Der Ausstieg aus der Kernenergie ist in Deutschland beschlossene Sache. Gleichzeitig fordern Umweltorganisationen und die Grünen, dass hierzulande auch die Stromerzeugung mit Braun- und Steinkohle aufgegeben werden soll. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat daher einen Fahrplan Kohleausstieg entwickelt. Mit dieser Roadmap wollen die Grünen aufzeigen, wie der Ausstieg aus der Kohle innerhalb der nächsten 20 Jahre gelingen soll. Darin heißt es im Anschnitt “Ökonomischer Rahmen”:

“Im Stromsektor hat dieser Bedeutungsverlust erst mit Beginn der Energiewende vor 16 Jahren begonnen. Damals wurde die Hälfte des Stroms aus Kohle gewonnen, je zu gleichen Teilen aus Braun- und Steinkohle. Heute sind es immer noch rund 40 Prozent Kohlestrom im deutschen Netz. Politik und Wirtschaft sind sich jedoch einig, dass dieser Anteil weiter schrumpfen wird und das Stromversorgungssystem künftig mehr Erneuerbare und vor allem Flexibilität erfordern wird. Die unflexiblen Kohlekraftwerke passen in diese neue Stromwelt nicht hinein. Sie erweisen sich mehr und mehr als Hindernis beim dringend erforderlichen Umbau des Stromversorgungssystems. Auch energiewirtschaftlich ist der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung daher geboten.”

Kohle wird also immer unbedeutender – nahezu von ganz allein. Nur eines verstehe ich daran nicht: Wo soll der ganze Strom denn dann herkommen? Die Organisation Agora Energiewende betreibt im Internet das sogenannte Agorameter. Dort kann sich der Internetnutzer ansehen, mit welchen Quellen bei uns Strom erzeugt wird. Die gelben Berge beschreiben den Solarstrom, den gibt es nur tagsüber, die blauen Wellen beschreiben die Windenergie, die gibt es nur, wenn der Wind weht. Diese Schwankungen sind das Problem. Denn man braucht entweder Speicher, um Strom in nennenswerten Mengen quasi zwischenzulagern, und/oder Kraftwerke, die man flexibel hoch- und runterfahren kann, um die Schwankungen auszugleichen und die Produktion dem Bedarf anzupassen.

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Agorameter vom 2. bis zum 4. Dezember 2016
Am Pfingstsonntag dieses Jahres waren die Wetterverhältnisse immerhin schon einmal so günstig, dass die Erneuerbaren Energien einen Anteil von 82 Prozent des Strombedarfs geleistet haben. Doch um über das gesamte Jahr Strom aus Erneuerbaren erzeugen zu können, fehlt es an Infrastruktur. In den letzten Jahren ist die Förderung für Photovoltaik- und Biogas-Anlagen so unattraktiv geworden, dass kaum noch Neuanlagen gebaut werden. Gegen die Windkraft regt sich vielerorts Widerstand, weil die Eingriffe in die Landschaft massiv sind. Anwohner, Vogelschützer und Waldliebhaber laufen Sturm und gründen Bürgerinitiativen.

Es ist m.E. nicht damit getan, einfach mehr Geld in die Erneuerbaren zu pumpen. Es fehlt einfach noch an Technologie und Infrastruktur. Markige Sprüche mit drolligen Bildern mögen witzig sein, aber wem hilft das? Die Strategie des Kohlefahrplans ist, die Kohlestromproduktion schlichtweg durch Verbote und Verschärfung der Auflagen zu verteuern. Wo der Strom herkommen soll, ist damit für mich nicht geklärt.

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