Da ist der Wurm drin

Da ist der Wurm drin

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland postete jetzt einen verwegenen Vergleich auf Twitter: Auf Öko-Äckern würden 450 Regenwürmer je Quadratmeter leben, während auf “Intensiv bewirtschafteten Äckern” – was auch immer das heißt – nur 30 Regenwürmer pro Quadratmeter zu finden seien:

Auf Facebook verwendet der WWF ebenfalls diese GIF-Animation und versieht die Bildchen-Folge mit folgender Botschaft:

“Pro m² leben auf intensiv bewirtschafteten Äckern nur 30 Regenwürmer. Auf Öko-Äckern bis zu 450! Schwere Maschinen, synthetischer Dünger und Pestizide machen ihnen zu schaffen und setzen dem Boden zu. Der Boden verliert seine Kraft und die Erträge sinken. Helft den Würmern!”

Woher holt der WWF diese Aussage und vor allem woher diese Zahlen? Im Kommentarbereich auf Facebook verweist die Organisation auf ihr Regenwurm-Manifest. Dort finden sich die Zahlen wieder (S. 5):

“Die Zahl der Regenwürmer in Äckern ist je nach deren Bewirtschaftung sehr unterschiedlich: Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz haben maximal 30 Tiere pro Quadratmeter. Ein durchschnittlicher Boden in der noch relativ kleinstrukturierten Landwirtschaft Süddeutschlands enthält rund 120. Und auf den Äckern von Sepp Braun, dem bekannten bayerischen „Regenwurm-Bauern“, wurden im Ackerboden 450 Würmer pro Quadratmeter gefunden (Spitzenwerte sogar bis 600), mit einem großen Anteil der tiefgrabenden Art „Tauwurm“.”

Folgt der Leser dann der Fußnote am Ende des Absatzes, gelangt er zu folgender Quellenangabe:

“Bestandserhebungen der LfL Bayern, Angaben aus Ehrmann (2015) und mündlich von Sepp Braun (Freising).”

Die Rekordwerte sind also nur mündlich überliefert, das ist freilich ernüchternd, um nicht zu sagen: Es erinnert an dicke Kartoffeln. Wie Bauer Braun seine Tiere gezählt hat, geht aus den Angaben auch nicht hervor. Dabei gibt es dafür standardisierte Verfahren, damit die Werte auch vergleichbar sind. Wo der Wert “30 Tiere pro Quadratmeter” für “Monokulturböden mit extrem eintöniger Fruchtfolge und sehr starkem Maschinen- und Chemieeinsatz” herkommt, lässt sich anhand der Quellenangaben nicht ermitteln. Die Angaben in Ehrmann 2015 sind größtenteils in der Einheit “g/Quadratmeter” für Regenwurm-Biomasse verfasst, die Zahl der Individuen ist meistens gar nicht angegeben.

Dass der WWF hier einen “Bio=gut und intensiv/Nicht-Bio/konventionell=schlecht”-Gegensatz aufbaut, ist insofern unsachlich, weil Bio oder Nicht-Bio für Regenwürmer nicht ausschlaggebend ist. Damit Regenwürmer im Ackerboden gute Lebensbedingungen vorfinden, sind nach Ehrmann 2015 an erster Stelle folgende Dinge wichtig:

• Schonende Bodenbearbeitung oder Verzicht auf Bodenbearbeitung

• Verfügbarkeit von Nahrung (Pflanzenmaterial)

Beide Aspekte werden im Ackerbau vor allem bei Direktsaatsystemen berücksichtigt und das schlägt sich direkt in der Regenwurmmenge nieder:

ehrmann.png
Quelle: Ehrmann 2015, S. 22 (S. 146)

Leider wird gerade im Ökolandbau auf den Pflug und andere mechanische Verfahren zur Beikräuter-Regulierung zurückgegriffen. Für die Regenwürmer ist das Gift.

Nach den beiden oben genannten Aspekten erwähnt der “bekannte Regenwurmforscher Otto Erdmann” (Zitat WWF) noch Pflanzenschutzmittel, Bodenverdichtung, Fruchtfolge und Landschaftsstruktur. Bei den Pflanzenschutzmitteln gilt vor allem das auch im Ökolandbau eingesetzte Kupfer als schädlich für Regenwürmer. Das Mittel Cuprozin progress zum Beispiel ist im Bio-Landbau u.a. für die Behandlung von Mehltau bei Weinreben oder Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt im Abschnitt “Auflagen” über das Mittel:

“Das Mittel wird als schädigend für Regenwurmpopulationen eingestuft.”

Komisch, das Wort “Kupfer” kommt im Regenwurm-Manifest des WWF gar nicht vor. Dagegen darf natürlich der Buhmann der konventionellen Landwirtschaft nicht fehlen: Glyphosat. Es gibt eine Studie (Gaupp-Berghausen et al. 2015), die angeblich nachgewiesen hat, dass Glyphosat Regenwürmer schädige. Es gab von verschiedenen Seiten Kritik an der Methodik dieser Arbeit (siehe dazu die Links unter dem Artikel), der Hauptkritikpunkte aus meiner Sicht sind:

• Die Versuche wurden nicht mit dem Wirkstoff Glyphosat durchgeführt, sondern mit einer Fertigmischung.

• Die Fertigmischung wurde während der Versuchsreihe geändert.

• Die Fertigmischung, bei der letztlich die negativen Ergebnisse auftauchten, enthielt das aggressive Kontaktherbizid Pelargonsäure.

• Die Fertigmischung wurde in unrealistisch hoher Aufwandmenge aufgebracht.

• In der Kontrollgruppe hätte ebenfalls die Vegetation entfernt werden müssen, um eine Vergleichbarkeit herzustellen.

Das Kontaktherbizid Pelargonsäure schädigt nachweislich Regenwürmer. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA schreibt in ihrer Risikobewertung zu Pelargonsäure (S. 2-3):

“For pelargonic acid, data gaps to address the following aspects of the ecotoxicological risk assessment were identified: aquatic organisms, bees, in-field populations of non-target arthropods, earthworms, soil microorganisms and non-target plants (seedling emergence). A low risk to birds, mammals and sewage treatment organisms was concluded. A risk was identified for earthworms and in-field populations of non-target arthropods.”

Kurzum: Ich bin gerne bereit, über Vor- und Nachteile verschiedener Anbauverfahren zu diskutieren – der WWF hatte ja auch auf unseren Offenen Brief an Ministerin Hendricks reagiert – aber bitte auf Basis von anerkannten wissenschaftlichen Methoden sowie ohne ideologische Scheuklappen und Rosinenpickerei.

 

Links zu Bodenbearbeitung und Regenwurmdichte:

Otto Ehrmann 2015: “Regenwürmer in den Böden Baden-Württembergs
– Vorkommen, Gefährdung und Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit”

Werner Jossi et al. 2011: “Reduzierte Bodenbearbeitung schont die Regenwürmer”

• Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft: Regenwurmhäufigkeit bei dauerhaft konservierender Bodenbearbeitung

“Direkt gesät”

 

Links zu Gaupp-Berghausen et al. 2015:

Glyphosat, die BOKU und der Regenwurm

• Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH: Stellungnahme zur Regenwurm-Studie der BOKU 

• Dead plants are probably bad for earthworms

EFSA: Peer Review of the pesticide risk assessment of the active substance fatty acids C7 to C18, EFSA Journal 2013;11(1):3023

 

Bildnachweis: Screenshot WWF

 

Die Rückkehr des Rebhuhns

Die Rückkehr des Rebhuhns

Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland hat das Thema Landwirtschaft für sich entdeckt. Heute wird uns folgendes Filmchen auf Facebook präsentiert:

Die dazugehörige Message: Das Rebhuhn stehe kurz vor dem Aussterben, schuld sei vor allem die intensive Landwirtschaft, die vielen Pestizide würden das Futter für die Küken vernichten.

Mal abgesehen davon, dass der dargestellte Vogel eher an eine Bronze-Pute als an ein Rebhuhn erinnert und da “Rephühner” steht, stimmt diese Aussage so einfach nicht. Die Gründe für den Bestandsrückgang bei den Rebhühnern sind vielfältig und dürften auch regional variieren. In diesem Film über ein Wiederansiedlungsprojekt in Großbritannien wird deutlich, welche Bedürfnisse Rebhühner haben und welche Aspekte beachtet werden müssen, um ihren Bestand zu sichern:

Drei Dinge sind danach wichtig:

• Deckung und Winterquartier: Hecken sowie Bestände mit langen Gräsern bieten den Tieren auch in der kalten Jahreszeit Schutz

• Nahrung: Randstreifen als Unterschlupf für Insekten, Zufüttern mit Weizen im Frühjahr

• Schutz gegen natürliche Feinde: Prädatorenmanagement. Der Bestand von Fuchs, Wiesel, Ratte, Krähe und Elster muss reguliert werden.

Dr. Thomas Gehle von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV), bringt diese Aspekte im Interview mit der “Wild und Hund” in einem Satz auf den Punkt:

“Die erste Option aber, dem Rebhuhn zu helfen, besteht darin, die Beutegreifer in Schach zu halten und dort, wo das Huhn vorkommt, für optimale Nistmöglichkeiten und ganzjährig verfügbare Nahrung zu sorgen.”

Bei einem Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen versucht man es bislang ohne spezielles Prädatorenmanagement – mit entsprechenden Ergebnissen:

“Fünf Jahre lang haben wir die Lebensläufe von 139 besenderten Rebhühnern mittels Telemetrie verfolgt und Daten zur Habitatnutzung, zur Mortalität, zum Reproduktionserfolg und zur Mobilität gesammelt. Die Nester lagen fast ausschließlich in Bereichen mit mehrjähriger Vegetation. Ein Viertel der Nester wurde in Blühstreifen angelegt. Die Sterblichkeit der Rebhühner war hoch, fast alle Todesfälle waren auf Prädation zurückzuführen. Bei Hennen war die Mortalität zur Brutzeit am höchsten: nur 50% der Hennen überlebten den Sommer. Im Herbst war die Sterblichkeit der Rebhühner am geringsten. Im Winter bei Schneelage war das Risiko gefressen zu werden fünfmal höher als an Tagen ohne Schnee. 82% der Todesfälle bei Hennen wurden Raubsäugern zugeschrieben. Auch Gelegeverluste traten häufig auf. Hennenverluste auf dem Nest und Gelegeverluste bedingten, dass nur 30% der Gelege zum Schlupf kamen.”

Das LANUV in NRW hat ein Faltblatt für Jäger und Landwirte herausgebracht mit Tipps, wie dem Rebhuhn geholfen werden kann. Betont wird die Bedeutung der Zusammenarbeit beider Gruppen:

“Eine solch umfassende Hilfe für das Rebhuhn wird erfolgreich, wenn Landwirte und Jäger Hand in Hand zusammen aktiv werden. Fangen Sie gleich damit an!”

Dem kann ich mich nur anschließen: Fangen Sie gleich damit an!

 

Links

• The Return of the Grey Partridge (Originalvideo vom Game & Wildlife Conservation Trust)

• Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

• Wie ist der drastische Rückgang des Rebhuhns (Perdix perdix) aufzuhalten? Erfahrungen aus zehn Jahren mit dem Rebhuhnschutzprojekt im Landkreis Göttingen

• Beschreibung des Projektes “Wildtiermanagement und Naturschutz in der Fehmarnbeltregion”

• Hilfe für das Rebhuhn – Tipps für Jäger und Landwirte

• Rebhuhnschutzprojekt der Stiftung Lebensraum Thüringen e.V.

• Wild und Hund: Rebhuhn Interview Dr. Thomas Gehle 

• Game & Wildlife Conservation Trust

• Restoration of a wild grey partridge shoot: a major development in the Sussex study, UK

Bildnachweis: Robert Kreinz, http://www.photograph-austria.at/

Gentechnik für Kenia

Gentechnik für Kenia

In diesem Blog habe ich einmal einen Offenen Brief von Gilbert Arap Bor veröffentlicht. In dem Schreiben plädiert der Kenianische Bauer an die EU-Parlamentarier, eine Resolution zum Programm New Alliance for Food Security and Nutrition der G8-Staaten nicht anzunehmen.

Jetzt schrieb mich Gilbert über Facebook an: Er hat wieder einen Artikel veröffentlicht und das Deutsche Fernsehen war auf seiner Farm und hat ihn interviewt. Am 23. Juni 2017 werde eine Dokumentation gesendet, freute er sich. Die Dokumentation läuft heute Abend um 19:30 Uhr im Weltspiegel in der ARD und ist bereits online abrufbar:

Leider kommt Gilbert Arap Bor mit seinem Plädoyer für gentechnisch verbesserte Maissorten in dem Film nicht vor. Das ist sehr schade. Daher veröffentliche ich an dieser Stelle seinen Artikel auf Deutsch:

“Ein Bauer aus Kenia fordert die Anbauerlaubnis für Gentechnik-Mais

In diesem Jahr habe ich die Verwüstung der Gegenwart gesehen und war Zeuge der Hoffnung für die Zukunft.

Leider ist derzeit Wahlkampf und alle scheinen am meisten darüber besorgt zu sein, wer am 8. August auf welche Position gewählt werden wird.

Kenia steht vor einer wichtigen Entscheidung für seine Bauern und seine Ernährungssicherheit: Will unsere Regierung weitermachen, sich mit Trockenheit und Schaderregern abzukämpfen oder will sie die Wissenschaft aufgreifen, die unsere Zwangslage mildern und unsere Menschen ernähren kann?

In diesem März habe ich auf meiner kleinen Farm in der Nähe von Eldoret in West-Kenia sechs Hektar Mais als Viehfutter gepflanzt. Aufgrund einer langen Dürre keimte und wuchs der Mais nicht. Daher musste ich im April abermals Mais säen und die zusätzlichen Kosten für das zusätzliche Saatgut tragen. Die meisten meiner Nachbarn teilten dieses leidige Schicksal mit mir.

Für kleine Familienbetriebe wie uns ist das eine gravierende Aufwendung – und damit die Art von Frustration, die uns hinterfragen lässt, warum wir überhaupt Landwirtschaft betreiben.

Die gute Nachricht ist, dass der Regen schließlich kam. Die schlechte Nachricht ist, dass dann ein anderes Problem auftauchte: ein ausufernder Befall mit dem Herbst-Heerwurm, der jeden grünen Aufwuchs verschlingt, einer invasiven Art die eine der am schwierigsten zu kontrollierenden Schädlinge überhaupt ist. Diese Raupen feierten Festmahl auf Pflanzen in meinem ganzen County Uasin Gishu und zwei Dutzend anderer Distrikte, einschließlich die Counties Bungoma, Kakamega, Nandi und Trans Nzoia in Kenias traditioneller Brotkorb-Region.

Ein aktueller Bericht an den Sekretär des Ministeriums für Ackerbau, Nutztierhaltung und Fischerei, Dr. Tuimur, stellt fest, das von 1,92 Millionen Hektar Mais, die durch Kenianische Bauern in diesem Jahr gepflanzt worden sind, mehr als 800.000 bedroht und 200.000 Hektar befallen sind.

Bauern müssen sich ständig Herausforderungen stellen, insbesondere durch Wetter und Schädlinge. So ist das vielleicht unser Los und wir sollten uns nicht beschweren.

Aber das ist nicht das, was ich glaube – zumindest nicht im Zeitalter der Biotechnologie, wenn bewährte Forschung Abhilfe schaffen kann durch ein verbessertes Verständnis von Saatgut-Genetik.

Leider hat Kenia den Anbau gentechnisch verbesserter Nutzpflanzen noch nicht eingeführt. Wir haben gesehen, wie diese Pflanzen den Ackerbau in Nord-und Süd-Amerika und sogar in den Sub-Sahara-Staaten Burkina Faso und Südafrika revolutioniert haben. Dort kommen die Landwirte in den Genuss von Rekordernten, die sie zu einem großen Teil der Biotechnologie verdanken.

Ein aktueller Bericht der Organisation International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) stellt fest, dass in 2016 die Landwirte rund um den Globus mehr Gentechnikpflanzen angebaut haben als jemals zuvor. Die größte Mehrheit von ihnen sind Kleinbauern in Entwicklungsländern – genau die Art Bauern, die auch die Landwirtschaft in Kenia prägen.

Währenddessen schauen wir in Kenia zu und leiden.

Die Tragödie ist, dass wir wissen, was wir tun müssen, und dies ist, die Gentechnik-Pflanzen anzubauen, die Kenianische Forscher in den letzten Jahren entwickelt und getestet haben. Am 11. Mai begann die Kenianische Organisation KALRO (Kenya Agricultural and Livestock Research Organization) das zweite Jahr mit beschränkten Feldtests, um eine Maissorte zu untersuchen, die den Heerwurm abwehrt.

Ich nahm an der wegweisenden Zeremonie in Kitale teil und war davon beeindruckt, die akribische Planung hinter den Feldversuchen zu erleben. Forscher pflanzten Gentechnik und Nicht-Gentechnik-Mais nebeneinander und sorgten dafür, dass die Pollen nicht bis zu anderen Farmen abdrifteten.

Das ist ein bedeutender Meilenstein, aber genauso gut eine Erinnerung, dass wir uns zu langsam bewegt haben. Wenn diese Gentechnik-Technologie für die Bauern in Kenia in diesem Jahr bereits verfügbar gewesen wäre, hätten wir nicht diese Verluste erleiden müssen, die wir jetzt schon haben, und wären bewahrt worden vor diesen lähmenden Effekten des Herbst-Heerwurmes – und wir wären in einer viel besseren Ausgangslage, um unsere Familien und unser Land zu ernähren.

Stattdessen importierte die Kenianische Regierung, um der akuten Knappheit an Nahrung zu begegnen, Hunderte Tonnen Mais aus Südafrika und Mexiko sowie gelben Mais aus Russland und der Ukraine, genau wissend, dass diese Länder BT-Mais anbauen. Im Prinzip bezahlen sie ausländische Bauern für das, was Bauern in Kenia in der Lage sein sollten zu ernten, wenn sie denn Zugang zu den richtigen Werkzeugen hätten. Außerdem mussten wir nationale Agrar-Fördermittel umverteilen, damit Bauern zusätzliche Pflanzenschutzmittel kaufen konnten. Das ist der einzige Weg, den uns unsere Regierung gewährt, um unsere Pflanzen vor den verheerenden Schäden durch den Heerwurm zu schützen.

Gentechnik-Pflanzen werden nicht alle unsere Probleme lösen, aber sie sind ein klarer Fortschritt, wenn wir versuchen unsere drei Ziele zu erreichen: ein Einkommen für die Bauern, Nachhaltigkeit für die Umwelt durch Reduktion des Pestizideinsatzes sowie Ernährungssicherheit für die Kenianer im ganzen Land.

In diesem Anbaujahr haben wir durch die Schwierigkeiten gelitten und unseren Preis gezahlt. Wir haben auch das Potenzial einer sicheren Lösung gesehen. Nun, um unser Kenia willen, müssen wir moderne Wissenschaft annehmen und uns in Richtung Zukunft bewegen. Die Regierung muss den Anbau der Gentechnik-Maissorten, die durch KALRO entwickelt worden sind, erlauben.”

Dieser Artikel erschien zuerst am 26. Juni 2017 in Daily Nation (Nairobi, Kenia).

 

Bildnachweis: Gilbert Arap Bor

 

 

“Übernehmen Sie Verantwortung!”

“Übernehmen Sie Verantwortung!”

Offener Brief an Ministerin Dr. Barbara Hendricks

Unter der Federführung von Susanne Günther (schillipaeppa.net) schreiben die Agrarblogger von www.blogagrar.de und www.bauerwilli.com einen offenen Brief an die Bundesumweltministerin Hendricks. Anlass ist ein Treffen des Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Nahrungs- und Futtermittel (PAFF) am 19. Juli zu einer erneuten Diskussion über Glyphosat.

Hier der volle Wortlaut: Continue reading ““Übernehmen Sie Verantwortung!””

Wie Kalifornien vor Krebs warnt

Wie Kalifornien vor Krebs warnt

“Kalifornien warnt vor Glyphosat” titelt die Süddeutsche Zeitung. Redakteurin Silvia Liebrich führt aus:

“Der umstrittene Pflanzenvernichter wird dort als krebserregend eingestuft. Am 7. Juli soll er auf eine Liste mit Chemikalien gesetzt werden, deren krebserregende Wirkungen bekannt sind. Das teilte die Behörde für die Einschätzung umweltbedingter Gesundheitsgefahren mit.”

Andere Zeitungen erwecken in ihrer Berichterstattung den Anschein, als hätte hier eine neue Risikobewertung stattgefunden. So reiht Spiegel Online die Einordnung ein in die Reihe von Glyphosat-Bewertungen durch die internationale Krebsforschungsagentur der WHO (IARC), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA). Dabei hat die die zuständige Kalifornische Behörde, das California Environmental Protection Agency’s Office of Environmental Health Hazard Assessment (OEHHA), gar keine eigene Beurteilung vorgenommen. Die Faz schreibt gar von einer “schwarzen Liste”.

Worum geht es? Im September 2015 hatte das OEHHA angekündigt, Glyphosat auf die sogenannte Proposition-65-Liste zu setzen. Damit folgt die Behörde schlichtweg ihren Regeln, die vorsehen, eine Substanz auf dieser Liste aufzuführen, sobald die IARC feststellt, dass die Substanz im Tierversuch und/oder beim Menschen Krebs erzeugt. Die IARC hatte im März 2015 in ihrem Bericht festgestellt, dass Glyphosat im Tierversuch krebserregend sei. Somit muss das OEHHA den Herbizid-Wirkstoff  in die Proposition-65-Liste aufnehmen. Monsanto hatte dagegen geklagt, jedoch vor Gericht verloren. Obwohl Monsanto angekündigt hatte, Berufung einlegen zu wollen, meldete das OEHHA jetzt, Glyphosat zum 7. Juli 2017 in die Proposition-65-Liste aufzunehmen.

Die Konsequenz des Listeneintrags ist, dass Hersteller bzw. Verkäufer der Produkte, die gelistete Substanzen enthalten, Warnhinweise veröffentlichen müssen, und zwar direkt auf dem Produkt oder durch Hinweise an der Verkaufsstelle. Auf der Proposition-65-Liste stehen übrigens auch Stoffe wie Acrylamid, Aspirin, die Anti-Baby-Pille, Kaffeesäure, Ruß, Estragol (z.B. enthalten in Basilikum), Östrogene in Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden, Aloe Vera Extrakt, Testosteron, Tabakrauch, Holzstaub, Alkohol aber auch Vitamin A ab einer bestimmten Dosis. Bei alkoholischen Getränken muss der Warnhinweis folgende Sprachregelung enthalten:

“WARNING: Drinking Distilled Spirits, Beer, Coolers, Wine and Other Alcoholic Beverages May Increase Cancer Risk, and, During Pregnancy, Can Cause Birth Defects”

Da die Liste sehr umfangreich ist und nahezu überall Spuren von Substanzen zu finden sind, die im Tierversuch krebserregend sein können, finden wir in Kalifornien einen wahren Schilderwald mit Proposition-65-Warnhinweisen. In jedem Starbucks-Laden sowie in jeder McDonalds-Filiale in Kalifornien müssen Aufsteller vorhanden sein, auf denen vor Acrylamid gewarnt wird, das in Pommes und Kaffee enthalten ist. Beim Betreten von Disneyland, Parkplätzen und anderen Einrichtungen wird gewarnt. Beim Verkauf von Keramik und Brennholz muss – per Gesetz – ebenfalls gewarnt werden.

Auch Bio-Produkte sind zum Teil mit Warnhinweisen ausgestattet, weil sie von Natur aus Stoffe wie Arsen, Blei, Kadmium, Quecksilber oder Nickel enthalten. Das bringt die Hersteller oft in Erklärungsnot. So schreibt Now, ein Hersteller von Bio-Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln auf seiner Website:

“The listing of a chemical under Prop 65 could be the result of tests on laboratory animals. Prop 65 standards for warnings are often very stringent. For example, for reproductive toxicants, the level for warnings is 1000 times lower than the lowest level at which animal studies reported no reproductive health effect. A Prop 65 warning does not automatically mean that the product is unsafe.”

Eine Warnung nach Prosposition 65 auf der Packung bedeutet danach nicht, dass der Verzehr des Produktes wohlmöglich unsicher ist.

Die Süddeutsche schreibt:

“Kalifornien könnte damit der erste Staat in den USA werden, in dem das häufig verkaufte Mittel Roundup, das auf Glyphosat basiert, einen entsprechenden Warnhinweis zur krebserregenden Wirkung auf der Packung trägt.”

Tja, aber wirklich vom Hocker reißen würde das in Kalifornien wahrscheinlich niemanden.

 

Links:

• Proposition-65-Liste

What does warning label from California really mean?

 

 

Direkt gesät

Direkt gesät

Na, hat der Bauer oben auf dem Bild nicht vergessen, zu pflügen oder zumindest zu grubbern? Wird da etwa in einen stehenden Getreidebestand gesät? – Fast richtig. Das Bild zeigt die Aussaat von Ackerbohnen im Direktsaatverfahren. Das Feld ist nach der Getreide-Ernte nicht mehr bearbeitet worden. Es ist Ausfallweizen aufgelaufen, der über den Winter stehen geblieben ist. Die Maschine schlitzt einen schmalen Spalt in den Boden, legt die Ackerbohnen hinein und drückt den Boden etwas an. Ein paar Tage nach der Aussaat wird der Bauer das Feld mit Glyphosat behandeln. Daraufhin sterben Ausfallweizen und Beikräuter ab und die Ackerbohnen laufen lauf – “grün in grün”.

ackerbohnen_DS_gruen in gruen.jpgDer Vorteil dieser Methode ist, dass der Boden stets von Pflanzenmaterial bedeckt ist. Das beugt Erosion vor. Und: Dadurch das immer organisches Material verfügbar ist, verfügen Direktsaatflächen über ein reges Bodenleben. Auch zahlreiche Insekten finden dort immer Unterschlupf und werden nicht durch wendende Bodenbearbeitung dezimiert. Denn auf Pflug und Grubber wird im Direktsaat-Ackerbau komplett verzichtet. Auf diese Weise bleibt die natürliche Bodenstruktur erhalten. Auch das wirkt gegen Erosion, weil bei Starkregenfällen die oberste Bodenschicht nicht abgetragen wird.

Storchbesuch auf Ackerbohnen.jpgUm Bodenverdichtungen zu vermeiden, ist der Schlepper mit einer Reifendruckregelanlage ausgestattet. Das heißt: Wenn der Schlepper von der Straße auf das Feld fährt, lässt der Fahrer Luft aus den Reifen. Und wenn der Schlepper nach erledigten Feldarbeiten wieder zurück auf die Straße fährt, werden die Reifen wieder aufgepumpt.

Thomas Sander aus Sachsen setzt seit mehr als zehn Jahren auf Direktsaat. Nach ersten Lehrjahren profitiert er inzwischen von dem Ackerbausystem. Auch seine Verpächter, die wegen des Glyphosateinsatzes skeptisch waren, hat er überzeugt. “Ich habe gesagt, nehmt einen Spaten und schaut Euch einfach den Boden an. Und sie waren begeistert: “Das ist ja wie Gartenerde!”” Versuche haben gezeigt, dass Sanders Ackerböden bis zu zehnmal soviel Wasser aufnehmen können, wie herkömmlich bewirtschaftete Flächen. Die Biodiversität wird gerade im Rahmen eines Projektes untersucht.

Auf den 430 ha Ackerland von Thomas Sander wachsen rund 180 ha Winterweizen, 45 ha Körnermais, 80 ha Winterraps sowie 70 ha Ackerbohnen. Der Rest sind Greeningflächen. Die Winterbegrünung wird mit Schafen beweidet. Die Fruchtfolgen sind elementarer Teil des Direktsaat-Systems, ebenso wie das Glyphosat. Weil auf die Bodenbearbeitung verzichtet wird, wird das Totalherbizid benötigt, um die Beikräuter in Schach zuhalten. Im Endprodukt ist davon später nichts mehr zu finden. Landwirt Thomas Sander erklärt: “Ich exportiere auch Weizen nach Dänemark. Da werden Proben aus jeder Partie im Labor untersucht und es konnte noch nie Glyphosat nachgewiesen werden.”

 

Links:

Eintrag “Direktsaat” auf der Website des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft

Konservierende Bodenbearbeitung/Direktsaat in Sachsen e.V.

Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e.V.

• “Pflanzenbauliche Maßnahmen zur umweltgerechten Bewirtschaftung – Bodenbearbeitung und Düngung” – Vortrag von Dr. Walter Schmidt, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Der Einfluss langjährig differenzierter Bodenbearbeitung auf die Laufkäferfauna eines Feldversuches in Bayern

 

Bildnachweis: Thomas Sander

Aus Platzgründen weggelassen

Aus Platzgründen weggelassen

Man stelle sich vor, es käme heraus, dass der Vorsitzende einer internationalen wissenschaftlichen Kommission bei der Bewertung einer Substanz nicht all sein Wissen einbringt, über das er verfügt. Die europäische Chemikalienagentur ECHA zum Beispiel hat kürzlich festgestellt, dass der Herbizid-Wirkstoff Glyphosat nicht krebserregend ist. Man stelle sich vor, es käme heraus, dass der Vorsitzende des ECHA-Gremiums bei einer breit angelegten Studie mitgewirkt hätte, deren Ergebnisse in Bezug auf Glyphosat noch nicht veröffentlicht worden sind. Da die Ergebnisse noch nicht in einem wissenschaftlichen Fachorgan publiziert worden sind, werden sie nach den Regeln des Gremiums nicht berücksichtigt. Der Vorsitzende kennt die Ergebnisse und hat an einer wissenschaftlichen Veröffentlichung der Studiendaten mitgewirkt. Irgendwann habe man entschieden, in dieser Veröffentlichung aus Platzgründen den Part zu Glyphosat wegzulassen, wird er später unter Eid angeben. Man stelle sich vor, der Wissenschaftler hätte aufgrund der unveröffentlichten Daten Kenntnis gehabt, dass es Hinweise gäbe, dass Glyphosat Krebs errege, und bringt das in seine Gremienarbeit nicht ein. Continue reading “Aus Platzgründen weggelassen”