Wahlkampf in Grün

Wahlkampf in Grün

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen plädieren für einen fairen Bundestagswahlkampf und haben sich eine Selbstverpflichtungserklärung auferlegt. Darin heißt es:

“Wir führen den Wahlkampf mit Fakten und Argumenten – gerne auch zugespitzt. Dies soll auch so bleiben. Lügen und bewusste Falschaussagen sowie das Verbreiten von nachweislich und eindeutig falschen Meldungen, Zitaten und Behauptungen lehnen wir entschieden ab. Diese haben in der demokratischen Auseinandersetzung nichts zu suchen. Wir werden entschlossen dagegen vorgehen, dass sie Teil der Wahlkampfauseinandersetzung werden.”

Am 18. August 2017 hielt der Grüne EU-Parlamentarier Martin Häusling bei einem Bürgerabend der Bürgerinitiative “Pro Waldeck” im Bürgerhaus Waldeck ein Referat zum Thema “Negative Konsequenzen der Massentierhaltung”. Wir wollen mal reinhören und schauen, inwieweit die Grünen ihre eigenen Grundsätze ernst nehmen:

 

 

Bildnachweis: http://www.martin-haeusling.eu

 

Lobbyismus in Reinkultur

Lobbyismus in Reinkultur

Im Vorfeld des TV-Duells von Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz am kommenden Sonntag haben verschiedene Organisationen aus der Bio-Branche sowie dem dazugehörigen ideologischen Dunstkreis einen Offenen Brief an die Moderatoren der Sendung geschickt und diese darin aufgefordert, das Thema Landwirtschaft beim TV-Duell zu berücksichtigen.

Dieser Brief ist in mehrfacher Hinsicht ein Affront: Die Unterzeichner tun vordergründig so, als ob ihnen die Zukunft der Landwirtschaft generell am Herz liege, aber eigentlich geht es nur darum, die von der Politik zu vergebenden Fördermittel in den Ökolandbau zu pumpen. Es wird zwar vermieden, die Worte “Bio-” bzw. “Ökolandbau” zu verwenden, aber der Kreis der Unterzeichner und die folgende Problem-Beschreibung lassen im Grunde keine Zweifel offen, wie der Appell gemeint ist:

“Auch hier in Deutschland wird die Fruchtbarkeit der Böden durch eine nach industriellen Prinzipien organisierte Landbewirtschaftung abgebaut. Dies geschieht durch einseitige Fruchtfolgen mit hohen Anteilen derselben Anbaukulturen, sowie durch die Anwendung chemisch-synthetischer Stoffe zur Düngung, durch Biozide, wie Insektizide und Herbizide, die die biologische Vielfalt, und damit die unersetzbaren Funktionen des Bodenlebens, beeinträchtigen.”

Diese Argumentation folgt bekannten Mustern, die Kernaussage ist: Industrielle Landwirtschaft – was auch immer das sei – ist nicht nachhaltig, schädigt die Biodiversität und verbraucht die natürlichen Ressourcen. Dabei wird ausgerechnet auf die Bodenfruchtbarkeit abgehoben:

“Dagegen könnte eine regenerative, Humus und biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft enorme positive Wirkung entfalten. Sie erhöht nicht nur die Fruchtbarkeit und Produktivität der Böden, sowie ihre Widerstandskraft gegen extremer werdende Umweltereignisse. Mittels des Aufbaus biologischer Vielfalt und organischer Masse können Böden in erheblichem Maß Kohlenstoff binden und für die landwirtschaftliche Produktivität nutzbar machen.”

Was soll eigentlich eine “biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft” sein? Wenn ich erfolgreich Ackerbau betreiben will, muss ich auf meinen Feldern die biologische Vielfalt zurückdrängen, sonst ernte ich nichts. Das Foto oben von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.) und einer der Unterzeichner des Offenen Briefes, zeigt eindrucksvoll, dass das gleichermaßen für den Bio-Landwirt gilt.

Und sind es nicht vor allem die Bio-Bauern, die zur Kontrolle der Beikräuter auf mechanische Verfahren und wendende Bodenbearbeitung zurückgreifen müssen? Beides ist nicht gut für den Boden. Konventionelle Mulch- und Direktsaatsysteme sind zu nennen, wenn es um CO2-Einsparung, Erosionsschutz sowie Förderung von Bodenleben und -struktur geht. Gerade die im Ökolandbau eingesetzten Kupferverbindungen sind nachhaltig schädlich für den Boden.

Diese sogenannte regenerative Landwirtschaft habe derzeit am Markt keine Chance, erklären die Unterzeichner:

“Bislang befördert die Politik ein Wirtschaftshandeln, das unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunftsfähigkeit gefährdet und die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt. Nicht nachhaltige Wirtschaftsweisen, die Lebensgrundlagen abbauen und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, sind bislang profitabler und somit wettbewerbsstärker. Dabei werden jedoch langfristig und global Ressourcen vernichtet, die zukünftig weder den Menschen, noch für Wirtschaftsaktivitäten und -unternehmen zur Verfügung stehen. Die Folgen davon tragen alle.”

Hier kommt das altbekannte Argument zum Tragen, dass die Produkte der konventionellen Landwirtschaft nur deswegen so günstig seien, weil Kosten für Umweltfolgen auf die Allgemeinheit umgelegt würden. Die daraus erwachsende Forderung ist in der Regel, den Ökolandbau stärker mit öffentlichen Mitteln zu fördern, um das Marktversagen abzupuffern. Die Verfasser richten eine Aufforderung an die Moderatoren des TV-Duells:

“Unsere KanzlerkandidatInnen müssen Antwort auf die Fragen danach geben, wie sie die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft gestalten wollen, damit regenerative Landwirtschaft und ein weltweiter Schutz von Böden und ihrer Fruchtbarkeit stattfinden.

Sie werden am 3. September 2017 diese Antwort aber nur geben, wenn Sie Ihnen dazu die erforderlichen Fragen stellen !”

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verfasser des Briefes, allen voran Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, hier im Sinn haben, dass die Politik die Anwendung konservierender Bodenbearbeitung im Ackerbau besonders fördern soll. Denn dabei würden ja wohlmöglich Glyphosat und andere chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Auch wenn es da nicht wörtlich steht, kann eigentlich nur gemeint sein, dass erfragt werden soll, wie die Kanzlerkandidatin und der Kanzlerkandidat gedenken, den Ökolandbau voranzubringen.

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Dr. Prinz Felix zu Löwenstein in seinem Garten. Ich finde: In Sachen Biodiversität und Bienenweide gibt es hier noch eine Menge Luft nach oben. Bildnachweis: Screenshot aus der ZDF-Dokumentation “Schöne neue Landwirtschaft? Die Bayer-Monsanto-Fusion”

Dabei ist fraglich, ob der Ökolandbau die ihm zugeschriebene “regenerative” Wirkung auch wirklich hat. Auch der von der Bio-Branche oft ins Feld geführten Biodiversität ist mit einer planlosen Ausdehnung der Bio-Landwirtschaft nicht geholfen: Eine aktuelle Studie aus Göttingen zeigt, dass die Größe eines Feldes für den Artenreichtum ganz entscheidend ist. Das bestätigt die Thesen des Göttinger Agrarökologen und Co-Autors der Studie Teja Tscharntke, dass es in einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft wenig Unterschiede in der Biodiversität auf Öko- und konventionellen Flächen gibt. So sagte Tscharntke in einem öffentlichen Fachgespräch des Bundestags-Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zum Thema “Ursachen und Auswirkungen des Biodiversitätsverlustes bei Insekten”:

“Es geht sogar so weit, dass, wenn man zum Beispiel ökologischen Landbau mit konventionellem Landbau vergleicht – sagen wir einmal eine ökologische Weizenfläche mit einer konventionellen Weizenfläche entlang eines Gradienten von Landschaftsvielfalt –, dass nur in den ausgeräumten Landschaften der Ökolandbau sehr viel besser dasteht als der konventionelle Landbau in Artenvielfalten, auch in der biologischen Kontrolle. In den komplexen Landschaften – sagen wir einmal mit 20, 30 Prozent naturnahen Lebensräumen – nähert sich das an, da findet man keinen Unterschied mehr. Da ist, weil so viel Einwanderung passiert, auch bei einer konventionellen Bewirtschaftung, „die Welt noch in Ordnung“. Das zeigt, wie wichtig dieser Strukturreichtum ist, der für viele andere Funktionen – Bodenschutz, Grundwasserneubildung usw. – natürlich auch eine zentrale Bedeutung hat.”

Die Experten sind sich einig, dass vor allem spezialisierte Arten zurückgehen, dass heißt, Arten, die auf einen bestimmten Lebensraum und die Nahrung, die sie dort vorfinden, angewiesen sind. Wenn der Lebensraum verschwindet, verschwindet auch die Art. Der Biologe Prof. Dr. Werner Kunz von der Universität Düsseldorf erläutert das in seinem Buch “Artenschutz durch Habitatmanagement” am Beispiel des Ortolans, eines Singvogels, der bis in die 50er Jahre in Deutschland verbreitet war und heute nur noch selten vorkommt (S. 143 f.):

“Der Ortolan brütet hierzulande meist auf Getreideäckern und zwar in Beständen, die zu Beginn der Brutzeit maximal 15-20 cm hoch stehen dürfen und schütter genug wachsen müssen, sodass die Vögel zwischen den Halmen noch ungehindert durchschlüpfen und dort ihre Nahrung finden können (Lanz, 2009) (Tafel 9). Solche Äcker wird man durch eine biologische Landwirtschaft nicht schaffen können. Der Ortolan kehrt nicht zurück, wenn Ackerrandstreifen und Lerchenfenster geschaffen werden. Er kehrt auch nicht zurück, wenn der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden verringert wird, noch fördert ihn die biologische Landwirtschaft. Wovon der Ortolan profitiert hat, waren die kümmerlichen, ertragsarmen, übernutzten Ackerböden, wie sie früher an vielen Stellen waren, als die Bevölkerung noch Hungersnöte kannte.”

Für Kunz gibt es kein Zurück zur Subsistenz-Landwirtschaft früherer Tage. Er plädiert daher dafür, neben den landwirtschaftlichen Nutzflächen, Flächen entsprechend der Bedürfnisse seltener Arten anzulegen und zu bewirtschaften (S. 188):

“Viele Argumente sprechen dafür, dass die Zukunft der Arten nicht in einer Reform der Landwirtschaft liegen kann, sondern in einem Nebeneinander von landwirtschaftlich genutzten Flächen und künstlich geschaffenen und bearbeiteten Magerflächen, die von vornherein nicht dem wirtschaftlichen Ertrag, sondern dem Schutz der Arten dienen.”

Der Ökolandbau ist kein Allheilmittel zur Lösung von Umweltproblemen, sondern hat zum Beispiel mit dem nahezu alternativlosen Kupfereinsatz seine ganz eigenen Baustellen. Das sollte von der Bio-Branche einmal zur Kenntnis genommen werden! Verbesserungen im Natur- und Artenschutz lassen sich nur erzielen, wenn die Politik für alle Landwirte Anreize setzt, hier aktiv zu werden. Eine pauschale Öko-Förderung mit der Gießkanne bringt nichts. Wenn z.B. in Mittelgebirgsregionen, wo zum Teil eh nur extensive Weidehaltung Sinn macht, großzügig Umstellungsprämien ausgeschüttet werden, generiere ich damit nur Mitnahmeeffekte, ohne eine nennenswerte Verbesserung der Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.

Es zweifelt auch nahezu kein ernst zu nehmender Wissenschaftler daran, dass es zur Welternährung moderne und innovative Anbauverfahren braucht. Selbst Öko-Pioniere wie der Schweizer Forscher Prof. Dr. Urs Niggli sind da ganz eindeutig. So sagte Niggli vor rund einem Jahr in einem Interview zur Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

“Es braucht dann aber eine zweite Ökologisierungs-Strategie, die den wissenschaftlichen Fortschritt nutzt, um die Welt zu ernähren. Und diese wird genauso ihre Berechtigung haben wie der Ökolandbau.”

Solange Lobbyisten wie Dr. Felix Prinz zu Löwenstein das nicht zur Kenntnis nehmen, wird mit ihnen eine Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft sehr schwierig werden.

 

Bildnachweis: Screenshot aus der ZDF-Dokumentation “Schöne neue Landwirtschaft? Die Bayer-Monsanto-Fusion”  aus der Reihe planet-e, Video in der Mediathek abrufbar

Da ist der Wurm drin

Da ist der Wurm drin

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland postete jetzt einen verwegenen Vergleich auf Twitter: Auf Öko-Äckern würden 450 Regenwürmer je Quadratmeter leben, während auf “Intensiv bewirtschafteten Äckern” – was auch immer das heißt – nur 30 Regenwürmer pro Quadratmeter zu finden seien:

Auf Facebook verwendet der WWF ebenfalls diese GIF-Animation und versieht die Bildchen-Folge mit folgender Botschaft:

“Pro m² leben auf intensiv bewirtschafteten Äckern nur 30 Regenwürmer. Auf Öko-Äckern bis zu 450! Schwere Maschinen, synthetischer Dünger und Pestizide machen ihnen zu schaffen und setzen dem Boden zu. Der Boden verliert seine Kraft und die Erträge sinken. Helft den Würmern!”

Woher holt der WWF diese Aussage und vor allem woher diese Zahlen? Im Kommentarbereich auf Facebook verweist die Organisation auf ihr Regenwurm-Manifest. Dort finden sich die Zahlen wieder (S. 5):

“Die Zahl der Regenwürmer in Äckern ist je nach deren Bewirtschaftung sehr unterschiedlich: Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz haben maximal 30 Tiere pro Quadratmeter. Ein durchschnittlicher Boden in der noch relativ kleinstrukturierten Landwirtschaft Süddeutschlands enthält rund 120. Und auf den Äckern von Sepp Braun, dem bekannten bayerischen „Regenwurm-Bauern“, wurden im Ackerboden 450 Würmer pro Quadratmeter gefunden (Spitzenwerte sogar bis 600), mit einem großen Anteil der tiefgrabenden Art „Tauwurm“.”

Folgt der Leser dann der Fußnote am Ende des Absatzes, gelangt er zu folgender Quellenangabe:

“Bestandserhebungen der LfL Bayern, Angaben aus Ehrmann (2015) und mündlich von Sepp Braun (Freising).”

Die Rekordwerte sind also nur mündlich überliefert, das ist freilich ernüchternd, um nicht zu sagen: Es erinnert an dicke Kartoffeln. Wie Bauer Braun seine Tiere gezählt hat, geht aus den Angaben auch nicht hervor. Dabei gibt es dafür standardisierte Verfahren, damit die Werte auch vergleichbar sind. Wo der Wert “30 Tiere pro Quadratmeter” für “Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz” herkommt, lässt sich anhand der Quellenangaben nicht ermitteln. Die Angaben in Ehrmann 2015 sind größtenteils in der Einheit “g/Quadratmeter” für Regenwurm-Biomasse verfasst, die Zahl der Individuen ist meistens gar nicht angegeben.

Dass der WWF hier einen “Bio=gut und intensiv/Nicht-Bio/konventionell=schlecht”-Gegensatz aufbaut, ist insofern unsachlich, weil Bio oder Nicht-Bio für Regenwürmer nicht ausschlaggebend ist. Damit Regenwürmer im Ackerboden gute Lebensbedingungen vorfinden, sind nach Ehrmann 2015 an erster Stelle folgende Dinge wichtig:

• Schonende Bodenbearbeitung oder Verzicht auf Bodenbearbeitung

• Verfügbarkeit von Nahrung (Pflanzenmaterial)

Beide Aspekte werden im Ackerbau vor allem bei Direktsaatsystemen berücksichtigt und das schlägt sich direkt in der Regenwurmmenge nieder:

ehrmann.png
Quelle: Ehrmann 2015, S. 22 (S. 146)

Leider wird gerade im Ökolandbau auf den Pflug und andere mechanische Verfahren zur Beikräuter-Regulierung zurückgegriffen. Für die Regenwürmer ist das Gift.

Nach den beiden oben genannten Aspekten erwähnt der “bekannte Regenwurmforscher Otto Erdmann” (Zitat WWF) noch Pflanzenschutzmittel, Bodenverdichtung, Fruchtfolge und Landschaftsstruktur. Bei den Pflanzenschutzmitteln gilt vor allem das auch im Ökolandbau eingesetzte Kupfer als schädlich für Regenwürmer. Das Mittel Cuprozin progress zum Beispiel ist im Bio-Landbau u.a. für die Behandlung von Mehltau bei Weinreben oder Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt im Abschnitt “Auflagen” über das Mittel:

“Das Mittel wird als schädigend für Regenwurmpopulationen eingestuft.”

Komisch, das Wort “Kupfer” kommt im Regenwurm-Manifest des WWF gar nicht vor. Dagegen darf natürlich der Buhmann der konventionellen Landwirtschaft nicht fehlen: Glyphosat. Es gibt eine Studie (Gaupp-Berghausen et al. 2015), die angeblich nachgewiesen hat, dass Glyphosat Regenwürmer schädige. Es gab von verschiedenen Seiten Kritik an der Methodik dieser Arbeit (siehe dazu die Links unter dem Artikel), der Hauptkritikpunkte aus meiner Sicht sind:

• Die Versuche wurden nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat durchgeführt, sondern mit einer Fertigmischung.

• Die Fertigmischung wurde während der Versuchsreihe geändert.

• Die Fertigmischung, bei der letztlich die negativen Ergebnisse auftauchten, enthielt das aggressive Kontaktherbizid Pelargonsäure.

• Die Fertigmischung wurde in unrealistisch hoher Aufwandmenge aufgebracht.

• In der Kontrollgruppe hätte ebenfalls die Vegetation entfernt werden müssen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Das Kontaktherbizid Pelargonsäure schädigt nachweislich Regenwürmer. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA schreibt in ihrer Risikobewertung zu Pelargonsäure (S. 2-3):

“For pelargonic acid, data gaps to address the following aspects of the ecotoxicological risk assessment were identified: aquatic organisms, bees, in-field populations of non-target arthropods, earthworms, soil microorganisms and non-target plants (seedling emergence). A low risk to birds, mammals and sewage treatment organisms was concluded. A risk was identified for earthworms and in-field populations of non-target arthropods.”

Kurzum: Ich bin gerne bereit, über Vor- und Nachteile verschiedener Anbauverfahren zu diskutieren – der WWF hatte ja auch auf unseren Offenen Brief an Ministerin Hendricks reagiert – aber bitte auf Basis von anerkannten wissenschaftlichen Methoden sowie ohne ideologische Scheuklappen und Rosinenpickerei.

 

Links zu Bodenbearbeitung und Regenwurmdichte:

Otto Ehrmann 2015: “Regenwürmer in den Böden Baden-Württembergs
– Vorkommen, Gefährdung und Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit”

Werner Jossi et al. 2011: “Reduzierte Bodenbearbeitung schont die Regenwürmer”

• Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Regenwurmhäufigkeit bei dauerhaft konservierender Bodenbearbeitung

“Direkt gesät”

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Peter Meiwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/13418 – Verlust von Artenreichtum in der Agrarlandschaft Anfrage

 

Links zu Gaupp-Berghausen et al. 2015:

Glyphosat, die BOKU und der Regenwurm

• Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH: Stellungnahme zur Regenwurm-Studie der BOKU 

• Dead plants are probably bad for earthworms

EFSA: Peer Review of the pesticide risk assessment of the active substance fatty acids C7 to C18, EFSA Journal 2013;11(1):3023

 

Bildnachweis: Screenshot WWF

 

Die Rückkehr des Rebhuhns

Die Rückkehr des Rebhuhns

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland hat das Thema Landwirtschaft für sich entdeckt. Heute wird uns folgendes Filmchen auf Facebook präsentiert:

Die dazugehörige Message: Das Rebhuhn stehe kurz vor dem Aussterben, schuld sei vor allem die intensive Landwirtschaft, die vielen Pestizide würden das Futter für die Küken vernichten.

Mal abgesehen davon, dass der dargestellte Vogel eher an eine Bronze-Pute als an ein Rebhuhn erinnert und da “Rephühner” steht, stimmt diese Aussage so einfach nicht. Die Gründe für den Bestandsrückgang bei den Rebhühnern sind vielfältig und dürften auch regional variieren. In diesem Film über ein Wiederansiedlungsprojekt in Großbritannien wird deutlich, welche Bedürfnisse Rebhühner haben und welche Aspekte beachtet werden müssen, um ihren Bestand zu sichern:

Drei Dinge sind danach wichtig:

• Deckung und Winterquartier: Hecken sowie Bestände mit langen Gräsern bieten den Tieren auch in der kalten Jahreszeit Schutz

• Nahrung: Randstreifen als Unterschlupf für Insekten, Zufüttern mit Weizen im Frühjahr

• Schutz gegen natürliche Feinde: Prädatorenmanagement. Der Bestand von Fuchs, Wiesel, Ratte, Krähe und Elster muss reguliert werden.

Dr. Thomas Gehle von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), bringt diese Aspekte im Interview mit der “Wild und Hund” in einem Satz auf den Punkt:

“Die erste Option aber, dem Rebhuhn zu helfen, besteht darin, die Beutegreifer in Schach zu halten und dort, wo das Huhn vorkommt, für optimale Nistmöglichkeiten und ganzjährig verfügbare Nahrung zu sorgen.”

Bei einem Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen versucht man es bislang ohne spezielles Prädatorenmanagement – mit entsprechenden Ergebnissen:

“Fünf Jahre lang haben wir die Lebensläufe von 139 besenderten Rebhühnern mittels Telemetrie verfolgt und Daten zur Habitatnutzung, zur Mortalität, zum Reproduktionserfolg und zur Mobilität gesammelt. Die Nester lagen fast ausschließlich in Bereichen mit mehrjähriger Vegetation. Ein Viertel der Nester wurde in Blühstreifen angelegt. Die Sterblichkeit der Rebhühner war hoch, fast alle Todesfälle waren auf Prädation zurückzuführen. Bei Hennen war die Mortalität zur Brutzeit am höchsten: nur 50% der Hennen überlebten den Sommer. Im Herbst war die Sterblichkeit der Rebhühner am geringsten. Im Winter bei Schneelage war das Risiko gefressen zu werden fünfmal höher als an Tagen ohne Schnee. 82% der Todesfälle bei Hennen wurden Raubsäugern zugeschrieben. Auch Gelegeverluste traten häufig auf. Hennenverluste auf dem Nest und Gelegeverluste bedingten, dass nur 30% der Gelege zum Schlupf kamen.”

Das LANUV in NRW hat ein Faltblatt für Jäger und Landwirte herausgebracht mit Tipps, wie dem Rebhuhn geholfen werden kann. Betont wird die Bedeutung der Zusammenarbeit beider Gruppen:

“Eine solch umfassende Hilfe für das Rebhuhn wird erfolgreich, wenn Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammen aktiv werden. Fangen Sie gleich damit an!”

Dem kann ich mich nur anschließen: Fangen Sie gleich damit an!

 

Links

• The Return of the Grey Partridge (Originalvideo vom Game & Wildlife Conservation Trust)

• Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

• Wie ist der drastische Rückgang des Rebhuhns (Perdix perdix) aufzuhalten? Erfahrungen aus zehn Jahren mit dem Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

• Beschreibung des Projektes “Wildtiermanagement und Naturschutz in der Fehmarnbeltregion”

• Hilfe für das Rebhuhn – Tipps für Jäger und Landwirte

• Rebhuhnschutzprojekt der Stiftung Lebensraum Thüringen e.V.

• Wild und Hund: Rebhuhn Interview Dr. Thomas Gehle 

• Game & Wildlife Conservation Trust

• Restoration of a wild grey partridge shoot: a major development in the Sussex study, UK

Bildnachweis: Robert Kreinz, http://www.photograph-austria.at/

“Übernehmen Sie Verantwortung!”

“Übernehmen Sie Verantwortung!”

Offener Brief an Ministerin Dr. Barbara Hendricks

Unter der Federführung von Susanne Günther (schillipaeppa.net) schreiben die Agrarblogger von www.blogagrar.de und www.bauerwilli.com einen offenen Brief an die Bundesumweltministerin Hendricks. Anlass ist ein Treffen des Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Nahrungs- und Futtermittel (PAFF) am 19. Juli zu einer erneuten Diskussion über Glyphosat.

Hier der volle Wortlaut: Continue reading ““Übernehmen Sie Verantwortung!””

Pflügen soll verboten werden

Pflügen soll verboten werden

Noch in dieser Legislaturperiode will Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ein Verbot des Pflugeinsatzes auf landwirtschaftlichen Nutzflächen erwirken. Die Ministerin verweist bei ihrem Vorstoß auf das Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten:

“In Umsetzung des Bundes-Bodenschutzgesetz von 1998 bleibt mir nichts anderes übrig, als diesen notwendigen Schritt einzuleiten, um die Struktur unserer Böden zu erhalten, Erosion vorzubeugen und das Artensterben in den Agrarlandschaften aufzuhalten. Außerdem müssen wir auf den Pflug verzichten, um endlich die Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft zu reduzieren. Es darf kein Weiter-so mehr geben.”

Paragraph 17 des Bodenschutzgesetzes bestimmt die “Gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft” hinsichtlich der wichtigen Ressource Boden. Dort heißt es u.a.:

“Zu den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis gehört insbesondere, daß
1.   die Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung der Witterung grundsätzlich standortangepaßt zu erfolgen hat,
2.   die Bodenstruktur erhalten oder verbessert wird,
3.   Bodenverdichtungen, insbesondere durch Berücksichtigung der Bodenart, Bodenfeuchtigkeit und des von den zur landwirtschaftlichen Bodennutzung eingesetzten Geräten verursachten Bodendrucks, so weit wie möglich vermieden werden,
4.   Bodenabträge durch eine standortangepaßte Nutzung, insbesondere durch Berücksichtigung der Hangneigung, der Wasser- und Windverhältnisse sowie der Bodenbedeckung, möglichst vermieden werden,
5.   die naturbetonten Strukturelemente der Feldflur, insbesondere Hecken, Feldgehölze, Feldraine und Ackerterrassen, die zum Schutz des Bodens notwendig sind, erhalten werden,
6.   die biologische Aktivität des Bodens durch entsprechende Fruchtfolgegestaltung erhalten oder gefördert wird und
7.   der standorttypische Humusgehalt des Bodens, insbesondere durch eine ausreichende Zufuhr an organischer Substanz oder durch Reduzierung der Bearbeitungsintensität erhalten wird.”

“Die einzig mögliche Schlussfolgerung aus diesen Anforderungen ist, dass der Pflug obsolet ist”, resümiert Hendricks. Sie ist sicher, Pflanzen und Tiere würden beim Pflügen einfach grausamst vergraben. Ohne Pflug gebe es mehr Regenwürmer, das sei erwiesen. Darüber hinaus sei dem naturliebenden Landtouristen der Anblick dieser nackten, unbewachsenen Agrarwüsten nicht länger zumutbar.

Rückenwind bekommt die Ministerin dabei von Natur- und Umweltschutzorganisationen. So meldet der World Wildlife Fund (WWF) in einem Konzeptpapier für Artenschutz in der Landwirtschaft alarmierende Zahlen:

“Amphibien halten sich im Sommer und bei An- und Abwanderung auf den Ackerflächen auf und sind deshalb potenziell von der Bodenbearbeitung betroffen; beim Pflügen können über 90% der Amphibien getötet bzw. letal geschädigt werden, beim Grubbern sind es deutlich weniger”

Reduzierte Bodenbearbeitung könne auch aus Gründen des Bodenschutzes sinnvoll sein, so der WWF, z.B. in Hanglagen oder zur Vermeidung von Nährstoffauswaschung in der Nähe von Gewässern.

Auch aus der Politik erhält das Bundesministerium Unterstützung: Erst in dieser Woche hatte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Brandenburger Landtag einen Antrag eingereicht mit dem Ziel, die intensive Bodenbearbeitung zu begrenzen. In der Begründung heißt es:

“Zum anderen ist eine Begrenzung des Pflugeinsatzes nötig, um eine Überbeanspruchung des Bodens zu verhindern, die Beeinträchtigung für Flora und Fauna in Grenzen zu halten und den Tourismus vor einer zu starken Beeinträchtigung des Landschaftsbildes zu schützen.”

Das Umweltbundesamt (UBA) sieht die intensive Bodenbearbeitung schon lange kritisch. Präsidentin Maria Krautzberger stellte bereits 2016 fest:

“Denn das Pflügen und andere intensive Bodenbearbeitungstechniken tragen nachweislich zum Verlust der Artenvielfalt in Ackerlandschaften bei. Sie beseitigen auf Äckern jeglichen Wildpflanzenwuchs, so dass Insekten und Feldvögeln wie Lerche und Rebhuhn die Nahrungsgrundlage fehlt. Der Einsatz sollte deshalb deutlich reduziert werden – zu Gunsten minimal intensiver Alternativen.”

Krautzberger geht in ihren Forderungen noch weiter:

“Um die schädlichen Auswirkungen des Pflugeinsatzes auf die Umwelt zu kompensieren, müssten wir mehr Flächen in der Landschaft schaffen, auf denen keine Bodenbearbeitung eingesetzt werde: Brachen und Blühstreifen, die bedrohten Vogel- und Insektenarten als Lebensraum und Nahrungsgrundlage dienen.”

Sollte Ministerin Hendricks mit ihrem Vorstoß erfolgreich sein, könnte bereits nach der Ernte 2017 Schluss sein mit dem Pflügen.

Offener Brief an den NABU

Offener Brief an den NABU

Jens-Werner Dettmann ist passionierter Naturfotograf und Naturschützer. Auf Facebook hat er heute einen Offenen Brief an den Naturschutzbund Deutschland (NABU) veröffentlicht. Erstmalig hat er den Brief bereits in 2015 an den Naturschutzverein gerichtet und bis heute keine Antwort erhalten. Dettmann ist selbst jahrelang Mitglied im NABU gewesen. Er schreibt an Leif Miller, den Bundesgeschäftsführer des NABU:

“Sehr geehrter Herr Miller,

darf ich Ihnen, als Geschäftsführer des NABU-Bundesverbandes, heute mal einen Vogel zeigen?

Als ehrenamtlicher Beringer, engagierter Naturschutzwart und begeisterter Naturfotograf, hatte und habe ich natürlich auch viel mit den Jägerinnen und Jägern zu tun. Bei vielen Arbeitseinsätzen in Wald, Feld und Flur stehen die Jägerinnen und Jäger längst mit dem Spaten bei Fuß, packen mit an und gestalten neue Lebensräume auch für geschützte Arten. Sie alle leisten mit der intensiven Raubwildbejagung in Küstenvogelschutzgebieten und bei anderen Artenschutzprojekten einen sehr wichtigen Beitrag für das Erreichen der Schutzziele und opfern dafür gern einen Großteil ihrer Freizeit. Sie, als NABU-Bundesgeschäftsführer beklagen den Rückgang der Artenvielfalt in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft, machen dafür aber allein die Landwirte verantwortlich. Dank der erfolgreichen Ausrottung der Tollwut haben wir seit Ende der 80’er Jahre ein Vielfaches an Füchsen in der Landschaft. Marderhunde, Waschbären und Minke sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Auch bei den Rabenvögeln gab es reichliche Bestandszuwächse. Das alles hat Folgen für die Artenvielfalt, die man den Landwirten nur schwerlich anlasten kann. Das wirksame Gegenmittel heißt Jagd, die der NABU in seinen Schutzgebieten als „Prädatorenmanagement“ bezeichnet und durchführt.

Jägerinnen und Jägern wollen Sie aber verbieten, Füchse, Waschbären, Marderhunde, Minke und Marder weiterhin mit Fallen fangen zu dürfen?! Schauen Sie sich doch mal die Streckenzahlen von Waschbär, Marderhund, Fuchs und Mink in Deutschland an! Dabei werden Sie feststellen, dass diese Zahlen nur die Spitze eines riesigen Eisberges sind.

Da sich die niedlichen Waschbären nun schon an Krötenzäunen einfinden, um die wandernden Tiere aus den Sammeleimern zu angeln, sie dann geschickt häuten und anschliessend verspeisen, können wir die fantasievollen Ausführungen eines Ingo Ludwichowski vom NABU Schleswig-Holstein jetzt wohl entgültig als widerlegt betrachten?! 😉 Zitat Ludwichowski: “Kein Grund zur Panik
Vielfach wird das Auftreten des Waschbären kritisch gesehen, doch besteht, entgegen ersten Befürchtungen auch in Naturschutzkreisen, nach allen bisherigen Erfahrungen und neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen kein Grund zur Panik. Der Waschbär hat sich in den fast 50 Jahren, in denen er auch in Schleswig-Holstein heimisch geworden ist, gut in unsere Natur integriert und schädigt auch keine anderen Arten nachhaltig. Er kann mittlerweile quasi als “einheimisch”, d.h. als “natürlicherweise vor Beginn des menschlichen Einflusses oder danach z. B. durch natürliche Klimaänderungen eingewandert oder aus einheimischen Arten evolutionär entstanden (wiss. Def. für “einheimisch)”, betrachtet werden.

Willkommen in der Realität, Herr Ludwichowski!

Herr Miller, warum stellen Sie die Menschen an den Pranger, die seit Jahrzehnten im Stillen die Arbeit erledigen, ohne die es in der heimischen Natur schon längst sehr still geworden wäre?

Dass die Bejagung streunender bzw. verwilderter Hauskatzen ein Reizthema ist, wissen ihre grünen Freunde sehr genau. Denn sie nutzen den Kuscheltierfaktor allzu gern zur dumpfen Stimmungsmache gegen die Jagd in Deutschland.

Wider besseren Wissens steigen Sie, ohne Not, mit ins Boot der Jagdgegner, lassen sich auf dem grünen Fluss weit abtreiben und singen mit ihnen gemeinsam das Lied von der hölzernen Wurzel, anstatt kräftig gegen den Strom zu rudern um vernünftige Ziele zu erreichen. Das ebenfalls sensible Thema “Wolf” bezeichnen Sie als, Zitat: “Lackmus-Test” und verkünden weiter “Der Umgang mit dem Rückkehrer wird zeigen, ob die Jägerschaft in der Gegenwart ankommt oder weiter Positionen aus der Märchenzeit aufrechterhalten will“ Für viele der Jägerinnen und Jäger, ist dies dagegen eher ein Test der Glaubwürdigkeit des NABU. Ihr Verband verdient am Verkauf von sogenannten “Wolfspatenschaften”.

Was von diesem Geld kommt bei den Wanderschäfern bzw. den Schäfereibetrieben an? Während Ihre Agitatoren fleißig durch das ganze Land reisen, um die Wiederkehr der Wölfe, geschickt und sehr erfolgreich zum Spendensammeln zu nutzen, bleibt der eigentlich betroffene Weidetierhalter schutzlos im Regen stehen. Warum helfen Sie diesen Menschen jetzt nicht?

Ganz große Freude kommt natürlich auch dann auf, wenn man sich die neueste Methode der gezielten Massenverdummung betrachtet. Da wurden allen Ernstes Wolfs- Kinderlieder gedichtet, die man Schulkindern in Gegenwart der bewährten Pappwölfe vorklatscht- geht’s noch? So richtig toll wirken solche naiven Liederstunden mit dem NABU dann, wenn der liebe scheue Wolf danach auch noch vollkommen entspannt vor der Grundschule bzw. der Kita rumtippelt, wie es jüngst in Rathenow geschah.

Ihre selbsternannten “NABU-Wolfsexperten” schrecken noch nicht einmal davor zurück, die richtigen und mutigen Entscheidungen, bezüglich der schnellen Entnahme der “Problemwölfe” durch Landregierungen, die zum Schutz der Bevölkerung gefällt wurden, öffentlich anzuzweifeln. Ich erinnere in diesem Zusammenhang gern an das wohl verrissenste Videostatement des Herrn Bathen, der, nur mit Hilfe eines verwackelten Handyfilmchens, die Leute mutig von der Harmlosigkeit eines angefütterten Wolfes zu überzeugen versucht.

Leider haben Ihre naturentfremdeten Schreiberlinge ein sehr großes Problem damit, wenn man auf den Facebookseiten des NABU diese Dinge öffentlich hinterfragt! Da hilft dann nur noch das schnelle Blockieren meiner Person, um weiteren kritischen Nachfragen dauerhaft aus dem Weg zu gehen, oder? In Anbetracht dieser Tatsachen, ist es wohl eher höchste Zeit für einen Lackmus-Test in Ihren eigenen Reihen, denn DIALOG geht irgendwie anders!

Solange Sie öffentlich Wasser predigen und gleichzeitig Wein trinken, bleibt mein NABU- Basecap fein sauber an der Flurgarderobe hängen. Denn der Frust, der mir während des Tragens inzwischen bei der Begegnung mit Schäfern, Mutterkuh- Haltern und Landwirten entgegenschlägt, ist keine gute Basis für eine Zusammenarbeit in der Natur. Der große NABU- Aufkleber, an der Heckscheibe meines Autos ist längst mit einem roten Schriftzug überklebt, auf dem in roten Lettern “NEIN, Danke!” steht. Ich war über eine sehr lange Zeit gern Mitglied im NABU, habe mein Wissen um die Vogelwelt mit viel Freude an FÖJ-ler, Studenten und Praktikanten im NABU- Wasservogelreservat Wallnau weitergegeben und diverse Küstenvogelschutzgebiete an der Ostseeküste mitbetreut. Was mir während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit dort aber immer wieder begegnete, waren Arroganz und Hochmut von einigen Leuten, die mit ihrer abgehobenen Art dem NABU eigentlich nur schaden.

P.S. Der Vogel, den ich Ihnen hier zeige, ist eine junge Möwe, welche ohne die intensive Prädatorenbejagung, sicherlich gar nicht geschlüpft wäre. Gern hätte ich Ihnen einen ganz großen Vogel gezeigt, aber die Seeadler sind gerade mitten im Brutgeschäft!

Herzliche Grüße!

Jens-Werner Dettmann

(Neuauflage eines, noch immer unbeantworteten, offenen Briefes an den Geschäftsführer des NABU-Bundesverbandes, Leif Miller, den ich am 21. März 2015 an ihn richtete.)
Darf gern geteilt werden!”