Exposition möglichst gering zu halten.

Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel, der Präsident des BfR, setzt in seinen Vorträgen den Konsum eines halben Blattes Basilikum gleich mit dem Konsum von zwei Zigaretten:

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Ein halbes Blatt Basilikum so risikoreich wie 2 Zigaretten? Arrivederci Pesto!

Wer hätte das gedacht? Frische Kräuter haben in der öffentlichen Wahrnehmung doch ein ganz anderes Image. Und so Tomaten-Mozzarella-Salat mit frischem Basilikum ist doch irgendwie todschick …

Brennnesseln – die Raupenweide

Brennnesseln – die Raupenweide

Insektenhotels gehören inzwischen zum guten Ton in jedem naturnahen Garten, Bienenweiden sowieso. Beides hat auch einen gewissen dekorativen Wert für den Gärtner. Dabei wird häufig vergessen, dass nicht nur die erwachsenen Endstufen von Insekten Nahrung brauchen, sondern auch die Larven. Schmetterlingsraupen etwa fressen gerne Brennnesseln. Saatgutmischungen für bienenfreundliche Blumenwiesen wird man aber wohl kaum Brennnesselsamen beimengen. Die Pflanze gilt im Garten als unattraktiv, als ultimatives Unkraut per se. Wer sich über Schmetterlinge freut, sollte diese Haltung überdenken.

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Tagpfauenaugen, Kleiner Fuchs und Landkärtchen sind auf Brennnesseln angewiesen, sie sind monophag. Das Portal floraweb.de, betrieben vom Bundesamt für Naturschutzlistet 36 heimische Schmetterlingsarten auf, die die Große Brennnesseln als Futterpflanze nutzen, sieben davon sind monophag, können also nicht auf andere Pflanzen ausweichen. Der Schmetterlingsflieder ist somit schon mal ein guter Anfang, aber nicht genug, um den farbenfrohen Tieren eine Heimat zu bieten. Eventuell findet sich ja ein Eckchen auf dem Grundstück, wo die Brennnesseln niemanden stören.

Unkraut abflämmen – harmlose Alternative?

Unkraut abflämmen – harmlose Alternative?
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Quelle: Waldeckische Landeszeitung

Heute stand es wieder in der Zeitung: Ein Gärtner hat aus Versehen beinahe einen Hausbrand verursacht, als er Unkraut mit der offenen Gasflamme beseitigen wollte. Das Abflämmen von Unkraut wird gerne als chemiefreie Alternative zur Unkrautbeseitigung empfohlen. Doch heißt “chemiefrei” automatisch “ohne Risiko”? Wohl kaum! Ich habe mal Google bemüht und hier ein paar Meldungen aus den letzten Wochen zusammengestellt. Diese Auswahl ist rein zufällig und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

 

 

13.07.2016, Dorsten (NRW): “Gärtner verletzt. Heckenbrand drohte auf Gebäude überzugreifen”

12.07.2016, Stockstadt (Hessen): “GEFÄHRLICHE GARTENARBEIT: beinahe Nachbarhaus angezündet”

08.07.2016, Burladingen (Baden-Württemberg): “Nicht nur Unkraut in Brand gesetzt”

06.07.2016, Burbach (NRW): “Statt Unkraut fast ganzes Haus abgefackelt” 

28.06.2016, Worms (Rheinland-Pfalz): “Hecke abgebrannt”

23.06.2016, Hullern (NRW): “Beim Flämmen verletzt. Feuerwehr rückte zu Einsatz nach Hullern aus”

05.06.2016, (Höver, Niedersachsen): “Abflämmgerät setzt Nadelbaum in Brand”

03.06.2016, Werne (NRW): “Abbrennen von Unkraut führt zu großem Feuerwehraufgebot – “Nur” Gartenlaube brannte”

21.05.2016 Steinfurt (NRW): “Heckenbrand breitet sich auf zwei Dachstühle aus.
Feuer macht zwei Häuser unbewohnbar”, “Heckenbrand breitet sich auf Wohnhaus aus”

20.05.2016, Höxter (NRW): “Bei Heckenbrand Rauchvergiftung zugezogen”

11.05.2016, Bad Salzlufen (NRW): “Gärtner will Unkraut entfernen und fackelt Haus ab”, “200 000 EURO SCHADEN AM HAUS. Der Gärtner wollte nur Unkraut vernichten”, “Unkraut jäten führt zu Hausbrand”

11.05.2016, Minden (NRW): “MEHR ALS 100 000 EURO SCHADEN. Schon wieder Brände, weil Unkraut abgefackelt wurde”, “Dachstuhlbrand nach Abbrennen von Unkraut”

07.05.2016, Nordhorn (NRW): “Hecke fängt beim Abflämmen von Unkraut Feuer”

14.04.2016, Offenburg (Baden-Württemberg): “Offenburger Gärtner fackelt beim Unkrautjäten seine Hecke ab”

09.04.2016, Haunetal (Hessen): “3 PFERDE TOT. Hof beim Frühjahrsputz abgefackelt”, “Unkraut abgeflämmt, Turnierpferde tot”

Das Problem scheint zu sein, dass die Gasflamme Hecken und Sträucher in Brand setzt und die Flammen dann auf in der Nähe stehende Gebäude übergreifen. Bei trockener Witterung kann das sehr schnell gehen. Die Schäden, die sich hier so über das Jahr summieren, sind immens. In Frankreich ist in 2015 bei Abflämmarbeiten gleich eine ganze Veranstaltungshalle abgebrannt. Nicht auszudenken, wenn hier mal Personen ernsthaft zu Schaden kommen. Politiker bemühen doch sonst unentwegt das Vorsorgeprinzip. Wenn sie Abflämmen als Alternative zum Einsatz von Chemie empfehlen, sollten sie dann zumindest nicht vor den Gefahren warnen? Allein der Hinweis, wie er jedes Jahr zur Weihnachtszeit verbreitet wird, einen Eimer Löschwasser bereitzustellen, würde viel Leid verhindern.

Priska Hinz, Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ließ Ende Juni 2015 verlautbaren, dass in Hessen künftig Anwendungen mit Glyphosat-haltigen Präparaten nicht mehr genehmigt werden sollen:

“„Es gibt noch zu viele Freilandflächen, auf denen dieser Wirkstoff angewandt wird. Hier müssen Alternativen, wie das mechanische oder thermische Bearbeiten der Flächen zum Einsatz kommen“, so Ministerin Hinz. Insbesondere in der Beratung muss darauf sehr deutlich hingewiesen werden. In Hessen werden wir solche Anwendungen, soweit rechtlich möglich, künftig nicht mehr zulassen“.”

Ob es eine Stelle im Ministerium gibt, die sich mit der Erlassfolgenabschätzung beschäftigt?

 

 

Pflasterreiniger als Alternative?

Pflasterreiniger als Alternative?

Der Regen in den letzten Tagen lässt bei den milden Temperaturen auch das Unkraut sprießen. Besonders lästig sind die Beikräuter auf versiegelten Flächen, weil dort das Jäten sehr mühsam ist und nicht einfach durchgehackt werden kann.

Aber dem Hobbygärtner kann geholfen werden, denn es gibt interessante Reinigungsprodukte, die das Unkraut gleich mit wegputzen. Das hier habe ich jetzt im Landhandel entdeckt: Ein Bio-Außen-Reiniger für Gehwege, Terrassen und Hofflächen.

Im Sicherheitsdatenblatt  steht unter dem Punkt “Akute Toxizität” der Hinweis “Keine Daten vorhanden”. Auf der Website des Herstellers Hotrega finde ich eine Rezepturinfo mit der Angabe, was drin ist: “Nonan Acid” ist Pelargonsäure, also ein Wirkstoff, der auch in Pflanzenschutz-Präparaten Anwendung findet.

Im Pressetext des Herstellers heißt es:

“Mit dem Bio-Außenreiniger bietet HOTREGA® einen für die Umwelt sowie für Haustiere gefahrlosen und doch sehr effektiven Reiniger an, der leicht anzuwenden ist und zudem nachhaltig vor Neuverschmutzung schützt.”

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Quelle: Ausschnitt aus dem Produktdatenblatt

Auf der Verpackung steht als Wink mit dem Zaunpfahl, dass das Präparat nicht auf Pflanzen anzuwenden sei, weil diese dann absterben. Aha, so macht man das: Man verkauft das Zeug schlichtweg als Reiniger. Wollen wir wetten, dass die Zulassungsanforderungen dann ganz andere sind? Bei Pflanzenschutzmitteln muss jede einzelne Formulierung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zugelassen werden. Bei sogenannten Detergenzien ist das nicht der Fall. Auch die Abgabebedingungen sind andere: Die Anwendung von Herbiziden auf versiegelten Flächen ist nur noch nach Genehmigung erlaubt. Die Abgabe im Handel muss nach eingehender Fachberatung erfolgen, deswegen sind Pflanzenschutzmittel im Baumarkt auch nicht frei zugänglich. Da herrscht keine Selbstbedienung! Für Reiniger gilt das natürlich nicht.

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Ein findiger ebay-Händler bietet den Reiniger in der Kategorie “Unkrautvernichter” an.

Aber ist das Produkt wirklich so harmlos? Der Werbetext “Schützt vor Neuverschmutzung” ist zumindest sehr treffend: Auf dem versauerten Boden wächst so schnell nichts mehr. Die EFSA vermutet zudem, dass Pelargonsäure Regenwürmer schädigt:

“A low risk to birds, mammals and sewage treatment organisms was concluded. A risk was identified for earthworms and in-field populations of non-target arthropods.”

Zur Frage, ob Pelargonsäure Krebs erregt, steht in dem EFSA-Papier, dass dazu schlichtweg keine Daten vorhanden sind. Und wo keine Daten vorhanden sind, nimmt die IARC auch keine Einordnung vor. Aber die Hobbygärtner können ja jetzt Versuchskaninchen spielen.