Schaffen Sie es, an einem Tag 20.000 Liter Eiscreme zu essen? Wohl kaum. So viel müssten Sie aber essen, damit die angeblich jetzt in Eiscreme der Sorte “Ben and Jerry’s” gefundenen Glyphosat-Rückstände Ihnen schaden.

Hier eine einfache Rechnung:

-Gefunden wurden laut Berichterstattung “bis zu 1,23 Nanogramm je Milliliter”, macht 0,00000123 Milligramm je Milliliter bzw. 0,00123 Milligramm je Liter.

-Der ADI von Glyphosat liegt bei 0,3 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für einen Menschen, der 80 kg wiegt wären das 24 mg.

-Die gefundenen 0,00123 Milligramm/Liter passen 19512,19512-mal in die 24 mg, das heißt eine Person, die 80 kg wiegt, darf rund 20.000 Liter der am stärksten belasteten Eiscreme essen, um auch nur in die Nähe einer Gesundheitsgefahr durch die Herbizidrückstände zu gelangen.

ADI steht für “Acceptable Daily Intake”, auf deutsch: “erlaubte Tagesdosis”, und beschreibt die Menge einer Substanz, die laut Wikipedia  “bei lebenslanger täglicher Einnahme als medizinisch unbedenklich betrachtet wird”.

Soweit zu den Zahlen. Mein persönlicher Kommentar: Die Funde wurden auf einer Pressekonferenz der Grünen im Europaparlament von einem sogenannten Forscher namens Gilles-Eric Séralini verkündet und die Deutsche Presseagentur verschickt das als Meldung ohne Einordnung und viele Medien bis hin zur FAZ bringen diese Meldung, ebenfalls ohne eine Einordnung vorzunehmen. Können die alle nicht rechnen?

 

 

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5 thoughts on “20.000 Liter Eiscreme am Tag

  1. Danke Susanne, immer derselbe Trick, Verschweigen der tatsächlich wirkenden Glyphosat-Konzentrationen. Es gibt schon eine ganze Reihe solcher polemischen Verfälschungen (die tausend Bierflaschen wohl das populärste Beispiel. Ich stelle (mit Deiner Hilfe?) mal eine Liste zusammen und füge sie dann English in meinen Glyphosat-Blog ein.

    Anderseits ist es ja so, dass es einige dokumentierte Datenreihen zu versuchten Selbstmorden mit konzentriertem Glyphosat gibt (Spital-Statistiken), da ist das in den meisten Fällen nicht gelungen, und die registrierten Toten wurden auch nicht genauer auf die Todesursache untersucht. Also auch riesige Mengen von Glyphosat wirken nicht tödlich. Publikations-Belege kann ich liefern.

  2. Man muß dazu erwähnen, dass dieser “Wissenschaftler” Seralini Fachberater für die Firma Sevene Pharma ist, die ein Wundermittelchen zum “Entgiften” des Körpers von Glyphosat vertreibt.

    1. Man könnte auch erwähnen, dass Auftraggeber der “Studie” die Organic Consumers Association (OCA) ist, also der Hauptfinanzier des Monsanto-Tribunals. Man könnte so viel erwähnen, was die Agenturjournalisten mal hätten überprüfen können. Zum Beispiel drängt sich die Frage auf, ob das angewendete Testverfahren überhaupt brauchbar ist, Speiseeis ist ja keine einfache wässrige Lösung. Das ist alles sehr ermüdend …

      Hier ist die Pressemitteilung der OCA: http://www.presseportal.de/pm/128199/3757044 Wenn man das aufmerksam liest und mit der dpa-Meldung (z.B. hier: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/glyphosat-im-speiseeis-ben-and-jerry-s-gefunden-15240141.html) vergleicht, bekommt man einen Eindruck davon, was für ein hartes Geschäft Agenturjournalismus ist:
      -Akteure verstecken (Auftraggeber der “Studie” ist eine NGO)
      -Zitate aufschnappen zusätzlich zu denen aus der PM, sonst fällt auf, dass man nichts Eigenes beigesteuert hat
      -Gegenmeinung einholen: Telefonat mit Unilever führen, Unilever (Industrie!) dumm dastehen lassen

      Und fertig ist der Aufreißer!

  3. Und nicht vergessen, daß Séralini ja gerne Schrottstudie zu Glyphosat veröffentlicht, die dann ein Jahr später wegen schwerwiegender Mängel von der Publikation, in der er veröffentlicht hat, rausgeschmissen werden, und er geht einfach weiter zum nächsten Fachblatt.

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