08/15-Journalismus

08/15-Journalismus

Die Europäische Chemikalienbehörde ECHA (European Chemicals Agency) hat in dieser Woche das Ergebnis ihrer Risikobewertung für den Herbizid-Wirkstoff-Glyphosat vorgestellt. Hier noch einmal die zentralen Aussagen der ECHA aus der Pressemitteilung:

“ECHA’s Committee for Risk Assessment (RAC) agrees to maintain the current harmonised classification of glyphosate as a substance causing serious eye damage and being toxic to aquatic life with long-lasting effects. RAC concluded that the available scientific evidence did not meet the criteria to classify glyphosate as a carcinogen, as a mutagen or as toxic for reproduction.”

Glyphosat ist nicht krebserregend, nicht mutagen und nicht reproduktionstoxisch. Die bisherige Einstufung des Wirkstoffs in die Gefahrengruppen “Schwere Augenschädigung, Kategorie 1; H318” und “Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 2; H411” wurde durch die ECHA bestätigt.

Ausführlich kommentiert wurde die ECHA-Entscheidung im folgenden Media Briefing mit Tim Bowmer, dem Vorsitzenden des Komitees für Risikobewertung:

Jetzt, wo der Krebsverdacht aus der Welt geräumt ist, zaubert die Front der Glyphosat-Gegner ein anderes Kriterium aus dem Hut: Der Wirkstoff schädige die Artenvielfalt. Hier die Aussagen verschiedener Stakeholder aus dem Umweltbereich: BUND, Harald Ebner von den Grünen, sowie Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks:

synopse_pm.png

Weder in der Pressemitteilung noch im Online-Briefing äußert sich die ECHA zu den Auswirkungen von Glyphosat auf die Artenvielfalt. Daher verwundert es, dass die Berichterstattung in den sogenannten Qualitätsmedien zum Teil andere Informationen transportiert. Hier ein Überblick über die zentralen Aussagen von überregionalen Medien: dpa (shz.de), reuters.com, Spiegel Online, Faz.net sowie tagesschau:

synopse_berichte.pngWie kommt der Satz “Unstrittig sind massive negative Einflüsse der Chemikalie auf die Artenvielfalt” bzw. seine Varianten in die Abschnitte, wo die ECHA-Entscheidung skizziert wird? Der Leser bekommt den Eindruck, dass hier Tim Bowmer zitiert wird. Auch das Social Media Team von Faz.net hat den Artikel so verstanden und antwortet auf Facebook einem Kommentator:

“Dass es umstritten ist wird auch erläutert: “Unstrittig sind massive negative Einflüsse der Chemikalie auf die Artenvielfalt.”, erklärt der Vorsitzende der Abteilung für Risikobewertung der ECHA, Tim Bowmer.
Wir empfehlen stets die Beiträge komplett zu lesen, nicht nur die Überschriften. Wichtige Faktoren können dabei verloren gehen. Beste Grüße aus Frankfurt”

Tim Bowmer hat das aber nicht gesagt. Irgendein Journalist hat beim Zusammenbasteln seines Artikels bestimmte Aussagen durcheinander geworfen bzw. vermischt. Oder er oder sie hat versucht, eine Brücke zu bauen zwischen den ECHA-Feststellungen auf der einen Seite und den Äußerungen der Umwelt-Stakeholder auf der anderen. Grundsätzlich ist gegen hermeneutische Nächstenliebe nichts einzuwenden, um eine Sache zu verstehen, aber im obigen Fall wird die Darstellung des Sachverhalts falsch. Die Einordnung in die Gruppe  “Gewässergefährdend, Chronisch Kategorie 2; H411” hat Auswirkungen auf die Zulassung von Präparaten mit dem Wirkstoff. Es werden nämlich bestimmte Auflagen für die Anwendung vorgeschrieben.

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UBA-Bewertungsbericht für Roundup TURBO, S. 81

Aber diese Einordnung hat nicht zu Folge, dass Glyphosat forthin als schädlich für die Artenvielfalt anzusehen ist. Die Auflagen sollen ja genau das verhindern.

Tja, und die anderen Medienkollegen haben einfach vom Urheber des Missverständnisses abgeschrieben, ohne einen Blick in die Original-Pressemitteilung der ECHA zu werfen. Unter dem Begriff “Qualitätsmedien” stelle ich mir etwas anderes vor – Copy & Paste ohne eigene Recherche wird durch “08/15-Journalismus” besser umschrieben.

 

Update, 17.03.2017, 16:22 Uhr:

 

 

Mehr Sicherheit beim Pflanzenschutz

Mehr Sicherheit beim Pflanzenschutz

Im Zuge der Debatte um die Verlängerung der EU-Genehmigung für den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) massiv kritisiert, dass es bei der Risikobewertung der Substanz nicht kritisch genug vorgegangen sei. Jetzt wurden in Deutschland weitere Aspekte in die Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Pflanzenschutzmitteln aufgenommen und weder in den Medien noch in der Fachwelt oder in der Politik findet das irgendeine Resonanz.

Am 23. Februar 2017 veröffentlichte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Änderungen bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln:

“Ab dem 1. März 2017 wird das Ergebnis der vom BfR vorgenommenen kumulativen Risikobewertungen Bestandteil der Bewertungsberichte sein, die das BfR im Zulassungsverfahren erstellt. Das gilt auch für Zulassungsanträge, die sich bereits in Bearbeitung befinden.

Antragsteller werden gebeten, bei Antragstellung ab dem 1. Januar 2018 eine kumulative Risikobewertung in dem entsprechenden Teil des Draft Registration Reports (dRR) einzufügen. Bei Anträgen, die sich in Bearbeitung befinden oder bis zum 31. Dezember 2017 gestellt werden, ist von den Antragstellern nichts zu veranlassen.

Bei der Bewertung von Kumulations- und Synergieeffekten folgt das BfR einem gestuften Konzept, das 2014 veröffentlicht wurde (Human health risk assessment from combined exposure in the framework of plant protection products and biocidal products).”

Das BfR ist in Deutschland bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständig für die Bewertung des gesundheitlichen Risikos eines Präparates. Zukünftig wird das BfR auch berücksichtigen, ob sich aus der bestimmten Formulierung heraus gewisse Risiken ergeben, die über die Risiken der einzelnen aktiven Substanz(en) hinausgehen. Das ist ein Meilenstein bei der Bewertung von Pflanzenschutzmitteln und sucht meines Wissens weltweit seinesgleichen. Das BfR hat hier bereits vor Jahren Forschungsbedarf festgestellt und setzt sich seitdem dafür ein, dass auch die Formulierungen getestet werden. In 2014 hatte das BfR ein Bewertungskonzept vorgestellt, das nun angewendet werden soll.

Die Bekanntmachung des BVLs im Bundesanzeiger gibt weitere Auskunft darüber, wie auf EU-Ebene zukünftig vorgegangen werden soll:

“Ist Deutschland bewertender Mitgliedstaat, erhalten die anderen Mitgliedstaaten die Gelegenheit, in der Kommentierungsrunde die vorgenommene kumulative Bewertung kritisch zu kommentieren. Auch als beteiligter Mitgliedstaat wird Deutschland im Rahmen der Kommentierung des Draft Registration Reports die Bewertung des kumulativen Risikos berücksichtigen, so dass ein fachlicher Austausch zwischen den Mitgliedstaaten gegeben ist.”

Auch bei der Bewertung auf EU-Ebene will das BVL zukünftig den Aspekt der kumulativen Wirkungen mit einbringen. Weiter heißt es:

“Sobald auf europäischer Ebene eine Leitlinie (Guidance Document) zur kumulativen Risikobewertung verabschiedet wurde, erfolgt entsprechend dem darin vorgeschriebenen Zeitplan eine entsprechende Umsetzung auch in die deutsche Zulassungspraxis. Die Berücksichtigung von Kumulations- und Synergieeffekten durch das BfR in den deutschen Bewertungen wird als Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion für die Verbesserung der regulatorischen Konzepte und zu einer Beschleunigung der Harmonisierung der europäischen Bewertungen auf diesem Gebiet verstanden.”

Ziel ist es also, dass die gesundheitliche Bewertung von Pflanzenschutzmitteln auch auf europäischer Ebene verbessert werden soll. Sprich: Deutschland übernimmt hier eine Vorreiterrolle. Es heißt doch immer, dass BfR sei ein Handlanger der Industrie?! Ich denke, diese Ansicht sollte man noch einmal überdenken. Denn ab sofort kommt hierzulande auf die Hersteller ein größerer Aufwand zu, wenn sie Zulassungsanträge für neue Pflanzenschutzprodukte stellen.

 

Links

• Berücksichtigung von Kumulations- und Synergieeffekten bei der gesundheitlichen Bewertung von Pflanzenschutzmitteln

• Bekanntmachung über die Berücksichtigung von Kumulations- und Synergieeffekten in der gesundheitlichen Bewertung von Pflanzenschutzmitteln (BVL 17/02/02)

• Human health risk assessment from combined exposure in the framework of plant protection products and biocidal products

 

 

 

 

 

Bis zum 8. März 2017 teilnehmen!

Bis zum 8. März 2017 teilnehmen!

plakat_bus
Bildnachweis: privat

Dieses freundliche Plakat wurde in Berlin an einer Bushaltestelle gesichtet. Es soll zum Dialog über Landwirtschaft auffordern. Also nichts wie ran: Bis morgen (!) können wir noch beim “Dialog-Forum Landwirtschaft” des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mitmachen: http://www.bmub.bund.de/dialog-landwirtschaft/

#Hormongifte

#Hormongifte

Die Süddeutsche Zeitung berichtete Mitte Februar über die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Umfragetief. In diesem Artikel findet sich die interessante Passage:

“Derzeit heißt die Strategie: Voll auf Öko, den grünen Markenkern. Drei Stunden saß die Parteiführung diese Woche mit den Umweltverbänden zusammen. Nur: Nicht mal in deren Chefbüros wagt man derzeit zu hoffen, dass Klima- und Naturschutz eine entscheidende Rolle im Wahlkampf spielen werden.”

Ich habe mir schon immer gedacht, dass Grüne und NGOs – kurz: Big Green -, sich absprechen, aber so deutlich habe ich das bislang nicht in den Medien wieder gefunden.

Die Meldung veranlasste mich zu einer kleinen Umfrage auf Twitter. Mir wären noch mehr mögliche Themen eingefallen, aber man kann aus technischen Gründen nur vier Optionen vorgeben:

Glyphosat ist der klare “Gewinner” der Umfrage. Aber ich lag anscheinend völlig falsch. Der Öko-Wahlkampf wird eröffnet mit dem Thema “endokrine Disruptoren” – “endo-was”? Ach richtig, viel zu kompliziert, da muss eine griffige Formulierung her: Soll ja als schädlich rüberkommen, also nehmen wir “Gift”, wirken wie Hormone, also “Hormongifte” -perfekt! Wenn wir nachsehen, wer in den letzten Tagen und Wochen so alles mit dem Hashtag “#Hormongifte” oder dem Begriff “Hormongifte” getwittert hat, finden wir das übliche Stelldichein des politisch-ökologischen Komplexes. Man erwähnt und zitiert sich gegenseitig:

Doch worum geht es eigentlich? Endokrine Disruptoren sind Substanzen, die hormonell wirken können und darum natürliche Prozesse, z.B. die Geschlechtsentwicklung des Fötus im Mutterleib, stören. Auf EU-Ebene wird derzeit diskutiert, unter welchen Umständen ein Stoff als endokriner Disruptor gelten soll. Dies hat u.a. Auswirkungen auf die Zulassungspraxis von Pestizid- und Biozid- Wirkstoffen.

Was mir in dieser Debatte mal wieder fehlt, ist die Verhältnismäßigkeit. Es gibt endokrin-disruptiv wirkende Substanzen ganz natürlich in Pflanzen, das sind sogenannte Phytohormone. Sojabohnen zum Beispiel enthalten Stoffe, sogenannte Isoflavone, die ähnlich wie Östrogene wirken können. Das kann gesundheitliche Vor-, aber auch Nachteile mit sich bringen.

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Hormongifte aus der Anti-Baby-Pille finden sich auch im Trinkwasser wieder. Quelle: UBA

Ein weiteres Problem: Durch die Einnahme von Medikamenten wie der Anti-Baby-Pille oder wie Präparaten für die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren geraten Hormone ins Abwasser. Auf die Nomenklatur von Big Green übertragen ist so eine Anti-Baby-Pille quasi eine Hormongift-Bombe. Bislang gibt es keine Vorschriften, dass Substanzen wie das künstliche Östrogen 17α-Ethinylestradiol (EE2) sowie das natürliche Östrogen Estradiol (E2) in den Kläranlagen rausgefiltert werden müssen. Die EU-Kommission hatte Anfang 2012 vorgeschlagen, die pharmazeutischen Wirkstoffe Diclofenac, EE2 und E2 auf die Liste der prioritären Stoffe im Bereich der Wasserpolitik zu setzen. Die Liste führt alle Substanzen auf, für die EU-weit geltende Umweltqualitätsnormen festgelegt worden sind und die langfristig nicht mehr in unseren Gewässern nachweisbar sein sollen. Dazu kam es aber nicht: Es wurde lediglich eine neue Beobachtungsliste eingeführt, auf der die drei Arzneimittel jetzt aufgeführt sind – mit der Perspektive, sie mittel- bis langfristig auf die Liste der prioritären Stoffe zu übernehmen. Das künstliche Östrogen EE2 sowie das natürliche Östrogen E2 – beides endokrin disruptiv wirkende Stoffe – dürfen somit weiterhin im Abwasser von Kläranlagen vorkommen.

Forscher des Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und der Universität Wroclaw konnten nachweisen, dass EE2 bei bestimmten Amphibienarten eine verweiblichende Wirkung hat. Der Leiter der Studie, Evolutionsbiologe Dr. Matthias Stöck, wird in einer Pressemitteilung des Instituts zitiert:

“Die Verweiblichung von Populationen kann neben anderen schädigenden Hormonwirkungen zum Aussterben von Amphibienarten beitragen.”

Weiter heißt es dort, die Ergebnisse der Studie zeigten, dass nach der Exposition mit EE2 bei allen drei untersuchten Amphibienarten bei 15 bis zu 100 Prozent der Tiere eine Geschlechtsumkehr von genetisch männlichen zu weiblichen Tieren auftrete.

Co-Autor der Studie, Prof. Werner Kloas vom IGB, ist ein international renommierter Ökotoxikologe. Er kommentiert die Studienergebnisse:

“EE2 ist auch in unserem Wasserkreislauf enthalten und stellt, zusammen mit anderen östrogenartig wirkenden Stoffen nicht nur für Amphibien, sondern auch für uns Menschen eine ernstzunehmende Beeinträchtigung dar.”

Auch in unserem Trinkwasser wurde nach Unterlagen des Umweltbundesamtes bereits EE2 nachgewiesen. Hormongifte aus Arzneimitteln im Trinkwasser und niemand kümmert sich darum? Statt dessen streiten Grüne und NGOs selbstverliebt um diverse Definitionsspitzfindigkeiten, um Bedrohungen zu verhindern, die im Vergleich zur vorliegenden Abwasserproblematik allenfalls hypothetischer Natur sind. Aber wer will den Menschen schon ihre Verhütungsmittel oder ihre Wechseljahrestherapie madig machen? Nein, dann lieber weiter Angst machen vor diesen endo-dings, ach was, vor den Hormongiften halt, die von Monsanto und Co in die Welt gesetzt werden.

 

Links:

• Scientific principles for the identification of endocrine-disrupting chemicals: a consensus statement

• RICHTLINIE 2013/39/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 12. August 2013 zur Änderung der Richtlinien 2000/60/EG und 2008/105/EG in Bezug auf prioritäre Stoffe im Bereich der Wasserpolitik

• DURCHFÜHRUNGSBESCHLUSS (EU) 2015/495 DER KOMMISSION vom 20. März 2015 zur Erstellung einer Beobachtungsliste von Stoffen für eine unionsweite Überwachung im Bereich der Wasserpolitik gemäß der Richtlinie 2008/105/EG des Europäischen Parlaments und des Rates

 

Bildnachweis: Facebookseite von “Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion”

Nachgehakt: Glyphosat und Biodiversität

Nachgehakt: Glyphosat und Biodiversität

Die Empörungsindustrie fährt ihre Maschinen wieder an: In der vergangenen Woche ging eine Europäische Bürgerinitiative gegen die Verlängerung der EU-Genehmigung für den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat an den Start. Wir erinnern uns: Die EU-Kommission hatte in 2016 die Genehmigung erst einmal bis Ende dieses Jahres verlängert. Man wolle die Risikobewertung durch die Europäische Chemikalienbehörde ECHA (European Chemicals Agency) abwarten. Der Abschlussbericht des ECHA-Gremiums soll bis Ende November 2017 fertig sein:

Während die Wissenschaftler noch Daten zusammentragen und auswerten, ist die Meinungsbildung von NGOs, bestimmten Parteien und manchen Regierungsbehörden bereits abgeschlossen. Bei der Diskussion im vergangenen Jahr waren mir ein paar Tweets von Maria Krautzberger aufgefallen, der Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA). Sie behauptete damals, dass  Glyphosat dramatische Auswirkungen auf die Biodiversität habe. Ich wollte wissen, ob sie dafür Belege hätte:

Und es kam auch eine Antwort:

Das genannte Dokument “Conclusion on the peer review of the pesticide risk assessment of the active substance glyphosate” ist der Abschlussbericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zur Bewertung von Glyphosat. Dort steht auf Seite 18 im Abschnitt “Ecotoxicology”:

“The new proposed reference specification as proposed by the RMS (Germany, 2015) is not supported by the specifications of all applicants. Therefore a critical area of concern was identified.

Some aspects of the risk assessment of glyphosate were discussed at the Pesticides Peer Review Meeting 128 (3–5 March 2015). The RMS raised concerns regarding the indirect effects (biodiversity) on non-target organisms via trophic interaction of extensively used herbicides such as glyphosate. At the meeting there was also an exchange of views on this issue. The experts considered this as an important risk management issue.

For the risk assessment to birds and mammals, it is acknowledged that no specific scenarios are available in the Guidance Document on Risk Assessment for Birds and Mammals (EFSA, 2009) for the spraying applications against emerged annual, perennial and biennial weeds for the representative use ‘all crops pre-planting and post planting’. The RMS used, as surrogate, the worst case scenarios related to the early stage of several crops for the representative uses ‘all crops’ (pre and post-planting). Although it is not clearly indicated in the guidance document (EFSA, 2009), likely the most suitable scenarios might have been those related to ‘not crop directed applications’, which were specifically developed for herbicides applied in orchards. However, the RMS’s approach covered both the latter scenarios and other more conservative ones. Therefore the RMS’s approach was considered acceptable.”

“RMS” steht für “Reporting Member State”, also für den Mitgliedsstaat, der die ursprüngliche Risikobewertung erstellt hat. Das ist im Fall von Glyphosat Deutschland. Und nun dürfen wir dreimal raten, welche Bundesbehörde wohl den Abschnitt über Auswirkungen auf den Naturhaushalt erarbeitet hat: Richtig, das Umweltbundesamt. Aufschluss gibt hier eine Meldung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von 2014. Dort heißt es:

“Bedenken bestehen allerdings in Hinsicht auf den Schutz der biologischen Vielfalt. Zwar ist Glyphosat für Vögel, Säugetiere und Insekten nicht unmittelbar schädlich. Breitbandherbizide wie Glyphosat töten jedoch auf den behandelten Kulturflächen auch diejenigen Pflanzen ab, die Insekten wie Schmetterlingen und Wildbienen Nahrung bieten. Damit kann auch Feldvogelarten wie dem Rebhuhn und der Feldlerche die Nahrungsgrundlage beeinträchtigt werden. Der Bericht empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Genehmigung für Glyphosat mit der Maßgabe zu verbinden, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um solche Effekte und nachteilige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.”

Noch einmal langsam zum Mitschreiben: Die UBA-Präsidentin führt als Beleg für eine Behauptung eine Stelle in einem Bericht an, die ihre eigenes Haus dort reinverhandelt hat. 

Maria Krautzberger nennt eine weitere Quelle:

Dieses Dokument ist eine mehr als 500 Seiten umfassende Untersuchung, die u.a. von Mitarbeitern eines NABU-Instituts verfasst worden ist. Interessanterweise ist das Papier offiziell nach der Abgabe der Glyphosat-Bewertung an die EFSA erschienen. Um direkt zu den für mich interessanten Informationen vorzustoßen, habe ich einfach meinen Computer nach dem Wort “glyphosate” suchen lassen. Es gab 15 Treffer: je einen im Inhalts- und Abbildungsverzeichnis, zwei im Literaturverzeichnis und 11 (in Worten: “elf”) im Fließtext. Außerdem gab es noch zwei Treffer für das deutsche Wort “Glyphosat” im Literaturverzeichnis. Hier die elf Treffer aus dem Fließtext:

S. 20: “The most sold herbicide agent group are the
organophosphorous herbicides (32 %) to which glyphosate belongs.”

S. 22: “2.3.2  Digression – glyphosate as most used herbicide

The use of glyphosate has increased since 2000 (Fig. 2.3.3). In 2007 and 2008 particularly large amounts were used, and in 2011 its use reached the third highest level since 2000. The main area of application of glyphosate in arable farming in Germany is stubble treatment in the first instance, followed by pre-sowing application and desiccation (e.g. for accelerated maturation) according to Dickeduisberg et al. (2012). (…) The use of broad-band herbicides such as glyphosate for stubble treatment and desiccation is economical to the farmer, but not in compliance with the Plant Protection Act (Haffmanns 2007).”

S. 23: “Fig. 2.3.3: Annual domestic use (in t) of Glyphosate in Germany since 2000 (Source: German Parliament brochure 17/7168, 2011).

S. 116: “For example glyphosate has toxic effects on amphibians and causes serious population declines (Relyea 2005) and can lead to cell damage and cancer growth in humans (Marc et al. 2002; Eriksson et al. 2008; Benachour & Séralini
2009; Gasnier et al. 2009). (…) Amphibians could profit in particular, as it has been proved that these are also affected by direct toxic effects of glyphosate, the most widely used broad-spectrum herbicide (see above).”

S. 117: “The most widely used herbicides in Germany are the selective isoproturone (for winter wheat, winter barley, rye, spring barley and spring wheat) followed by the non-selective glyphosate (Eurostat 2007). Broad spectrum herbicides such as glyphosate are frequently applied as pre-emergence herbicides, but also for pre-sowing and post-harvest weed repression, and for desiccation (acceleration of maturation) in the pre-harvest period for instance in cereals and rape (see digression on glyphosate in chapter 2.3).”

Was erfahren wir hier über Glyphosat und die Auswirkungen des Wirkstoffs auf die Biodiversität? Nicht viel: Wir erfahren etwas über Anwendungsweise und -häufigkeit und dass Glyphosat giftig auf Amphibien wirken kann. Letzteres ist lange bekannt und deswegen gibt es auch Abstandsregelungen zum Einsatz des Wirkstoffs in der Nähe von Gewässern. Aber zu den behaupteten indirekten dramatischen Auswirkungen auf die Biodiversität durch Glyphosat finde ich nichts außer Mutmaßungen.

Natürlich reduziert Glyphosat den Pflanzenaufwuchs auf einer Fläche – zum Beispiel vor der Neuaussaat – das macht der Pflug aber auch. Und auch der Biobauer reduziert Biodiversität, wenn er zwischen seinen Maisreihen hackt. Und das muss er tun, wenn er nicht nur Kamille ernten will, sondern Mais.

Mein Eindruck ist, dass hier ein neues Paradigma installiert werden soll, um den Einsatz von Pflanzenschutzmittel generell in Frage zu stellen.

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Bildnachweis: BMUB

Die Antwort

Die Antwort

Letztlich hatte Dr. Barbara Hendricks also doch ein Einsehen: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) wird die Plakatkampagne mit den neuen Bauernregeln nicht fortführen. Dr. Heike Müller, Landwirtin und Vizepräsidentin des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, hatte – wie viele andere auch – an die Ministerin geschrieben. Zu lesen war ihr Offener Brief an Frau Dr. Hendricks auch hier im Blog. Jetzt ist eine Antwort vom Ministerium eingetroffen. Möge sich jeder sein eigenes Urteil bilden:

“Sehr geehrte Frau Dr. Müller,

haben Sie vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 3.Februar 2017 zur Kampagne „Gut zur Umwelt. Gesund für alle.“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

Mit dieser Kampagne haben wir eine öffentliche Debatte angestoßen, die teilweise sehr kontrovers geführt wurde. Unser Ziel war, den Blick auf Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft zu lenken. Unbestreitbar ist beispielsweise der Rückgang der Artenvielfalt in Regionen intensiver Landwirtschaft oder die Belastung des Grundwassers durch die Überdüngung der Böden. Hier müssen wir besser werden: um die biologische Vielfalt zu erhalten, unsere Böden und Gewässer zu schützen und auch für mehr Tierwohl. Landwirte und Naturschützer können das nur gemeinsam erreichen, dafür müssen wir eng zusammenarbeiten und kooperativ nach Lösungen suchen.

Die von uns bisher nur im Internet und in den sozialen Medien veröffentlichten Motive mit neuen „Bauernregeln“ haben auf unkonventionelle, frische und fröhliche Art auf ein wichtiges Thema aufmerksam gemacht. Wie können wir Landwirtschaft und Umwelt besser zusammenbringen? Dass dies ein Thema ist, das viele Menschen beschäftigt, lässt sich auch daran ablesen, dass sich die „Bauernregeln“ in Windeseile verbreitet haben – ohne dass ein einziges großes Plakat aufgehängt werden zu werden brauchte.

Wir sind weiterhin überzeugt, dass unsere Bauernregeln nicht dazu angetan sind, jemanden zu beleidigen oder in seiner Ehre zu verletzen. Die Ministerin nimmt aber zur Kenntnis und respektiert, dass dies von Vielen ganz anders empfunden wurde und wird. Sie hat öffentlich bedauert, dass solche Empfindungen ausgelöst wurden. Deshalb haben wir entschieden, die Bauernregeln im Rahmen der weiteren Kampagne nicht mehr einzusetzen.

Das Thema ist und bleibt der Bundesumweltministerin aber sehr wichtig. Jetzt geht es darum, die Aufmerksamkeit, die wir im ersten Schritt für dieses wichtige Thema erzeugt haben (auch dank der „Bauerregeln“), für einen konstruktiven Dialog zu nutzen – mit Landwirten, Verbrauchern und Naturschützern. Wir setzen uns auch weiterhin für eine Agrarwende in Deutschland ein: Dazu gehört nicht nur, dass Landwirtschaft sozialer und ökologischer werden muss. Wir wollen auch, dass die Agrarfördermittel aus Brüssel umweltgerechter verteilt werden. Bäuerinnen und Bauern sollen faire Preise bekommen – für ihre Produkte und für Leistungen, die sie im Interesse der Gemeinschaft für den Natur- und Landschaftsschutz erbringen. Wie wir diese Ziele erreichen können, dazu wollen wir einen breiten gesellschaftlichen Dialog anstoßen.

Die Kampagne führen wir aber weiter, denn das Thema ist und bleibt wichtig. Der inhaltliche Kern unserer „Bauernregeln“ wurde bisher auch nicht ernsthaft angezweifelt oder widerlegt. Wir nutzen die bis jetzt erreichte Aufmerksamkeit eines großen Teils der Öffentlichkeit für das Thema und gehen einen nächsten Schritt hin zu unserem Kernanliegen: Wir treten in einen breiten Dialog.

Für weiterführende Informationen möchten wir Sie an dieser Stelle auch gern auf die folgenden Links auf der BMUB-Homepage hinweisen:

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag
Ihr Bürgerservice im BMUB

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit
Stresemannstraße 128 – 130
10117 Berlin
E-Mail: buergerservice@bmub.bund.de

www.bmub.bund.de/buergerforum
www.twitter.com/bmub
www.youtube.com/user/Umweltministerium

 

_________________________________

Mal abgesehen davon, dass es nicht stimmt, dass die Plakate “bisher nur im Internet und in den sozialen Medien” veröffentlicht worden sind (siehe Foto): Ist so ein Serienbrief der Sache angemessen?

Mein Fazit: Nutzt die Möglichkeit, Euch einzubringen und schreibt im Dialogforum Eure Sicht in Sachen zukunftsfähige Landwirtschaft. Die ersten Beiträge sind schon da. Ein Blick lohnt sich!

 

Bildnachweis: Plakat mit neuer Bauernregel, gesichtet am Flughafen Berlin-Tegel von Marcus Mager

Aufruf zum Dialog! Wirklich?

Aufruf zum Dialog! Wirklich?

Täglich gibt es neue Positionierungen in den Medien zu den Bauernregeln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Auch die Ministerin selbst hat inzwischen Stellung genommen in einem Brief an ihren Kollegen Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Trotzdem spalten die Sprüche weiterhin die Gemüter. Dr. Barbara Hendricks erläutert in dem öffentlichen Schreiben ihre Motive:

“In der Tat steht dies im Zusammenhang mit dem Bürger-Beteiligungsverfahren zur Zukunft der europäischen Agrarpolitik. Ich möchte dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen in unserem Land sich daran beteiligen. Es geht um das System der Agrarförderung und damit um die Neuordnung des größten Ausgabenpostens in der EU. Über den gesamten nächsten Finanzplanungszeitraum wird es um einen deutlich dreistelligen Milliardenbetrag an Steuergeldern gehen. Da ist es wichtig, dies nicht nur als Diskussion innerhalb der Landwirtschaft anzusehen, sondern eine, die letztlich jeden angeht.”

Die Ministerin möchte also darauf aufmerksam machen, dass EU-weit eine Online-Befragung der Bürger zur Agrarpolitik gestartet ist. Bei dieser sogenannten Konsultation kann jeder seine Meinung äußern, wie die EU ihre Agrarförderung in den nächsten Jahren gestalten soll. Dieses Element direkter Demokratie sollten möglichst viele Menschen nutzen – das sehe ich auch so. Nur, wie gut wurde diese Absicht in den Werbemaßnahmen des BMUB umgesetzt?

Ich möchte mal heute einen handwerklichen Blick auf die Plakat-Motive werfen. Schließlich habe ich auch einmal im PR-Bereich gearbeitet. Wie hätte ich eigentlich die Intention der Kampagne, Dialog und Diskussion zu fördern und die Teilnahme an der Konsultation anzuregen, umgesetzt? Doch schauen wir uns erst einmal eins der Plakate an:
plakat_schwein.jpg
Der geschilderte Sachverhalt wurde hier offensichtlich dem Zwang, eine bestimmte Form einhalten zu müssen, untergeordnet. Auf einem Bein steht ein Schwein gar nicht mehr, würde ich sagen, sondern es liegt wohl eher. Was das Thema Tierwohl im Umweltministerium zu suchen hat, bleibt vermutlich ein Rätsel. Eventuell ist das aber auch eine bewusste Kompetenzüberschreitung, um entsprechende Reaktionen zu provozieren. – Hat ja auch geklappt. – In der Konsultation kommt das Thema Tierschutz aber kaum vor. Teilnehmer, die um mehr Tierwohl bemüht sind, können ihre Präferenz nur bei wenigen Fragen unterbringen.

Ob das Motiv Aufmerksamkeit erweckt, wage ich zu bezweifeln. Normalerweise wird mit großen Fotos oder Bildern gearbeitet – Eyecatchern halt. Wenn ein Plakat allein mit Text Aufmerksamkeit erwecken will, muss die Schrift “knallen”, also klar und deutlich ins Auge fallen. Wir erinnern uns an die “Umparken-im-Kopf”-Kampagne von Opel: Schwarze Blockbuchstaben auf gelben Grund, Logo, flotter Spruch – das hat neugierig gemacht. Die Schrift von den Bauernregelplakaten ist schlecht lesbar. Der Kontrast zum Hintergrund könnte klarer sein. Der Retrochic-Stil hat natürlich einen gewissen Charme, aber das war es dann auch. Es gibt noch einen entscheidenden Unterschied zur Offensive des Autoherstellers: Die Opel-Plakate hatten alle ein sogenanntes Response-Element, also eine einfache Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen, umgesetzt durch einen QR-Code sowie einen Hashtag. Die Plakate des BMUB verweisen lediglich auf die Website “bundesumweltministerium.de/bauernregeln“. Wer soll sich diese Buchstabenkolonne merken, geschweige denn eintippen? Das macht doch keiner. Wer die Mühe auf sich nimmt, gelangt zur Kampagnen-Website http://www.neue-bauernregeln.de/. Warum wurde eigentlich nicht dieser einfachere und viel einprägsamere Link auf die Plakate gedruckt?

Zurück zur Ausgangsfrage: Auf den Plakaten stand ja nichts von der EU-Konsultation zur Agrarpolitik, dann wird bestimmt auf der Website dafür geworben werden. Schließlich wollen wir die Menschen ja animieren mitzumachen. Pustekuchen: Wer auf den roten Button “Mehr Infos zum Thema” klickt, gelangt zu einer Seite, auf der bekannte BMUB-Positionen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und zur sogenannten Intensivtierhaltung recycelt werden, kein Hinweis zur Konsultation. Hinter dem Link “Aktuelles” gelangt man schließlich zu einer Nachrichtenübersicht. Dort gibt es einen Nachrichten-Teaser zur Bürgerbefragung mit Datum vom 4. Februar 2017. Klickt man hierauf gelangt man tatsächlich zur Startseite der Konsultation. Das war jetzt sehr mühselig.

Wenn ich wirklich Menschen motivieren will, an einer umfangreichen Onlineumfrage teilzunehmen, noch dazu an einer sehr langen (rund 20 Minuten) und sehr abstrakten, dann muss ich ihnen zumindest den Start erleichtern, diese Umfrage überhaupt im Netz zu finden, zum Beispiel mit einem QR-Code, der direkt zur Startseite der Befragung führt oder meinetwegen zu einer Website des BMUB, die eventuell noch ein paar technische Tipps gibt. Die im Brief der Ministerin getätigten Aussagen zur Intention der neuen Bauernregeln sind somit in höchstem Maße unglaubwürdig.

Ich hätte mich zudem auf positive Botschaften konzentriert wie “Ringelblum’, Klee und Phacelia sind für die wilden Bienen da.” Mit diesem Satz hätte man die Chancen illustrieren können, die die Neugestaltung der EU-Agrarförderung bietet, nämlich Bauern z.B. bei der Anlage von Blühstreifen und -flächen weiterhin zu unterstützen und damit Lebensräume für Tiere zu schaffen. Wenn man gewollt hätte, wäre es möglich gewesen, alle Themenbereiche positiv zu beschreiben. Damit wäre man den Landwirten dann auch nicht auf die Füße getreten. Wenn man gewollt hätte …

Der Hashtag “#Agrarwende” ist von Bündnis 90/Die Grünen als politischer Kampfbegriff etabliert worden. Der Ausdruck ist damit belegt. Er steht für einen von manchen NGOs zum Teil radikal geforderten Systemwechsel. In ihren Social Media Maßnahmen verwenden auch das BMUB und seine Chefin diesen Hashtag. Darum wundert es etwas, wenn die Ministerin schreibt:

“Erst durch die bewusste Fehldeutung, es handele sich um eine Kampagne gegen die gesamte Landwirtschaft, wird doch ein Zungenschlag herbeigeredet, den es in den Aussagen auf den Plakaten gar nicht gibt.”

Die Plakate sind in der Tat wenig aussagekräftig. Ich glaube inzwischen, sie dienen lediglich dem Zweck, im Netz für Gesprächsstoff zu sorgen. Von daher reicht es nicht, nur die Offline-Inhalte anzuschauen, um den Ärger der Bauern zu verstehen. Auf den nebulösen Inhalt der Plakate angesprochen antwortet der Pressesprecher des BMUB auf Twitter:

War der Shitstorm somit von Anfang an einkalkuliert, um die Inhalte von Hendricks Agrarpolitik bekannter zu machen?

Eins hat Frau Dr. Hendricks mit ihrer Kampagne auf jeden Fall geschafft: Viele Landwirte sind durch die Bauernregeln erst auf die Konsultation aufmerksam geworden und sind jetzt hoch motiviert, den Online-Fragebogen auch gewissenhaft auszufüllen.

Die Ministerin hat dieser Tage jedenfalls viel Gelegenheit, ihre Dialogbereitschaft unter Beweis zu stellen. Denn sie dürfte derzeit eine Menge Post bekommen.

Übrigens: Ich habe den Fragebogen zur EU-Konsultation schon ausgefüllt und abgeschickt. Und Du?