Gestern haben Bayer und Monsanto offiziell bestätigt, dass der deutsche Weltkonzern aus Leverkusen den US-amerikanischen Gentechnik-Spezialisten übernehmen wird. Die Zustimmung der Monsanto-Aktionäre sowie der Kartellbehörden steht noch aus.

Offenbar ging es auf der Zielgeraden nur noch um Details, denn mit der offiziellen Bekanntgabe der Einigung wurde auch gleich eine neue Website gelauncht: advancingtogether.com – heißt soviel wie “gemeinsam besser werden” oder “gemeinsam voranschreiten”. Dort sind eine Reihe von Hintergrundinfos zum Deal hinterlegt sowie das offizielle Statement als Video.

Die Versprechen, die Werner Baumann, der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, hier gibt, sind wahrlich vollmundig:

“We are fully committed to helping solve one of the biggest challenges of society – and that is how to feed a massively growing world population in an environmentally sustainable manner.

What we do is good for consumers. We help to produce sufficient, safe, healthy and affordable food.

It is also good for our growers. Because they have better choices to increase yields in a sustainable way.”

Er wird daran gemessen werden müssen. Insbesondere gilt es zu zeigen, dass Grüne Gentechnik mehr kann als Roundup Ready und LibertyLink. Der trockenheitstolerante Mais von Monsanto wäre ein Anfang, um die Prognosen einzulösen, dass die moderne Pflanzenzüchtung den Herausforderungen von Bevölkerungswachstum und Klimawandel begegnen kann.

Weniger euphorisch fallen natürlich die Reaktionen von Umweltverbänden, NGOs und Öko-Parteien aus. Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, und Katharina Dröge, Sprecherin für Wettbewerbspolitik, meldeten sich in einer gemeinsamen Erklärung zu Wort:

“Diesen Deal darf es nicht geben. So entsteht ein übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft sondern verstärkt. Das Übernahmegeld von Bayer entspricht fast 30 Jahresgewinnen von Monsanto. Wer bereit ist so viel zu zahlen, spekuliert auf sprudelnde Einnahmen nach der Fusion. Bauern und Verbraucher werden dabei die Zeche zahlen. Ohnmächtig stehen sie dann einem weiteren Saatgutriesen gegenüber, der Preise und Angebot diktieren kann.”

Die Begründung für dieses Horrorszenario bleibt die Erklärung schuldig. Zum Abschluss wird es richtig spannend:

“Die Kartellbehörden in Europa und den USA müssen diesen Deal verhindern. Im Sinne der Vielfalt, der Umwelt, der Bauern und der Verbraucher. Wenn sie die Fusion mit dem Argument durchwinken, dass beide Konzerne auf unterschiedlichen Märkten aktiv sind, müssen wir diskutieren, ob das Kartellrecht verschärft werden muss.”

Wenn Monsanto und Bayer gemeinsam keine den Markt beherrschende Stellung erlangen und somit die Kartellbehörden nichts zu beanstanden haben sollten, wie soll man denn dann das Kartellrecht verändern, so dass es doch noch etwas zu mokieren gibt? Welche Kriterien sollen das sein? Etwa, dass es Herrn Dr. Hofreiter nicht gefällt?

Monsanto hat in Deutschland nach Brancheninformationen bei Maissaatgut einen Marktanteil von 4 (in Worten: “vier”) Prozent, Bayer hat hierzulande gar kein Maissaatgut in seinem Portfolio. Zumindest beim Mais brauchen wir uns also garantiert keine Sorgen machen – vermutlich bei anderen Nutzpflanzen auch nicht.

Wer sich ein Bild von der Nutzpflanzen-Vielfalt bei uns machen will, dem empfehle ich zur Lektüre zum Beispiel die “Beschreibende Sortenliste: Getreide, Mais, Öl- und Faserpflanzen, Leguminosen Rüben, Zwischenfrüchte 2016” des Bundessortenamtes – ein PDF mit 315 Seiten. Beim Studieren dieser Liste bekommt man mal ein Gefühl dafür, welche Informationen ein Landwirt verarbeiten muss, bevor er eine Anbauentscheidung trifft. Die Seiten 92 bis 149 beschäftigen sich allein mit Weizen. Da gibt es Winterweichweizen, Sommerweichweizen, Winterhartweizen, Sommerhartweizen und Weizensorten für den ökologischen Anbau. Aufgelistet sind verschiedene Eigenschaften, z.B. Reife, Qualität, Halmlänge, Neigung zu Lager und die Anfälligkeit gegenüber bestimmten Krankheiten. Dutzende, nein Hunderte Sorten sind da aufgeführt und jedes Jahr kommen neue hinzu. Nein, wenn ich mir um eines keine Sorgen mache, dann um die Nutzpflanzen-Vielfalt in Europa und daran wird auch die Bayer-Monsanto-Fusion nichts ändern.

Auch global hat sich die Situation in den letzten Jahren stark verändert: Länder wie China, Indien, Uganda, Brasilien, Kenia, Indonesien, Argentinien und Australien haben gezielt öffentliche Forschung im Bereich Grüne Gentechnik betrieben und stehen in den Startlöchern mit Produkten, an denen kein Weltkonzern direkt verdienen wird. Indien hat jetzt Monsanto auch Grenzen aufgezeigt bei der Vermarktung von Baumwoll-Saatgut. Neue erschwingliche Verfahren wie das Genome Editing (Crispr/Cas9 & Co), deren Produkte in manchen Ländern bislang nicht unter die Gentechnik-Regulierung fallen,  werden diesen Prozess noch verstärken.

campact.pngCampact hat seit Bekanntwerden der Übernahmepläne gegen die Fusion getrommelt und zieht jetzt den Publikumsjoker. Die passende Meinungsumfrage lag wohl schon in der Schublade: 70 Prozent der Bevölkerung sorgen sich danach. Kein Wunder: Die Bildsprache der Kampagne war auch mehr als deutlich.

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Bild: Campact

“Wir sind Monsanto!” twittert Harald Schmidt und trifft dabei einen wichtigen Aspekt: Der latente Antiamerikanismus, der die Kampagnen gegen Monsanto stets genährt hat, wird bei einem neuen Unternehmen unter der Federführung von Bayer wegfallen. Die NGOs werden es da viel schwieriger haben. So gibt es seit mehr als 30 Jahren eine NGO, die sich komplett auf Bayer konzentriert, die Coordination gegen Bayer-Gefahren – das interessiert nahezu niemanden hierzulande, die Organisation fristet ein Schattendasein – überstrahlt von Greenpeace, BUND und Co., die einfach mit den richtigen Feindbildern arbeiten.

Man denke nur an Volkswagen (VW) und den Abgas-Skandal. Im Inland hat der Betrug dem Ansehen von VW wenig geschadet. Monsanto wird gerne als das gigantische Überunternehmen kurz vor Übernahme der Weltherrschaft dargestellt. Im Vergleich zu VW ist Monsanto allerdings ein Zwerg.

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Umsatz 2015 nach marketwatch.com

Ein Beispiel: 2015 hat sich mein Mann die “Wir haben es satt” Demo in Berlin angesehen. Zwei Demonstrantinnen breiteten ein großes Transparent “Keine Gentechnik” o.ä. in der Nähe des Kanzleramtes aus. Er machte sich den Spaß und fragte die Damen, ob sie ihm denn den Unterschied zwischen Gentechnik und strahleninduzierter Mutation erklären könnten. “Mutawas?”, kam da zurück und weiter: “Darum geht es doch gar nicht, es geht schließlich um Monsanto!” Diskussion Ende. Diese “argumentative” Abkürzung stünde nicht mehr zur Verfügung, wenn der Name “Monsanto” von der Bildfläche verschwindet. Millionen an Marketinggeldern der NGOs gingen dann den Bach runter. Daher auch die Versuche von Campact und Co, den schlechten Ruf von Monsanto auf Bayer zu übertragen. Auch für die aus dem Namen abgeleitete Teufelssymbolik (“Monsanto” -> “Monsatan”) muss man sich was Neues ausdenken. Wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauern wird, bis der erste Bayer-Schriftzug auf der Bildfläche erscheint, bei dem ein Buchstabe durch einen Totenkopf ersetzt worden ist.

 

Bildnachweis: Bayer AG, Niederlassung in Monheim am Rhein, der Hauptsitz von Crop Science, der Landwirtschaftssparte von Bayer

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3 thoughts on “Deal perfekt: Bayer übernimmt Monsanto

  1. “Das Übernahmegeld von Bayer entspricht fast 30 Jahresgewinnen von Monsanto.”
    Faktencheck:
    Monsanto Umsatz 2015: 15 Mrd US-$
    Monsanto Ergebnis vor (nach) Steuern 2015: 3,2 (2,3) Mrd US-$
    Kaufpreis: 66 Mrd. US-$
    Naja, wollen wir Hofreiters Rechnung mal gelten lassen…

    Es verwundert mich zwar auch, wie bei solchen Relationen eine Wirtschaftlichkeit hergestellt werden soll. Aber vermutlich sind auch die Abschreibungseffekte nicht unerheblich?!

    Wenn man den Syngeta-ChemChina-Deal zum Vergleich herzieht, liegt der Kaufpreis wohl durchaus im “marktüblichen” Rahmen:
    Syngenta Umsatz 2015: 13 Mrd; CHF
    Syngenta Ergebnis vor (nach) Steuer 2015: 1,5 (1,3) Mrd CHF
    Kaufpreis 43 Mrd. $ = 42 Mrd CHF
    (1CHF = 1,03 US-$)

  2. Kuschelig in Monheim bei Bayer Crop Science. In Virginia und Indien in der Produktion von Bayer Crop Science war es bei den Störfällen eher nicht so gemütlich

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