Als Wappentier des postfaktischen Zeitalters könnte man das Chlorhuhn bezeichnen. Zum Symbol des Anti-TTIP-Protestes hochstilisiert, wurde damit gegen das Freihandelsabkommen agitiert. Dabei ist ein Chlorhuhn keinesfalls ungesünder als ein in Europa verkauftes Masthuhn. Prof. Lüppo Ellerbroek vom Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wies in der ARD-Sendung “Report Mainz” darauf hin, dass auch deutsche Hähnchen mit Keimen belastet seien und erklärte:

“Es gibt keinen Grund, warum man dem Verbraucher diese Maßnahme vorenthalten sollte oder müsste. Sondern es gibt vielmehr gewichtige Gründe, dass man dieses Verfahren auch anwendet, denn wir dürfen kein geeignetes Mittel auslassen, um den Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.”

Aber um Fakten und gute Gründe geht es leider häufig nicht, wenn man Menschen bewegen will, eine bestimmte Meinung anzunehmen und bestimmte Parteien zu wählen. So sagt Friedrich Ostendorff, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, in der gleichen Sendung:

“Das Chlorhühnchen war für uns Grüne in den letzten Tagen und Wochen des Wahlkampfes der Bringer an den Wahlkampfständen. Die Menschen kamen offensiv auf die Stände zu und sagten: ‘Wir wollen das nicht’. (…) Chlor assoziiert bei uns brennende Schleimhäute, brennende Augen, das kennen wir aus dem Schwimmbad, und dass wir das freiwillig unnötig zu uns nehmen sollen – als Zusatznahrung -, das will keiner.”

So einfach ist das also und auf diese Weise kann man komplizierte Freihandelsabkommen auf einfache Formeln runterbrechen, so wie hier auf der Facebook-Seite von Rebecca Harms, die für die Grünen im Europa-Parlament sitzt:

Der Spiegel-Autor Alexander Neubacher wollte es genau wissen und hat bei Rebecca Harms mal nachgefragt. Sehen Sie selbst:

Warum dieses populistische Werben um Wähler, Unterstützer und letztlich auch Spendengelder letztlich unserer Gesellschaft schadet, zeigt dieser Bericht der ARD-Sendung “plusminus“:

 

Links:

• BfR sieht keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher durch US-Chlor-hühnchen
“Report Mainz”, heute, 10. Juni 2014, um 21.45 Uhr im Ersten

• Freihandel: So schüren Gegner Ängste

• Europäer nehmen Globalisierungsängste mit in die Wahlkabine

• Verhaltensökonomik und Wirtschaftsethik

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