Auch heute geht es um Gefügel: Wie “Schnäbelschneiden” oder “-kupieren” ist auch der Ausdrück “Kükenschreddern ein Kampfbegriff, der in der öffentlichen Diskussion gerne verwendet wird, um gruselige Bilder im Kopf der Zuhörer zu erzeugen. Es ist richtig, dass männliche Legehennenküken direkt nach dem Schlupf getötet werden, weil ihre Aufzucht sich nicht wirtschaftlich gestalten lässt. Aber mit dem Schredder?

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Die Zeitschrift “FOOD & FARM” wollte der Sache auf den Grund gehen und organisierte ein Gespräch zwischen einem Verbraucher und dem Leiter einer Brüterei. Auf das Thema “Kükenschreddern” angesprochen antwortet Brütereileiter Werner Hockenberger:

“In Ihrer Frage ist schon das erste Missverständnis zwischen der Öffentlichkeit und unserer Arbeit in der Brüterei versteckt. Wenn Sie sich in meinem Betrieb umschauen, entdecken Sie keine Schredderanlage. Sie würden auch keine geschredderten Küken in einer anderen deutschen Legehennen-Brüterei finden. Das Schreddern wird fälschlicherweise als Synonym für das Töten der männlichen Küken verwendet. In Deutschland ist es gängige Praxis, die Küken mit Kohlendioxid zu betäuben – was in der Folge zum Erstickungstod führt.”

Die getöteten Küken würden auch nicht weggeworfen, wie häufig behauptet wird, sondern verwertet. Hockenberger führt aus:

“Die Küken landen nach dem Tod nicht auf dem Müll, sondern im Kühlhaus. Wir haben viele Anfragen von Falknereien, Wildtierparks und Zoos. (…) Für meinen Betrieb ist das ein wichtiger Absatzweg. So wie mir geht es den anderen Brütereien auch. In Deutschland schreddert niemand, da jeder die Chance nutzt, die Kadaver sinnvoll zu nutzen.”

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat Forschungsprojekte gefördert, die eine Geschlechtserkennung schon im Ei möglich machen sollen. Erste Anlagen sollen im nächsten Jahr marktreif werden. Werner Hockenberger ist skeptisch:

“So eine Anlage ist erstens teuer, und zweitens lassen sich Fehldiagnosen damit nicht vermeiden. Ein weiteres Problem ist, dass ich die aussortierten Eier nicht weiterverwerten könnte – ein zusätzlicher Kostenfaktor.”

und er gibt zu bedenken:

“Würde die Politik langfristig das Kükentöten verbieten, müssten mindestens 50 Millionen Mäuse und Ratten als Tierfutter aufgezogen werden. Ich bezweifle mal, ob das die Sache besser macht.”

Naja, Mäuse und Ratten sind nicht so niedlich wie kleine gelbe Flauschbällchen. Vielleicht ist das der Öffentlichkeit ja leichter zu vermitteln …

 

 

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2 thoughts on “Postfaktischer Adventskalender, Teil 8: “Kükenschreddern”

    1. Zur Geschlechtserkennung muss die Eischale angebohrt werden. Damit können dann Salmonellen in das Innere des Eis eindringen. Aus diesem Grund ist der Verkauf von Eiern mit nicht intakter Schale verboten, die Gefahr der Salmonellose ist zu groß.

      Eier mit angebohrter Schale dürften höchstens noch sofort aufgeschlagen und als Flüssigei für Nudeln und Backwaren verwendet werden; da sie 2-3 Tage angebrütet sind (vorher kann man das Geschlecht des Kükens nicht ermitteln) wäre der nächste “Eiernudelskandal” bereits vorprogrammiert.

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