Das Gift Rizin gilt als Biowaffe und steht auf Liste 1 der Chemiewaffenkonvention. Der Umgang damit unterliegt dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Es gibt kein Gegengift, das die tödliche Wirkung der Substanz aufhalten könnte. Im Jahr 2003 sorgte eine Meldung für Unruhe, dass in einer Londoner Wohnung Rizin gefunden wurde. Man befürchtete, dass es für terroristische Anschläge genutzt werden sollte. Ich habe am Wochenende auch Rizin gefunden. Wo? In einem nordhessischen Kurgarten wachsen rund ein halbes Dutzend der imposanten Rizinus-Pflanzen, auch Wunderbaum genannt. In den Samen der Rizinus-Pflanzen findet sich das giftige Rizin.

Nun frage ich mich: Muss das sein? Was Gärtner privat in ihrem Garten anbauen, ist ihre Sache. Aber müssen in öffentlichen Anlagen, die jedermann zugänglich sind, wirklich solche giftigen Pflanzen wachsen? Problematisch fand ich zudem, dass gleich nebenan Kräuterbeete und Beerensträucher angepflanzt waren, die zum Naschen einluden. Was, wenn ein Kind auf die Idee kommt, die interessanten Wunderbaum-Früchte zu probieren? Die Kräuter und Sträucher waren namentlich gekennzeichnet, aber es war kein Warnhinweis zu finden, dass der Rizinus oder die Engelstrompete daneben irgendeine Gefahr bergen. Was ist los in unserem Hochsicherheitsland, dass natürliche Gifte so verharmlost werden?

Für mich ist absolut widersinnig, dass in Baumärkten das relativ harmlose Schneckenkorn weggeschlossen wird und nur nach Beratung verkauft werden darf, während Fingerhut und Eisenhut noch nicht einmal als Giftpflanze deklariert werden müssen.

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