Da ist der Wurm drin

Da ist der Wurm drin

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland postete jetzt einen verwegenen Vergleich auf Twitter: Auf Öko-Äckern würden 450 Regenwürmer je Quadratmeter leben, während auf “Intensiv bewirtschafteten Äckern” – was auch immer das heißt – nur 30 Regenwürmer pro Quadratmeter zu finden seien:

Auf Facebook verwendet der WWF ebenfalls diese GIF-Animation und versieht die Bildchen-Folge mit folgender Botschaft:

“Pro m² leben auf intensiv bewirtschafteten Äckern nur 30 Regenwürmer. Auf Öko-Äckern bis zu 450! Schwere Maschinen, synthetischer Dünger und Pestizide machen ihnen zu schaffen und setzen dem Boden zu. Der Boden verliert seine Kraft und die Erträge sinken. Helft den Würmern!”

Woher holt der WWF diese Aussage und vor allem woher diese Zahlen? Im Kommentarbereich auf Facebook verweist die Organisation auf ihr Regenwurm-Manifest. Dort finden sich die Zahlen wieder (S. 5):

“Die Zahl der Regenwürmer in Äckern ist je nach deren Bewirtschaftung sehr unterschiedlich: Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz haben maximal 30 Tiere pro Quadratmeter. Ein durchschnittlicher Boden in der noch relativ kleinstrukturierten Landwirtschaft Süddeutschlands enthält rund 120. Und auf den Äckern von Sepp Braun, dem bekannten bayerischen „Regenwurm-Bauern“, wurden im Ackerboden 450 Würmer pro Quadratmeter gefunden (Spitzenwerte sogar bis 600), mit einem großen Anteil der tiefgrabenden Art „Tauwurm“.”

Folgt der Leser dann der Fußnote am Ende des Absatzes, gelangt er zu folgender Quellenangabe:

“Bestandserhebungen der LfL Bayern, Angaben aus Ehrmann (2015) und mündlich von Sepp Braun (Freising).”

Die Rekordwerte sind also nur mündlich überliefert, das ist freilich ernüchternd, um nicht zu sagen: Es erinnert an dicke Kartoffeln. Wie Bauer Braun seine Tiere gezählt hat, geht aus den Angaben auch nicht hervor. Dabei gibt es dafür standardisierte Verfahren, damit die Werte auch vergleichbar sind. Wo der Wert “30 Tiere pro Quadratmeter” für “Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz” herkommt, lässt sich anhand der Quellenangaben nicht ermitteln. Die Angaben in Ehrmann 2015 sind größtenteils in der Einheit “g/Quadratmeter” für Regenwurm-Biomasse verfasst, die Zahl der Individuen ist meistens gar nicht angegeben.

Dass der WWF hier einen “Bio=gut und intensiv/Nicht-Bio/konventionell=schlecht”-Gegensatz aufbaut, ist insofern unsachlich, weil Bio oder Nicht-Bio für Regenwürmer nicht ausschlaggebend ist. Damit Regenwürmer im Ackerboden gute Lebensbedingungen vorfinden, sind nach Ehrmann 2015 an erster Stelle folgende Dinge wichtig:

• Schonende Bodenbearbeitung oder Verzicht auf Bodenbearbeitung

• Verfügbarkeit von Nahrung (Pflanzenmaterial)

Beide Aspekte werden im Ackerbau vor allem bei Direktsaatsystemen berücksichtigt und das schlägt sich direkt in der Regenwurmmenge nieder:

ehrmann.png
Quelle: Ehrmann 2015, S. 22 (S. 146)

Leider wird gerade im Ökolandbau auf den Pflug und andere mechanische Verfahren zur Beikräuter-Regulierung zurückgegriffen. Für die Regenwürmer ist das Gift.

Nach den beiden oben genannten Aspekten erwähnt der “bekannte Regenwurmforscher Otto Erdmann” (Zitat WWF) noch Pflanzenschutzmittel, Bodenverdichtung, Fruchtfolge und Landschaftsstruktur. Bei den Pflanzenschutzmitteln gilt vor allem das auch im Ökolandbau eingesetzte Kupfer als schädlich für Regenwürmer. Das Mittel Cuprozin progress zum Beispiel ist im Bio-Landbau u.a. für die Behandlung von Mehltau bei Weinreben oder Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt im Abschnitt “Auflagen” über das Mittel:

“Das Mittel wird als schädigend für Regenwurmpopulationen eingestuft.”

Komisch, das Wort “Kupfer” kommt im Regenwurm-Manifest des WWF gar nicht vor. Dagegen darf natürlich der Buhmann der konventionellen Landwirtschaft nicht fehlen: Glyphosat. Es gibt eine Studie (Gaupp-Berghausen et al. 2015), die angeblich nachgewiesen hat, dass Glyphosat Regenwürmer schädige. Es gab von verschiedenen Seiten Kritik an der Methodik dieser Arbeit (siehe dazu die Links unter dem Artikel), der Hauptkritikpunkte aus meiner Sicht sind:

• Die Versuche wurden nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat durchgeführt, sondern mit einer Fertigmischung.

• Die Fertigmischung wurde während der Versuchsreihe geändert.

• Die Fertigmischung, bei der letztlich die negativen Ergebnisse auftauchten, enthielt das aggressive Kontaktherbizid Pelargonsäure.

• Die Fertigmischung wurde in unrealistisch hoher Aufwandmenge aufgebracht.

• In der Kontrollgruppe hätte ebenfalls die Vegetation entfernt werden müssen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Das Kontaktherbizid Pelargonsäure schädigt nachweislich Regenwürmer. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA schreibt in ihrer Risikobewertung zu Pelargonsäure (S. 2-3):

“For pelargonic acid, data gaps to address the following aspects of the ecotoxicological risk assessment were identified: aquatic organisms, bees, in-field populations of non-target arthropods, earthworms, soil microorganisms and non-target plants (seedling emergence). A low risk to birds, mammals and sewage treatment organisms was concluded. A risk was identified for earthworms and in-field populations of non-target arthropods.”

Kurzum: Ich bin gerne bereit, über Vor- und Nachteile verschiedener Anbauverfahren zu diskutieren – der WWF hatte ja auch auf unseren Offenen Brief an Ministerin Hendricks reagiert – aber bitte auf Basis von anerkannten wissenschaftlichen Methoden sowie ohne ideologische Scheuklappen und Rosinenpickerei.

 

Links zu Bodenbearbeitung und Regenwurmdichte:

Otto Ehrmann 2015: “Regenwürmer in den Böden Baden-Württembergs
– Vorkommen, Gefährdung und Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit”

Werner Jossi et al. 2011: “Reduzierte Bodenbearbeitung schont die Regenwürmer”

• Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Regenwurmhäufigkeit bei dauerhaft konservierender Bodenbearbeitung

“Direkt gesät”

 

Links zu Gaupp-Berghausen et al. 2015:

Glyphosat, die BOKU und der Regenwurm

• Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH: Stellungnahme zur Regenwurm-Studie der BOKU 

• Dead plants are probably bad for earthworms

EFSA: Peer Review of the pesticide risk assessment of the active substance fatty acids C7 to C18, EFSA Journal 2013;11(1):3023

 

Bildnachweis: Screenshot WWF

 

Wie Kalifornien vor Krebs warnt

Wie Kalifornien vor Krebs warnt

“Kalifornien warnt vor Glyphosat” titelt die Süddeutsche Zeitung. Redakteurin Silvia Liebrich führt aus:

“Der umstrittene Pflanzenvernichter wird dort als krebserregend eingestuft. Am 7. Juli soll er auf eine Liste mit Chemikalien gesetzt werden, deren krebserregende Wirkungen bekannt sind. Das teilte die Behörde für die Einschätzung umweltbedingter Gesundheitsgefahren mit.”

Andere Zeitungen erwecken in ihrer Berichterstattung den Anschein, als hätte hier eine neue Risikobewertung stattgefunden. So reiht Spiegel Online die Einordnung ein in die Reihe von Glyphosat-Bewertungen durch die internationale Krebsforschungsagentur der WHO (IARC), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA). Dabei hat die die zuständige Kalifornische Behörde, das California Environmental Protection Agency’s Office of Environmental Health Hazard Assessment (OEHHA), gar keine eigene Beurteilung vorgenommen. Die Faz schreibt gar von einer “schwarzen Liste”.

Worum geht es? Im September 2015 hatte das OEHHA angekündigt, Glyphosat auf die sogenannte Proposition-65-Liste zu setzen. Damit folgt die Behörde schlichtweg ihren Regeln, die vorsehen, eine Substanz auf dieser Liste aufzuführen, sobald die IARC feststellt, dass die Substanz im Tierversuch und/oder beim Menschen Krebs erzeugt. Die IARC hatte im März 2015 in ihrem Bericht festgestellt, dass Glyphosat im Tierversuch krebserregend sei. Somit muss das OEHHA den Herbizid-Wirkstoff  in die Proposition-65-Liste aufnehmen. Monsanto hatte dagegen geklagt, jedoch vor Gericht verloren. Obwohl Monsanto angekündigt hatte, Berufung einlegen zu wollen, meldete das OEHHA jetzt, Glyphosat zum 7. Juli 2017 in die Proposition-65-Liste aufzunehmen.

Die Konsequenz des Listeneintrags ist, dass Hersteller bzw. Verkäufer der Produkte, die gelistete Substanzen enthalten, Warnhinweise veröffentlichen müssen, und zwar direkt auf dem Produkt oder durch Hinweise an der Verkaufsstelle. Auf der Proposition-65-Liste stehen übrigens auch Stoffe wie Acrylamid, Aspirin, die Anti-Baby-Pille, Kaffeesäure, Ruß, Estragol (z.B. enthalten in Basilikum), Östrogene in Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden, Aloe Vera Extrakt, Testosteron, Tabakrauch, Holzstaub, Alkohol aber auch Vitamin A ab einer bestimmten Dosis. Bei alkoholischen Getränken muss der Warnhinweis folgende Sprachregelung enthalten:

“WARNING: Drinking Distilled Spirits, Beer, Coolers, Wine and Other Alcoholic Beverages May Increase Cancer Risk, and, During Pregnancy, Can Cause Birth Defects”

Da die Liste sehr umfangreich ist und nahezu überall Spuren von Substanzen zu finden sind, die im Tierversuch krebserregend sein können, finden wir in Kalifornien einen wahren Schilderwald mit Proposition-65-Warnhinweisen. In jedem Starbucks-Laden sowie in jeder McDonalds-Filiale in Kalifornien müssen Aufsteller vorhanden sein, auf denen vor Acrylamid gewarnt wird, das in Pommes und Kaffee enthalten ist. Beim Betreten von Disneyland, Parkplätzen und anderen Einrichtungen wird gewarnt. Beim Verkauf von Keramik und Brennholz muss – per Gesetz – ebenfalls gewarnt werden.

Auch Bio-Produkte sind zum Teil mit Warnhinweisen ausgestattet, weil sie von Natur aus Stoffe wie Arsen, Blei, Kadmium, Quecksilber oder Nickel enthalten. Das bringt die Hersteller oft in Erklärungsnot. So schreibt Now, ein Hersteller von Bio-Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln auf seiner Website:

“The listing of a chemical under Prop 65 could be the result of tests on laboratory animals. Prop 65 standards for warnings are often very stringent. For example, for reproductive toxicants, the level for warnings is 1000 times lower than the lowest level at which animal studies reported no reproductive health effect. A Prop 65 warning does not automatically mean that the product is unsafe.”

Eine Warnung nach Prosposition 65 auf der Packung bedeutet danach nicht, dass der Verzehr des Produktes wohlmöglich unsicher ist.

Die Süddeutsche schreibt:

“Kalifornien könnte damit der erste Staat in den USA werden, in dem das häufig verkaufte Mittel Roundup, das auf Glyphosat basiert, einen entsprechenden Warnhinweis zur krebserregenden Wirkung auf der Packung trägt.”

Tja, aber wirklich vom Hocker reißen würde das in Kalifornien wahrscheinlich niemanden.

 

Links:

• Proposition-65-Liste

What does warning label from California really mean?

 

 

Aus Platzgründen weggelassen

Aus Platzgründen weggelassen

Man stelle sich vor, es käme heraus, dass der Vorsitzende einer internationalen wissenschaftlichen Kommission bei der Bewertung einer Substanz nicht all sein Wissen einbringt, über das er verfügt. Die europäische Chemikalienagentur ECHA zum Beispiel hat kürzlich festgestellt, dass der Herbizid-Wirkstoff Glyphosat nicht krebserregend ist. Man stelle sich vor, es käme heraus, dass der Vorsitzende des ECHA-Gremiums bei einer breit angelegten Studie mitgewirkt hätte, deren Ergebnisse in Bezug auf Glyphosat noch nicht veröffentlicht worden sind. Da die Ergebnisse noch nicht in einem wissenschaftlichen Fachorgan publiziert worden sind, werden sie nach den Regeln des Gremiums nicht berücksichtigt. Der Vorsitzende kennt die Ergebnisse und hat an einer wissenschaftlichen Veröffentlichung der Studiendaten mitgewirkt. Irgendwann habe man entschieden, in dieser Veröffentlichung aus Platzgründen den Part zu Glyphosat wegzulassen, wird er später unter Eid angeben. Man stelle sich vor, der Wissenschaftler hätte aufgrund der unveröffentlichten Daten Kenntnis gehabt, dass es Hinweise gäbe, dass Glyphosat Krebs errege, und bringt das in seine Gremienarbeit nicht ein. Continue reading “Aus Platzgründen weggelassen”

Zweierlei Maß und ein paar Begriffe

Zweierlei Maß und ein paar Begriffe

Das Umweltbundesamt (UBA) schreibt in seiner jüngsten Pressemitteilung:

“Grund ist die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Über 27 Prozent der Grundwasserkörper überschreiten derzeit den Grenzwert von 50 mg/l.”

Diese Aussage ist so nicht ganz korrekt. Richtig müsste es heißen:

“Rund 27 Prozent der Grundwasserkörper sind derzeit aufgrund hoher Nitratgehalte in einem schlechten chemischen Zustand. An rund 18 Prozent der Grundwasser-Messstellen im Bundesgebiet wird der Nitrat-Grenzwert von 50 mg/l überschritten.”

Für die Einordnung “schlechter chemischer Zustand” nach den Kriterien der Wasserrahmenrichtlinie müssen nicht alle dazugehörigen Messstellen die Nitratwerte überschreiten, sondern nur ein Teil.

Neben der Zahl von 18 Prozent der Messstellen, die über dem Grenzwert liegen, wird auch oft eine zweite Zahl genannt, nämlich 28 Prozent. Das liegt daran, dass es zwei Nitrat-Messnetze gibt: ein repräsentatives Messnetz, das die Belastung im gesamten Bundesgebiet abbildet (EUA-Messnetz), sowie ein Netz von Messstellen, deren Nitratwerte durch die dortige landwirtschaftliche Praxis beeinflusst werden (EU-Nitratmessnetz). Nachzulesen ist das im Nitratbericht 2016. Dort (S. 44) wird das EUA-Messnetz eingeführt:

“Die Belastung des Grundwassers durch Nitrat lässt sich für die Bundesrepublik
Deutschland auf der Grundlage des neuen EUA-Messnetzes darstellen. Wie im
Kapitel 2.5.1 beschrieben, ist dieses Messnetz flächen- und nutzungsrepräsentativ
konzipiert, so dass es die Nitratverteilung im Grundwasser Deutschlands insgesamt repräsentativ abbildet.”

Das Messnetz umfasst 1215 Messstellen. In diesem Balkendiagramm (Quelle: Nitratbericht 2016) sind die Häufigkeitsverteilungen der mittleren Nitratgehalte der Zeiträume 2008-2011 und 2012–2014 an den Messstellen des EUA-Messnetzes abgebildet:

nitratsaeulen_viel.png

Das zweite Messnetz, das EU-Nitratmessnetz, wird im Nitratbericht (S. 39) folgendermaßen beschrieben:

“Die EG-Nitratrichtlinie 91/676/EWG (Artikel 5) fordert, dass bei der Auswahl der Messstellen ein Zusammenhang zwischen der Nitratbelastung der Gewässer und der landwirtschaftlichen Nutzung hergestellt werden kann. Daher werden für die Berichtserstattung aus dem EUA-Messnetz nur diejenigen Messstellen ausgewählt bzw. näher betrachtet, in deren Einzugsgebiet die Nutzungseinflüsse von

• Acker
• Grünland
• Sonderkulturen

auf die Grundwassermessstellen dominieren. Diese Messstellen wurden zu einem „Teilmessnetz Landwirtschaft“ zusammengefasst, nachfolgend als „EU-Nitratmessnetz“ bezeichnet.”

Das Messnetz umfasst 697 Messstellen. In diesem Balkendiagramm (Quelle: Nitratbericht 2016) sind die Häufigkeitsverteilungen der mittleren Nitratgehalte der Zeiträume 2008-2011 und 2012–2014 an den Messstellen des EU-Nitratmessnetzes abgebildet:

nitratsaeulen_lw.png

Das EU-Nitratmessnetz ist für den Zweck eingerichtet worden, der EU gegenüber die Fortschritte bei der Umsetzung der Nitratrichtlinie zu dokumentieren. Es ist nicht repräsentativ, sondern ein sogenanntes Belastungsmessnetz.

Dieses Messstellenkonzept wurde erst kürzlich neu konzipiert, dazu heißt es im Nitratbericht (S. 38):

“Infolge von Messstellenausfällen im Laufe der Jahre standen von diesen Messstellen für den Nitratbericht 2012 nur noch 162 Messstellen zur Verfügung. Die mittlere Messstellendichte in Deutschland lag damit erheblich niedriger als in den meisten anderen Mitgliedstaaten, wie auch die Kommission in ihrem Bericht über die Nitratberichterstattung 2012 festgestellt hat.”

Das alte Messstellenkonzept ist auch aus den Reihen der Landwirtschaft vielfach kritisiert worden, weil durch Auswahl und Zahl der Messstellen Deutschland im EU-Nitrat-Ranking schlechter dastand, als dies eigentlich der Fall war.

Nitrat und Landwirtschaft

“An den hohen Nitratwerten im Grundwasser ist nur die Gülle schuld”, titeln die Gazetten landauf landab derzeit. Das stimmt so auch nicht. Unter der Webadresse geoportal.de kann man die folgende Karte abrufen:

geoportal-de-karte_nitrat

Rot dargestellt sind die Grundwasserkörper, die sich in einem schlechten chemischen Zustand befinden. Orange zeigt an, wo sich intensive Viehhaltung befindet. Damit wird klar: Intensive Viehhaltung ist weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung für eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers. Das bedeutet: Es ist nicht der Fall, dass dort, wo viele Tiere auf der Fläche gehalten werden, immer das Grundwasser belastet ist. Und: Es ist auch nicht der Fall, dass dort, wo das Grundwasser belastet ist, immer viele Tiere auf der Fläche gehalten werden. Das muss auch das UBA einräumen:

“Einige Regionen in Deutschland weisen trotz hoher Viehdichte keine erhöhten Nitratgehalte auf. Grund dafür können einerseits hohe Niederschläge und anderseits natürliche Denitrifikationsprozesse sein.”

Der Ausdruck “natürliche Denitrifikationsprozesse” meint, dass Nitrat durch bestimmte Substanzen im Boden gebunden wird. Damit kann es aber ganz schnell vorbei sein, warnt das UBA:

“Bei diesen Prozessen werden allerdings bestimmte Chemikalien, mit denen das Nitrat reagiert und dadurch „unschädlich“ gemacht wird (sog. Reaktionspartner), verbraucht. Im Laufe der Zeit verringert sich also das Nitratabbaupotential immer weiter. Das kann so weit gehen, dass es innerhalb kurzer Zeit zu einem sprunghaften Anstieg der Nitratbelastung kommt (Nitratdurchbruch). “

Neben Tierhaltung wird häufig der Gemüseanbau als Ursache für Nitratbelastungen im Grundwasser genannt, weil der Düngebedarf in diesen Kulturen sehr hoch ist. Das UBA bleibt uns jedenfalls eine Erklärung, wie die anderen Nitratbelastungen entstehen, schuldig.

 

Links, linker, am linksten

Links, linker, am linksten

Anton Hofreiter wird landläufig dem linken Flügel seiner Partei Bündnis 90/Die Grünen zugeordnet. Wie links im deutschen Parteispektrum er und mit ihm seine Partei sich befinden, wird deutlich wenn man seine Position zum Bayer-Monsanto-Deal betrachtet. Am 28. April dieses Jahres hatte die Bayer AG ihre Hauptversammlung in Bonn abgehalten. Vor der Tür campierten rund 200 Demonstranten – darunter drei Grüne Bundestagsabgeordnete: Neben Anton Hofreiter auch Katharina Dröge und Renate Künast. Künast und Hofreiter hielten bei der Hauptversammlung eine Ansprache an die Aktionäre, hier das Video dazu von Hofreiters Facebook-Seite:

Die Hauptaussagen:

-Glyphosat ist umstritten, WHO sagt “wahrscheinlich krebserregend”

-Glyphosat gefährdet die Artenvielfalt

-Bayer riskiert guten Ruf und Glaubwürdigkeit durch die Fusion mit Monsanto

Dem Deutschlandfunk sagte Hofreiter in einem Interview am Tag der Hauptversammlung:

“An der Fusion zwischen Bayer und Monsanto wären erst mal in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht eine ganze Reihe von Punkten problematisch. Nämlich es würde noch eine stärkere Konzentration der Marktmacht im Bereich der Agroindustrie bedeuten. Es bleiben dann nur noch sehr, sehr wenige Konzerne übrig, wenn die beiden auch noch fusionieren. Es bedeutet noch mehr Druck auf die Landwirte. Es bedeutet noch eine stärkere Oligopolstellung. Es ist bereits jetzt so, dass Landwirte darüber klagen, unter welch massiven Druck sie insbesondere auch von Monsanto gesetzt werden.”

Hubertus Zdebel, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke, nahm wegen der laufenden Bundestagssitzung nicht am Protest in Bonn teil, hinterließ auf seiner Website aber ein Grußwort. Hier ein Auszug:

“Bayer und Monsanto stehen schon für sich genommen für die totale Durchkapitalisierung des globalen Agrarsektors. Ihnen geht es, wie bei jedem kapitalistischen Unternehmen, nicht um die Abschaffung von Hunger und Armut, sondern um Profite. Mit der Ausweitung von Gentechnik und der Patentierung von Pflanzensaaten geraten immer mehr Kleinproduzenten in Abhängigkeit von der Marktmacht der großen Konzerne. Für die Durchsetzung ihrer Profitziele schrecken Bayer und Monsanto vor so gut wie nichts zurück.”

Monsanto ist ein beliebtes Feindbild, vielleicht sogar das am meisten gehasste Unternehmen weltweit. Hier konzentriert sich die Globalkritik am Kapitalismus in einem Namen. Schauplatz des Systemkampfes ist zurzeit die Debatte um die Verlängerung der EU-Genehmigung für den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat, der vor rund 40 Jahren von Monsanto auf den Markt gebracht worden ist.

Das Portal Rote Fahne News zitiert aus dem Buch “Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?” von Stefan Engel, dem Mitbegründer und ehemaligen Parteivorsitzenden der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD):

“Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Es gilt als krebserregend, fruchtschädigend und kann zu Fehlgeburten und Missbildungen führen. Es schädigt im Wasser lebende Organismen und führt vermehrt zur Entwicklung resistenter Unkräuter. … Glyphosat ist heute weltweit allgegenwärtig. So lassen sich auch in Deutschland kaum noch Menschen finden, bei denen sich kein Glyphosat im Urin nachweisen ließe.”

Diese Aussagen dürften dem Kenner der Debatte bekannt vorkommen. Denn das steht so auch auf den Webseiten einschlägiger NGOs wie dem Umweltinstitut München e.V. oder dem BUND. Auf der Website der MLPD findet sich ebenfalls eine Stellungnahme gegen Glyphosat und Monsanto, und zwar in einem Gastbeitrag eines Frank Binder, laut Autorenzeile “Vorstandsmitglied der Umweltgewerkschaft”:

“Durch den Anbau von glyphosatresistenten Pflanzen hat sich der Einsatz von Glyphosat signifikant erhöht. Zahlreiche Organismen verlieren durch die Beseitigung der Wildkrautflora (im Volksmund Unkräuter genannt) Nahrungsquellen und Lebensräume.”

Das könnte auch ein Harald Ebner von den Grünen so gesagt haben, oder? Ebner, seines Zeichens Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Bundestagsfraktion, wird nicht müde, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu kritisieren, das bei der EU-Genehmigung von Glyphosat für die Risikobewertung zuständig ist. Der Informationsdienst Gentechnik schreibt:

“Der Grünen-Politiker Ebner warf dem BfR eine „Pfusch- und Verwirrungsstrategie“ vor. Noch im Agrarausschuss des Parlaments habe der Präsident der Behörde erklärt, Glyphosat sei nicht gefährlicher als Kochsalz oder Kaffee. Ebner forderte die Bundesregierung auf, aufzuklären, wie das BfR zu seinen Ergebnissen komme. Notfalls müsse es auch „personelle Konsequenzen“ geben, so der Abgeordnete.”

Das Portal “www.kommunisten.de – Das rote Nachrichtenportal für die bunte Bewegung” ist laut Impressum “ein nichtkommerzielles Informationsangebot, das vom Herausgeberkreis in Kooperation mit dem Verein marxistische linke betrieben wird”. Hier findet sich ein ausführlicher Artikel zur Bürgerinitiative gegen Glyphosat. Der Autor des Textes sieht die Rolle des BfR ebenfalls kritisch, ein Auszug:

“Für Umweltverbände weist dies darauf hin, dass es sich bei der Neubewertung des BfR um eine “vorsätzliche Fälschung handelt”, deren Ziel gewesen sei, “wissenschaftlich exzellente Studien” abzuqualifizieren. Lobbycontrol stellt beim Führungspersonal und den ExpertInnen des Amtes Verflechtungen mit der einschlägigen Industrie fest. Testbiotech, ein Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, kommt zu dem Ergebnis, dass “viele der Beteiligten ihre Interessenkonflikte verschwiegen”.”

Auch der russische Propagandasender Russia Today hat das Thema für sich entdeckt und beruft sich dabei auf deutsche Leitmedien wie das TV-Magazin Fakt vom MDR sowie die Süddeutsche Zeitung:

“Wie das ARD-Magazin „Fakt“ und die Süddeutsche Zeitung aufdeckten, hat der Industrieriese Monsanto wieder einmal seine nicht ganz objektive Bewertung durch die Hintertür mit einfließen lassen. Demnach gab ECHA der Monsanto-Lobbyorganisation Glyphosat Task Force (GTF) die Möglichkeit, noch kurz vor der offiziellen Risikobeurteilung, ihre Bewertung einzubringen. Die offiziellen Kommentare der Interessengruppen hätten ein halbes Jahr früher vorgelegt werden müssen. Glyphosat Task Force hingegen hat ihren Beitrag erst Ende Januar eingereicht. Wie ECHA bestätigte, wurde dieser dann an den Ausschuss der Behörde weitergeleitet. Der Berliner Toxikologe Peter Clausing nahm als Beobachter an den Sitzungen der ECHA teil und äußerte gegenüber Fakt: “Die Industrie hat versucht, auf die Bewertung der Behörde Einfluss zu nehmen.” Es wäre nicht das erste Mal, dass es Monsanto gelingt, sein profitorientiertes Streben über die Gesundheit und Expertise anderer zu erheben.”

Das Narrativ ist letztlich immer das gleiche: Monsanto manipuliert Studien, beeinflusst Kontrollbehörden und nimmt keine Rücksicht auf die Belange der Verbraucher, weil es ja nur um Profit geht. Die Fusion mit Bayer würde einen Mega-Konzern entstehen lassen, der den Landwirten die Preise diktiert und sie abhängig macht, so die Kritik. Kurz: Große Unternehmen sind böse, vor allem große US-amerikanische Unternehmen. Denn neben dem kruden Anti-Kapitalismus schwingt hier auch ein verkappter Anti-Amerikanismus mit.

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Größenvergleich nach Jahresumsatz

Dazu ein Vergleich: Baysanto-Kritiker geben an, dass der neue Konzern bei kommerziellem Saatgut einen Weltmarktanteil von rund 30 Prozent haben würde und bei Pflanzenschutz einen Anteil von knapp 25 Prozent. Der VW-Konzern hat in der EU einen Marktanteil von rund 25 Prozent. Fühlt sich deswegen irgendein Autofahrer gezwungen, einen Pkw von VW zu einem diktierten Preis zu kaufen? Bestimmt VW, welche Autos wir fahren? Wohl kaum. VW ist durch den Abgas-Skandal in Verruf geraten. Wo waren die Grünen bei der Hauptversammlung von VW Mitte Mai? Fehlanzeige! Sie hätten dort fordern können, den Skandal im Sinne der Verbraucher endlich aufzuklären und dafür zu sorgen, dass die Diesel-Fahrzeuge von VW endlich die Grenzwerte einhalten. Sie hätten ihrer Forderung Nachdruck verleihen können, dass in die Entwicklung attraktiver Elektrofahrzeuge investiert wird. Aber VW als heimisches Unternehmen mit Relevanz für den eigenen Arbeitsmarkt eignet sich eben nicht als Feindbild.

 

Bildnachweis: Dr. Michael Reininger

“Das mit der Angst funktioniert immer”

“Das mit der Angst funktioniert immer”

Mehr als rund 744.000 Menschen haben bislang für die europaweite Bürgerinitiative “Stop Glyphosate” unterschrieben. Das Ziel der Initiative ist, bis zum 15. Juni 2017 mindestens 1 Million Unterstützer zu gewinnen. Dabei ist anscheinend jedes Mittel recht, um die Menschen zu motivieren. So steht im Abschnitt “Warum ist das wichtig?” des deutschsprachigen Aufrufes als Schlusssatz:

“Handeln Sie jetzt: Unterzeichnen Sie unsere Bürgerinitiative gegen Monsantos krebserregendes Gift.”

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA (European Chemicals Agency) sieht das anders. Ihr Urteil vom März dieses Jahres lautet:

“ECHA’s Committee for Risk Assessment (RAC) agrees to maintain the current harmonised classification of glyphosate as a substance causing serious eye damage and being toxic to aquatic life with long-lasting effects. RAC concluded that the available scientific evidence did not meet the criteria to classify glyphosate as a carcinogen, as a mutagen or as toxic for reproduction.”

Danach ist Glyphosat weder krebserregend noch mutagen noch reproduktionstoxisch. Allein die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatte den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat im März 2015 als “wahrscheinlich krebserregend” (Gruppe 2A) klassifiziert. Was bedeutet diese Klassifizierung? Die IARC schreibt in der Pressemitteilung:

“Group 2A means that the agent is probably carcinogenic to humans. This category is used when there is limited evidence of carcinogenicity in humans and sufficient evidence of carcinogenicity in experimental animals. Limited evidence means that a positive association has been observed between exposure to the agent and cancer but that other explanations for the observations (called chance, bias, or confounding) could not be ruled out. This category is also used when there is limited evidence of carcinogenicity in humans and strong data on how the agent causes cancer.”

Hier wird deutlich, dass das IARC-Etikett “wahrscheinlich krebserregend” nichts mit der umgangssprachlichen Formulierung “Substanz xy ist wahrscheinlich krebserregend” zu tun hat. Es ist eine rein technische Festlegung, die den Grad der Evidenz beschreibt, den die Forscher in ihrem Studienmaterial vorfinden. Continue reading ““Das mit der Angst funktioniert immer””

Umerziehung vorerst gescheitert

Umerziehung vorerst gescheitert

Grüne Gentechnik werde von der Bevölkerung abgelehnt, heißt es häufig in politischen Debatten. Doch wenn man einmal genau hinsieht, ist das Meinungsbild weder einheitlich noch eindeutig.

Bei der letzten Naturbewusstseinsstudie von 2015 zum Beispiel zeigte sich ein interessanter Trend: Jüngere Menschen (18- bis 29-Jährige) sind der Gentechnik gegenüber weniger skeptisch eingestellt als ältere Bevölkerungsgruppen. So würden gerade einmal 36 Prozent der Befragten in der Gruppe der bis 29-Jährigen einem Verbot des Einsatzes von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft zustimmen. 41 Prozent der Befragten in dieser Gruppe denken sogar, dass Gentechnik einen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers in der Welt leisten kann.

Zustimmung zum VerbotGT_folgen_LW_alterGT_folgen_alter

Prof. Dr. Andreas Graner, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, freut sich über dieses Ergebnis:

“Die Naturbewusstseinsstudie deutet auf eine wichtige Veränderung in der Beurteilung der grünen und weißen Gentechnik hin. Wenn junge Menschen der Gentechnik in der Landwirtschaft heute weniger ablehnend als im Jahr 2009 gegenüberstehen könnte das einen Hinweis auf eine gestiegene Sachkompetenz dieser Bevölkerungsgruppe darstellen. Ich interpretiere diese Entwicklung dahingehend, dass junge Menschen in zunehmendem Maße Panikmeldungen aus den Medien auf ihren Wahrheitsgehalt recherchieren und in der Lage sind, weltanschauliche Positionen von wissenschaftlichen Fakten zu differenzieren.”

Die Autoren der Studie sehen das etwas anders. Im Kapitel “Empfehlungen” findet sich der folgende Abschnitt (S. 9/10):

“Politik und Verbände haben die Aufgabe, weiterhin den gesellschaftlichen Diskurs zum Thema Gentechnik voranzutreiben und sachlich zu informieren. Dabei wäre es erstrebenswert, nicht nur naturwissenschaftliche Fakten in den Vordergrund zu stellen, sondern auch soziologische und ökonomische Aspekte transparent zu machen. Vor allem für die jüngere Generation, die einem Einsatz von Gentechnik und dem Konsum gentechnisch veränderter Lebensmittel weniger skeptisch gegenübersteht, ist es von großer Bedeutung, die ökologischen wie gesellschaftlichen Vor- und Nachteile der Gentechnik zu kennen und auch zu wissen, wer von dieser Technologie profitiert und wer die Lasten trägt.”

Da naturwissenschaftliche Fakten offensichtlich nicht ausreichen, um junge Menschen skeptisch werden zu lassen gegenüber Grüner Gentechnik, sollten Meinungsbildner in ihrer Argumentation vor allem auf ökologische und gesellschaftliche Aspekte abheben?

Dazu ist folgendes zu sagen: Ökologische Vor- und Nachteile einer Technologie wären für mich auch naturwissenschaftliche Fakten. Und: Auch unter diesem Aspekt spricht viel für den Einsatz Grüner Gentechnik. Auch bei der Frage, wem die Technologie nutzt, kann Grüne Gentechnik punkten. Es ist nämlich gar nicht so, wie häufig in den Medien transportiert, dass nur große Konzerne vom Einsatz Grüner Gentechnik profitieren. Leider wissen die Menschen noch viel zu wenig darüber, wie der Einsatz von gentechnisch verbesserten Nutzpflanzen gerade Kleinbauern hilft, ihr Einkommen zu verbessern. Traurig eigentlich, zumal wir mit Matin Qaim, Universität Göttingen, einen Forscher im eigenen Land haben, der sich mit diesem Thema bestens auskennt.

Richtig spannend wird es allerdings erst, wenn man sich das Fazit von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks zum Thema Gentechnik im Vorwort der Studie durchliest (S. 4):

“79 Prozent sprechen sich gegen den Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln aus, und 76 Prozent halten es für wichtig, dass der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft grundsätzlich verboten wird. Der Ausbau des Konsums regionaler Produkte sowie der Biolandwirtschaft wird dagegen stark befürwortet. Diese Zahlen sprechen für eine deutliche Haltung der Gesellschaft und bilden eine gute Grundlage für Verbote jeglichen Einsatzes von Gentechnik in der Lebensmittelproduktion.”

verbot_gtZum einen hat Dr. Hendricks hier eigenmächtig “sehr wichtig” und “eher wichtig” zu “wichtig” zusammengefasst, was die ursprüngliche Fragestellung grob verfälscht. Und zum anderen sind “Verbote jeglichen Einsatzes von Gentechnik in der Lebensmittelproduktion” nicht so einfach umsetzen, wie sie vielleicht glaubt. Denn Gentechnik ist in der Lebensmittelproduktion längst Alltag. Schätzungen zufolge sind 60 bis 80 Prozent aller Lebensmittel, während ihres Herstellungsprozesses mit Gentechnik in Berührung gekommen. Zusatzstoffe, Vitamine, Aromen und Enzyme in unserem Essen werden oft mit gentechnisch hergestellten Organismen hergestellt. Ohne diese Technologie wären die Supermarktregale relativ leer.