Als ob ich es geahnt hätte: Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat gestern bekanntgegeben, dass sie den Ausdruck “postfaktisch” zum Wort des Jahres erkoren hat. In der Begründung heißt es:

“Die Jahreswortwahl richtet das Augenmerk auf einen tiefgreifenden politischen Wandel. Das Kunstwort postfaktisch verweist darauf, dass es heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt zum Erfolg.”

Auf den weiteren Plätzen landen “Brexit”, “Silvesternacht”, “Schmähkritik”, “Trump-Effekt”, “Social Bots”, “schlechtes Blut”, “Gruselclown”, “Burkiniverbot” sowie “Oh, wie schön ist Panama”. Zur Erinnerung: Das Wort des Jahres 2015 war “Flüchtlinge” gefolgt von “Je suis Charlie” und “Grexit”.

Die Wörter des Jahres sind die Begriffe, die nach Ansicht der Gesellschaft für deutsche Sprache den öffentlichen Diskurs im ablaufenden Jahr entscheidend geprägt haben:

“Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt, aus diesmal rund 2000 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.

Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, sind dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.”

Interessant an der Auswahl des Vereins ist, dass die einzelnen Begriffe m.E. zum Teil stark zusammenhängen. So war sowohl das Referendum zum EU-Austritt von Großbritannien als auch die US-Präsidentenwahl im Vorfeld deutlich von emotional geführten Debatten geprägt. Mit den Fakten nahmen die Akteure es dabei nachweislich nicht so genau. Der Begriff “Social Bots” beschreibt das Phänomen, dass in den Sozialen Netzwerken manchmal gar keine Menschen mehr agieren, sondern per Computerprogramm die Diskussion mit automatisch generierten Einträgen beeinflusst werden soll. “Silvesternacht” steht für die Übergriffe auf Frauen zum Jahreswechsel in Köln, die von offiziellen Stellen und den Medien erst gar nicht berücksichtigt worden sind und erst nach breiter Kritik mit ihrer gesamten Brisanz ins öffentliche Bewusstsein gedrungen sind.

Wollen wir hoffen, dass die Politiker hierzulande die Botschaft verstehen, sich fürs Wahljahr 2017 gute Vorsätze machen und sich letztlich auch daran halten.

 

Bildnachweis: Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.

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