Am kommenden Samstag wird es in Berlin wieder zwei Demos zum Thema Landwirtschaft geben. Christina Annelies, selbst nicht Landwirtin wohlgemerkt, erklärt auf Facebook, welche Veranstaltung sie empfiehlt:

“Jetzt mache ich mal Reklame für die “Wir machen Euch satt- Kundgebung”!
Ich habe nämlich zahlreiche Gründe, warum ich nicht bei der „Wir haben es satt“-Kundgebung kommenden Samstag in Berlin mitlaufen werde. Warum ich mich nicht den Forderungen der Big Green an eine „neue“ Landwirtschaft anschließen kann und will.

Ich habe es nämlich auch satt. Ich kann den Ruf nach der bäuerlichen Landwirtschaft nicht mehr hören, denn es definiert keiner, was bäuerliche Landwirtschaft eigentlich ist. Wo es anfängt, wo es aufhört. Was oder wen genau die Satten im Land wollen. Jeder hat seine eigene Vorstellung und vertritt sie in voller Lautstärke. Bloß: Mit pauschalen Kampfbegriffen und entsprechendem Aktionismus machen sie höchstens kaputt, was sie erhalten wollen. Es häufen sich die Geschichten von potenziellen Hofnachfolgern, die die Betriebe ihrer Eltern nicht mehr bewirtschaften wollen, unter anderem weil sie die Nase gestrichen voll haben von diesem non-stop Bauernbashing in Politik, Öffentlichkeit und Medien.

Ich bin es satt, dass die, die die Landwirtschaft ökologisieren wollen, es nicht für notwendig erachten, belastbare Konzepte vorzulegen, wie denn eine für alle bezahlbare Lebensmittelversorgung nach der Agrarwende funktionieren soll. Vermutlich können sich die nur wohlhabendere Milieus leisten – unter anderem grüne Stammwähler. (Höfliche) Nachfragen per Facebook bei den Big Green (die Grünen, Greenpeace, BUND etc.) führt ins Nirwana – es herrscht lautes Schweigen. Oder, noch besser, man darf nicht mehr kommentieren (eine Spezialität von Grünen-Politiker).

Ich bin es ferner leid, dass so viele Menschen hierzulande behaupten, die moderne Landwirtschaft mache die Umwelt kaputt. Wo sie sich doch selber alle an die Nase packen müssten. Die Republik wird zubetoniert für die Allgemeinheit, fürs Eigenheim, Arbeiten und bequeme Shoppen auf der Grünen Wiese. Jeden Tag werden 70 Hektar Agrarland aus der Bewirtschaftung genommen und vieles davon versiegelt. Alle profitieren. So wie seit mehr als zwei Jahrzehnten massenmedial verbreitet wird, dass der globale Klimawandel menschengemacht ist und gerade der reiche Westen sowohl Mobilität als auch Stromverschwendung einschränken müsse. Das Gegenteil ist passiert. Aber die Landwirtschaft ist schuld? Es waren übrigens die Grünen, die die Förderung von Biogasanlagen initiiert haben. Und jetzt, wo ihnen die tatsächlichen bzw. vermeintlichen Konsequenzen nicht passen, schieben sie die Verantwortung in Richtung Landwirtschaft ab.

Ich bin es richtig leid, dass so viele nicht zu würdigen wissen, dass wir in dem reichsten Land der Welt leben und es zynisch ist, für gutes Essen auf die Straße zu gehen. Sämtliche Kontrollen der letzten Jahre sagen: Unser Essen ist sauber. So sauber wie vermutlich niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Für jeden ist etwas dabei – für jeden Geldbeutel. Dagegen zu protestieren grenzt doch an Wohlstandsverwahrlosung.

Für endgültig wohlstandsverwahrlost halte ich den Widerstand gegen grüne Gentechnologie. In all den Jahrzehnten konnten null Negativauswirkungen nachgewiesen werden. Diabetiskranke Menschen hierzulande betrachten Insulin gar als einen Segen, und das ist es definitiv. Bloß: Bei der Herstellung von Insulin werden gentechnisch manipulierte Pilzen und Bakterien verwendet. Aber wenn’s um die eigene Gesundheit geht, nicht wahr? Bei Lebensmitteln scheinen wissenschaftliche Erkenntnisse nicht zu tangieren – vermutlich weil keiner die Auswirkungen ausbaden braucht. Was ist das Resultat eines vagen Unwohlseins des einflussreichen, satten Westens gegenüber den Ländern der 3. Welt? Wertvolle Lebensmittel wie der Goldene Reis werden flächendeckend NICHT eingesetzt und Millionen von Kindern NICHT vor dem sicheren Erblinden und dem Tod bewahrt.

Ich bin es satt, dass die Landwirte pauschal für Antibiotikaresistenzen verantwortlich gemacht werden. Wo doch die Humanmedizin das mit Abstand größere Sorgenkind ist. Resultat: Die Landwirte reduzieren Jahr für Jahr – wie sieht es in der Humanmedizin aus? Ganz schwierig. Bloß löst man so Probleme?

Ich bin es satt, dass sich Deutschlands Landwirte Jahr um Jahr um mehr Tierwohl in den Ställen bemühen und dafür höchstens einen Tritt in den Hintern bekommen.

Ich bin das unwissenschaftliche, undifferenzierte Pestizidbashing leid. Dass mit Emotionen statt mit Fakten hantiert wird. Dass mit zweierlei Maß gemessen wird, indem der Einsatz von Pestiziden im Ökolandbau unter den Tisch fällt.
Es wird nur noch draufgehauen. Kaum einer erzeugt noch Lebensmittel und hat eine Ahnung, wie man es anstellt. Die Meckerer machen niemanden satt, aber verurteilen pauschal diejenigen, die es jeden Tag tun.

Fangen Sie alle damit erst mal an! Beweisen Sie, dass Sie es besser können. Bevor Sie die Profis jeden Tag aufs Neue fertig machen!

Ich ziehe daher ganz klar diese Veranstaltung vor: Wir machen Euch satt, 21. Januar 2017, 09:00 Uhr, Washingtonplatz (am Hauptbahnhof), Berlin.”

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2 thoughts on ““Wir machen Euch satt!”

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